Tau­ber: Nichts Per­sön­li­ches ge­gen Schulz

Die Uni­ons­spit­ze schwört sich auf ei­nen har­ten Wahl­kampf ein. So­zi­al­de­mo­kra­ten füh­len sich schon an die Bar­schel-Af­fä­re er­in­nert.

Saarbruecker Zeitung - - Politik - VON WER­NER KOLHOFF

BER­LIN Der Schulz-Schock sitzt tief in der Uni­on. Am Wo­che­n­en­de schon hat­ten Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le und Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der den SPDHer­aus­for­de­rer von An­ge­la Mer­kel scharf kri­ti­siert; aus dem Eu­ro­pa­par­la­ment war zu­gleich ein Dos­sier mit zum Teil per­sön­li­chen Vor­wür­fen be­kannt ge­wor­den. In­halt­lich nah­men CDU und CSU ges­tern da­von nichts zu­rück. Aber bei der Form der Kri­tik will man vor­sich­ti­ger sein.

„Wir wer­den den Kan­di­da­ten Schulz nicht als Per­son an­grei­fen, aber wohl sei­ne Hal­tun­gen und Aus­sa­gen“, teil­te CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber nach der Vor­stands­sit­zung sei­ner Par­tei mit. Und füg­te hin­zu, er mei­ne da­mit „An­grif­fe ge­gen per­sön­li­che Pha­sen im Le­ben oder Brü­che in Bio­gra­fi­en, die vi­el­leicht je­der von uns hat“. Ähn­li­ches war schon aus dem Um­feld von An­ge­la Mer­kel zu hö­ren ge­we­sen, die sich am Sonn­tag am Ran­de der Bun­des­ver­samm­lung mit Mar­tin Schulz und CSU-Chef Horst See­ho­fer zu ei­nem ver­trau­li­chen kur­zen Ge­spräch ge­trof­fen hat­te. Im CDU-Prä­si­di­um wur­de aus­führ­lich über die La­ge dis­ku­tiert, vor al­lem über die Tat­sa­che, dass die SPD in den Um­fra­gen nach oben ge­schos­sen ist und die Uni­on teil­wei­se schon über­flü­gelt hat. Am meis­ten ge­winnt die SPD seit der Kür Schulz’ zum Kanz­ler­kan­di­da­ten bei Nicht­wäh­lern, auch zu­las­ten der AfD.

In Tau­bers Pres­se­kon­fe­renz nahm das The­ma Schulz den über­wie­gen­den Teil der Zeit ein. Und um­ge­kehrt die Ab­wehr der Kri­tik an Schulz auch in der Pres­se­kon­fe­renz, die SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley ei­ne St­un­de spä­ter gab. Wer bei­de Ver­an­stal­tun­gen ver­folg­te, muss­te un­wei­ger­lich zu dem Ein­druck kom­men, dass Uni­on und SPD ei­nen Tag nach der ge­mein­sa­men Wahl ei­nes neu­en Bun­des­prä­si­den­ten aus dem Stand schon wie­der in den Wahl­kampf­mo­dus ge­schal­tet ha­ben.

Bar­ley kri­ti­sier­te das von Mit­ar­bei­tern der CDU/CSU-Grup­pe im EU-Par­la­ment. zu­sam­men­ge­stell­te Dos­sier scharf. Es ent­hält un­ter an­de­rem den Vor­wurf, als EU-Par­la­ments­prä­si­dent ha­be es Schulz ge­dul­det, dass ein en­ger Ver­trau­ter sich Vor­tei­le bei Spe­sen­gel­dern ver­schafft ha­be. Die Vor­wür­fe sei­en alt und be­reits „vor­wärts und rück­wärts ge­prüft“ wor­den, sag­te Bar­ley. Und wenn in dem Dos­sier so­gar die Spei­se­kar­te von Schulz’ nicht ge­ra­de bil­li­gem Lieb­lings­re­stau­rant in Brüs­sel er­wähnt wer­de, sei das lä­cher­lich. Es las­se für den kom­men­den Wahl­kampf nichts Gu­tes ah­nen, dass da­zu auf­ge­ru­fen wor­den sei, wei­te­res be­las­ten­des Ma­te­ri­al zu sam­meln und an die Ge­schäfts­stel­le der CDU/CSU im Eu­ro­pa­par­la­ment zu schi­cken. SPD-Par­tei­vi­ze Ralf Steg­ner warf der Uni­on in Er­in­ne­rung an die Af­fä­re des da­ma­li­gen Kie­ler Mi­nis­ter­prä­si­den­ten des­halb so­gar schon Me­tho­den wie aus den „Bar­schel-Jah­ren“vor.

Die Uni­on arg­wöhn­te, die SPD ver­su­che je­de Kri­tik an Schulz zu ta­bui­sie­ren. „Of­fen­bar will man dort wie­der den Straf­be­stand der Ma­jes­täts­be­lei­di­gung ein­füh­ren“, ätz­te Tau­ber. Man kri­ti­sie­re den Her­aus­for­de­rer po­li­tisch, nicht per­sön­lich, „in der Sa­che hart, aber fair in den Aus­sa­gen“. Schulz wol­le die Tür­kei zum Mit­glied der eu­ro­päi­schen Uni­on ma­chen, mit Grü­nen und Lin­ken re­gie­ren und eu­ro­päi­sche Schul­den ver­ge­mein­schaf­ten. „Wir nicht.“Ähn­lich äu­ßer­te sich CSU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Scheu­er. „Wel­che Schmutz­kam­pa­gne ge­gen Schulz?“, ant­wor­te­te er rhe­to­risch auf ei­ne ent­spre­chen­de Fra­ge. „Wahr­heit kann weh tun.“Die SPD sol­le nicht den Weh­lei­di­gen spie­len.

FO­TO: IMA­GO

CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber ist im Wahl­kampf-Mo­dus.

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