„Der Kan­ni­ba­le lebt noch“

Der Nor­we­ger Ole Ei­nar Björn­da­len hat sei­ne 45. Me­dail­le bei ei­ner Bi­ath­lon-WM ge­won­nen – sicht­lich be­flü­gelt vom Er­folg sei­ner Ehe­frau.

Saarbruecker Zeitung - - Sport - VON THO­MAS WOLFER über Ehe­frau Dar­ja Dom­rat­sche­wa

HOCHFILZEN (sid) Ole Ei­nar Björn­da­len ließ kei­nen Zwei­fel an sei­nem un­ge­still­ten Me­dail­len­hun­ger. „Der Kan­ni­ba­le lebt im­mer noch“, sag­te der ewig jun­ge 43Jäh­ri­ge nach sei­nem Me­dail­len­Coup bei der Bi­ath­lon-WM in Hochfilzen und lach­te. Bron­ze in der Ver­fol­gung be­deu­te­te für ihn

Ole Ei­nar Björn­da­len am Sonn­tag den un­glaub­li­chen 45. (!) Po­dest­platz bei Welt­meis­ter­schaf­ten. Am En­de sieht sich die Iko­ne aus Nor­we­gen aber noch lan­ge nicht.

„Kan­ni­ba­le ist ein kras­ses Wort, aber ich ha­be auf je­den Fall im­mer noch Lust. Ich den­ke nicht so sehr nur an Sie­ge, son­dern kon­zen­trie­re mich nur auf mich“, sag­te Björn­da­len, an­ge­spro­chen auf sei­nen Spitz­na­men. Dass er noch im­mer mit 20 Jah­re jün­ge­ren Ath­le­ten wie sei­nem Lands­mann Jo­han­nes Thing­nes Bö, der ihm Sil­ber weg­schnapp­te, mit­hal­ten kann, grenzt an ein klei­nes Wun­der. In Wahr­heit ist es je­doch knall­har­te Ar­beit.

„Die an­de­ren Jungs sind ex­trem stark. Es ist sehr schwie­rig für mich, sie zu schla­gen“, sag­te der Re­kord­welt­meis­ter und Re­kord­Olym­pia­sie­ger. Sein Trai­ning ist knüp­pel­hart, Qua­len ge­hö­ren zur täg­li­chen Ar­beit. Was ihn nach 25 Jah­ren im Welt­cup noch an­treibt? „Es war ei­ne Mo­ti­va­ti­on, ei­ne Me­dail­le für mei­ne Fa­mi­lie zu ge­win­nen“, sag­te Björn­da­len.

Es war an die­sem ganz be­son­de­ren Tag so­gar schon die zwei­te für die jun­ge Fa­mi­lie. Zu­vor hat­te Björn­da­lens Ehe­frau Dar­ja Dom­rat­sche­wa, Drei­fach-Olym­pia­sie­ge­rin von Sot­schi, in der Ver­fol­gung hin­ter Lau­ra Dahl­mei­er sen­sa­tio­nell Sil­ber ge­won­nen – nur vier­ein­halb Mo­na­te nach der Ge­burt der ers­ten ge­mein­sa­men Toch­ter Xe­nia. „Das ist ein glück­li­cher Tag für un­se­re Fa­mi­lie“, sag­te Dom­rat­sche­wa.

Björn­da­len ver­folg­te das Ren­nen vor dem Fern­se­her – und konn­te gar nicht glau­ben, was er sah. „Sie ist fast schon wie­der auf ih­rem Top­le­vel. Es ist un­glaub­lich, was sie ge­leis­tet hat“, sag­te der 20ma­li­ge Welt­meis­ter über sei­ne Frau, die erst im Ja­nu­ar nach mehr als ein­jäh­ri­ger Pau­se in den Welt­cup zu­rück­ge­kehrt war.

An­ge­spornt von der Leis­tung sei­ner 31 Jah­re al­ten Part­ne­rin stürm­te er selbst auf das Po­di­um, die ver­sam­mel­te Wel­t­eli­te um Welt­meis­ter Mar­tin Four­ca­de ver­neig­te sich. Für die meis­ten sei­ner Geg­ner ist Björn­da­len ein Idol ih­rer Kind­heit. Ei­ner, der ein­fach schon im­mer da war. Doch im kom­men­den Jahr soll Schluss sein. Ein letz­tes Mal Olym­pia, vi­el­leicht der neun­te Olym­pia­sieg? Dann will er sich in die Bi­ath­lonRen­te

„Sie ist fast schon wie­der auf ih­rem Top­le­vel. Es ist un­glaub­lich, was sie ge­leis­tet hat.“

ver­ab­schie­den.

Björn­da­len ste­hen die un­zäh­li­gen Wett­kämp­fe, Du­el­le und Trai­nings­stun­den ins Ge­sicht ge­schrie­ben. Die Fal­ten wer­den tie­fer, manch­mal wirkt er aus­ge­laugt und mü­de. Doch dann ist er wie­der auf den Punkt da. 94 Welt­cup­Sie­ge hat er ge­holt, sechs Mal den Ge­samt­welt­cup ge­won­nen. Vi­el­leicht zieht Do­mi­na­tor Four­ca­de (58 Sie­ge), so hung­rig nach Er­fol­gen wie der Kan­ni­ba­le, bald mit ihm gleich, bricht sei­ne Re­kor­de. Was Björn­da­len von sei­nem po­ten­zi­el­len Nach­fol­ger hält? „Ich wün­sche ihm die Er­fol­ge, aber mir ist es ei­gent­lich egal.“Four­ca­de sei ein „un­glaub­li­cher Ath­let“, ei­ner, „der auf den Ski­ern al­les kann“. Er mo­ti­vie­re Björn­da­len so­gar, „weil er sich selbst im­mer ver­bes­sern will“.

Er selbst ha­be sich in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren nicht stark ver­än­dert, mein­te Björn­da­len. „Si­cher sind jetzt die Geg­ner stär­ker, und es gibt mehr, die aufs Po­dest lau­fen kön­nen“, sag­te er. Doch ei­gent­lich sei nur ei­ne Sa­che an­ders, weil er seit Ok­to­ber Va­ter ist: „Ich schla­fe zwar im­mer noch gut, aber da­für et­was we­ni­ger.“

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