Schnel­ler zum lu­xem­bur­gi­schen Pass

Ab­ge­ord­ne­ten­kam­mer des Groß­her­zog­tums ver­ab­schie­det zwei Ge­set­ze zur Na­tio­na­li­tät und Vi­sum­er­leich­te­rung.

Saarbruecker Zeitung - - REGION - VON HÉLÈNE MAILLASSON

LU­XEM­BURG Die lu­xem­bur­gi­sche Ab­ge­ord­ne­ten­kam­mer Cham­ber hat ein neu­es Na­tio­na­li­täts­ge­setz ver­ab­schie­det. Die­ses soll den Zu­gang zur Staats­an­ge­hö­rig­keit er­leich­tern. Statt sie­ben müs­sen An­wär­ter auf ei­nen lu­xem­bur­gi­schen Pass jetzt nur noch fünf Jah­re un­un­ter­bro­chen im Land ge­lebt ha­ben. Au­ßer­dem führt der neue Ge­set­zes­text das Ge­burts­orts­prin­zip für die ers­te Ge­ne­ra­ti­on ein. Das heißt, dass Kin­der, die im Groß­her­zog­tum ge­bo­ren sind, aber aus­län­di­sche El­tern ha­ben, mit 18 Jah­ren au­to­ma­tisch die lu­xem­bur­gi­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit be­kom­men. Um Ge­burts­tou­ris­mus zu ver­hin­dern, sieht das Ge­setz den­noch vor, dass min­des­tens ein El­tern­teil die zwölf Mo­na­te vor der Ge­burt in Lu­xem­burg ge­wohnt ha­ben muss.

Stren­ger ist das neue Na­tio­na­li­täts­ge­setz mit den­je­ni­gen, die be­reits mit der Jus­tiz zu tun hat­ten. Bis­her wur­de der lu­xem­bur­gi­sche Pass den Men­schen ver­wei­gert, die zu ei­ner Haft­stra­fe von min­des­tens ei­nem Jahr ver­ur­teilt wur­den. Das Glei­che gilt jetzt eben­so für Men­schen, die ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe von min­des­tens zwei Jah­ren be­kom­men ha­ben.

Un­ge­än­dert bleibt das ge­for­der­te Ni­veau in lu­xem­bur­gi­scher Spra­che. Dass das Ge­setz, das am 1. April in Kraft tritt, mit gro­ßer Mehr­heit ver­ab­schie­det wur­de (57 von 60 Stim­men), war kei­ne Über­ra­schung. In ei­nem Land, das rund 47 Pro­zent Aus­län­der­an­teil und An­ge­hö­ri­ge von mehr als 170 Na­tio­na­li­tä­ten zählt, gab es für die Neue­run­gen ei­nen ge­sell­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Kon­sens.

In der glei­chen Wo­che wur­de auch ei­ne Vi­sum­er­leich­te­rung für In­ves­to­ren von den lu­xem­bur­gi­schen Ab­ge­ord­ne­ten mit 58 Stim­men durch­ge­wun­ken. „Der Ge­setz­ent­wurf sieht die Schaf­fung ei­ner neu­er Ka­te­go­rie von Auf­ent­halts­ti­tel für ‚In­ves­to­ren’ vor, die zum Bei­spiel in die Grün­dung oder Über­nah­me von Un­ter­neh­men in­ves­tie­ren wol­len“, teilt die Re­gie­rung mit. Be­trof­fen sind Men­schen, die min­des­tens 500 000 Eu­ro in ei­ne lu­xem­bur­gi­sche Fir­ma in­ves­tie­ren oder 20 Mil­lio­nen Eu­ro auf ei­nem Kon­to bei ei­nem lu­xem­bur­gi­schen Bank­in­sti­tut ein­zah­len. In­ves­ti­tio­nen in Im­mo­bi­li­en fal­len nicht dar­un­ter. Mit die­sem Ge­setz soll ei­ne EU-Richt­li­nie ins na­tio­na­le Recht um­ge­setzt wer­den, um die Im­mi­gra­ti­on aus nicht EU-Län­dern zu ver­ein­fa­chen. Im Herbst hat­te der Lu­xem­bur­ger Staats­rat den Ge­setz­ent­wurf mo­niert. Er hal­te es für schwie­rig, zu prü­fen, wo das Geld genau her­kom­me und die Ehr­bar­keit der In­ves­to­ren zu prü­fen. Die Re­gie­rung hat­te dar­auf­hin ei­ni­ges über­ar­bei­tet und so ver­si­cher­te Marc An­gel, Be­richt­er­stat­ter die­ses Ge­set­zes, bei der Ab­stim­mung, dass die­ses kein Frei­fahrt­schein für Rei­che sei. Die Ehr­bar­keit der In­ves­to­ren wer­de ge­nau­so wie bei al­len an­de­ren Vi­sum-An­trag­stel­lern über­prüft. Eben­so müs­se die­ser Per­so­nen­kreis sich die Hälf­te des Jah­res in Lu­xem­burg auf­hal­ten. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ha­ben meh­re­re EU-Län­der ähn­li­che Ge­set­ze ver­ab­schie­det. Laut ei­nem 2015 ver­öf­fent­lich­ten Be­richt des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds („Too Much of a Good Thing?“) ge­nie­ßen groß­zü­gi­ge In­ves­to­ren auch in Bul­ga­ri­en, Frank­reich, Grie­chen­land, Un­garn, Ir­land, Lett­land, Por­tu­gal und Spa­ni­en Vi­sa­er­leich­te­run­gen. In Zy­pern und Malta kön­nen sie so­gar ein­fa­cher ein­ge­bür­gert wer­den.

FO­TO: DPA

Sei­ne Staats­an­ge­hö­rig­keit ist kei­ne Fra­ge: Li­am Hen­ri Hart­mut von Nas­sau (Mit­te) ist ein wasch­ech­ter Lu­xem­bur­ger – hier mit sei­nen El­tern, Prinz Fé­lix und Prin­zes­sin Clai­re, und Schwes­ter Ama­lia.

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