Das reicht noch nicht für die Ent­zau­be­rung

KOMMENTAR

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES -

Der Er­folg hat vie­le Nei­der. Dass sich der eins­ti­ge EU­Par­la­ments­prä­si­dent Mar­tin Schulz in der Bun­des­po­li­tik als so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Senk­recht­star­ter ent­puppt, ver­wun­dert die Par­tei­ge­nos­sen und är­gert die Christ­de­mo­kra­ten. Sie sa­hen sich mit Blick auf die Bun­des­tags­wahl schon auf der Sie­ger­stra­ße. Nun sam­meln sich die po­li­ti­schen Geg­ner des Schulz’schen Er­fol­ges, um zu be­le­gen, dass der Mann in Brüssel und Straß­burg kei­nes­wegs durch ei­ne feh­ler­lo­se Amts­füh­rung auf­fiel. Das ist nach­voll­zieh­bar. Aber wer da­bei tief­grei­fen­de Ent­hül­lun­gen ver­spricht, soll­te dies auch hal­ten. Oder bes­ser schwei­gen. Was bis­her ans Ta­ges­licht kam, eig­net sich nicht wirk­lich, um Schulz zu ent­zau­bern. Denn dass der Chef ei­nes Par­la­men­tes bei der Be­set­zung von Schlüs­sel­funk­tio­nen auf Ver­trau­te zu­rück­greift, ge­hört zum Ge­schäft je­des Un­ter­neh­mens. Ein Skan­dal wä­re es erst, wenn er Un­fä­hig­keit för­dert. Es stimmt: Schulz hat si­cher­lich hier und da po­li­ti­sches Fin­ger­spit­zen­ge­fühl ver­mis­sen las­sen so­wie eher mit bra­chia­ler Wort­ge­walt ge­ar­bei­tet. Das mag man als Ver­stoß ge­gen po­li­ti­sche Fair­ness brand­mar­ken. Zu­min­dest bis­her reicht das aber nicht, um den so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Hoff­nungs­trä­ger zu ent­zau­bern.

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