Strom­aus­fall bald Ge­schich­te

Neue Idee aus dem Saar­land soll über­all in Deutsch­land stän­di­ge Ver­sor­gung si­chern.

Saarbruecker Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON THO­MAS SPONTICCIA

SAAR­BRÜ­CKEN Strom­aus­fäl­le sol­len in Deutsch­land künf­tig mög­lichst aus­ge­schlos­sen sein. Um rund um die Uhr je­der­zeit und mög­lichst über­all ei­ne ver­läss­li­che Ver­sor­gung si­cher­zu­stel­len, star­ten die VSE AG und der Ent­sor­gungs­ver­band Saar (EVS) ge­mein­sam ein bun­des­weit bis­her ein­ma­li­ges Pi­lot­pro­jekt. VSE-Vor­stand Han­no Dorn­sei­fer spricht schon von ei­nem „ein­ma­li­gen Ver­fah­ren, das rich­tungs­wei­send in der Ener­gie­bran­che ist“.

Das Ver­fah­ren kom­bi­niert die Stär­ken kon­ven­tio­nel­ler Ener­gie­trä­ger mit de­nen der er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en. Es soll Lü­cken in der bun­des­wei­ten Netz-Ver­sor­gung schlie­ßen und Net­ze sta­bi­li­sie­ren, et­wa wenn we­nig Wind oder Son­nen­en­er­gie zur Ver­fü­gung steht. Kern des Pro­jek­tes ist ein „vir­tu­el­les Kraft­werk“, das in der Zen­tra­le der VSE in Saar­brü­cken im DreiSchicht-Be­trieb ge­steu­ert wird. Es kann in der An­fangs­pha­se rund 380 Me­ga­watt Strom als zu­sätz­li­che Leis­tung für Strom­net­ze mo­bi­li­sie­ren. Das ent­spricht der Grö­ßen­ord­nung ei­nes mitt­le­ren Kraft­werks­blocks. Die­se Leis­tung stammt aus den An­la­gen ver­schie­de­ner klei­ner Strom­er­zeu­ger, die ih­re Ener­gie dem vir­tu­el­len Kraft­werk zur Ver­fü­gung stel­len.

Schon jetzt sind über 100 Part­ner

VSE-Vor­stand Han­no Dorn­sei­fer

aus dem Saar­land so­wie an­de­ren Re­gio­nen be­tei­ligt am Ver­bund, die ih­re An­la­gen in das vir­tu­el­le Kraft­werk ein­brin­gen. Zum Ver­bund ge­hö­ren ver­schie­dens­te de­zen­tra­le An­la­gen wie Block­hei­zund Bio­mas­se­kraft­wer­ke, Wind­kraft-, Klär- und Pho­to­vol­ta­ik-An­la­gen bis hin zu Not­strom­ag­gre­ga­ten.

Letz­te­re bie­ten ei­nen be­son­de­ren Reiz, da zahl­rei­che Un­ter­neh­men zwar über sol­che Ag­gre­ga­te ver­fü­gen, die­se bis­her je­doch in der Re­gel nur in Aus­nah­me­fäl­len zum Ein­satz ka­men. Sie sol­len ei­ne fes­te Säu­le im künf­ti­gen Ver­sor­gungs­netz des vir­tu­el­len Kraft­wer­kes bil­den. Der EVS et­wa bringt die Not­strom­ag­gre­ga­te zum Be­trei­ben sei­ner Klär­an­la­gen in das vir­tu­el­le Kraft­werk ein, sagt EVS-Ge­schäfts­füh­rer Micha­el Phil­ip­pi. Auf die glei­che Wei­se be­tei­li­gen sich Un­ter­neh­men wie ZF, Glo­bus, ver­schie­de­ne Stadt­wer­ke so­wie Kran­ken­häu­ser.

Auch die Abrech­nung der ein­ge­brach­ten Ener­gie al­ler Teil­neh­mer er­folgt mo­nat­lich durch die VSE. Für sie ist die Teil­nah­me auch des­halb at­trak­tiv, weil sie in dem Pro­jekt gleich­zei­tig zu ei­nem um­fas­sen­den Ener­gie-Ma­na­ger wer­den. Zu­mal die Ver­mark­tung des er­zeug­ten Stroms auch über die Strom­bör­se in Leip­zig er­fol­gen kann. Tech­ni­scher Kern des vir­tu­el­len Kraft­wer­kes ist ein klei­ner Kas­ten als elek­tro­ni­sche Steue­rungs­und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ein­heit. Er wird vor Ort in je­de be­tei­lig­te An­la­ge ein­ge­baut. Die VSE hat ex­tra be­stimm­te elek­tro­ni­sche Bau­tei­le selbst ent­wi­ckelt, die zu­dem ab­so­lut si­cher sei­en vor even­tu­el­len Ha­cker-An­grif­fen, er­läu­tert Micha­el Küs­ter, Lei­ter für die Ener­gie­dis­po­si­ti­on bei der VSE. Al­le Da­ten sei­en dop­pelt ab­ge­si­chert. Die Ener­gie­wen­de in Deutsch­land wer­de nur ein Er­folg, wenn al­le an ihr be­tei­lig­ten Ener­gie­er­zeu­ger zu­sam­men­ar­bei­ten, be­tont Küs­ter, der 13 Jah­re in der Ener­gie­bran­che tä­tig ist.

VSE und EVS wol­len nach ers­ten Er­fah­run­gen mit ih­rem vir­tu­el­len Kraft­werk auf dem deut­schen Markt die­se Lö­sung der Netz-Op­ti­mie­rung auch in­ter­na­tio­nal an­bie­ten. Ge­dacht ist an die Märk­te Ös­ter­reich, Schweiz, Bel­gi­en, Luxemburg so­wie Tsche­chi­en.

„Das Pro­jekt ist rich­tungs­wei­send für die ge­sam­te Strom­bran­che“

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