Grie­chen­land droht die Rück­kehr der Kri­se

Eu­ro-Fi­nanz­mi­nis­ter for­dern Spa­ren, wäh­rend Grie­chen an Wie­der­ein­füh­rung der Drach­me den­ken.

Saarbruecker Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON WER­NER KOLHOFF

BERLIN. Zieht ei­ne neue Grie­chen­land­kri­se her­auf? An den Fi­nanz­märk­ten sind die Ri­si­ko­zu­schlä­ge für grie­chi­sche Staats­an­lei­hen in den letz­ten Ta­gen stark an­ge­stie­gen – ein Alarm­si­gnal. Am Mon­tag be­ra­ten die Eu­ro-Fi­nanz­mi­nis­ter über die Fort­set­zung der Hil­fen. Die La­ge gleicht ei­nem kom­pli­zier­ten Mehr­fach­kno­ten. Der jüngs­te Ver­such des CSU-Eu­ro­pa­po­li­ti­kers Man­fred We­ber, ihn an ei­ner Stel­le auf­zu­lö­sen, hat vor­erst nur eins er­reicht: neue Kno­ten.

Mit­te 2015 war das drit­te Ret­tungs­pa­ket mit ei­nem Vo­lu­men von bis zu 86 Mil­li­ar­den Eu­ro be­schlos­sen wor­den. Grie­chen­land muss­te sich ver­pflich­ten, sei­ne Re­for­men fort­zu­set­zen. Strit­tig ist aber schon, ob At­hen das in aus­rei­chen­dem Ma­ße ge­tan hat. Mehr spa­ren will und kann die Re­gie­rung aus in­nen­po­li­ti­schen Grün­den je­doch kaum. Der­zeit wird mit der Eu­ro­grup­pe über die nächs­ten Re­form­schrit­te ver­han­delt. Nur wenn die Gläu­bi­ger da­mit zu­frie­den sind, wer­den sie die nächs­te Kre­dit­tran­che frei­ge­ben.

Im Po­ker dar­um brach­te Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) ei­nen „Gr­ex­it“, al­so ein Aus­schei­den des Lan­des aus dem Eu­ro, ins Spiel: Grie­chen­land müs­se sei­ne Zu­sa­gen ein­hal­ten, „sonst wird es auf Dau­er nicht ge­hen“, sag­te er. Mi­nis­ter­prä­si­dent Al­exis Tsi­pras warf ihm dar­auf­hin vor, er spie­le mit dem Feu­er. In Grie­chen­land meh­ren sich aber Stim­men, dass die Rück­kehr zur Drach­me bes­ser sei als ein noch­ma­li­ges An­zie­hen der Spar­schrau­be. Je­doch kann sich Eu­ro­pa ei­nen wei­te­ren Ab­gang nach dem Br­ex­it kaum leis­ten.

Der zwei­te Kno­ten ist noch kom­pli­zier­ter: Um den Re­form­druck auf At­hen auf­recht­zu­er­hal­ten, hat­te vor al­lem Deutsch­land dar­auf be­stan­den, dass der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) Teil des Gläu­bi­ger­kon­sor­ti­ums sein müs­se. Vor der Bun­des­tags­ab­stim­mung über das drit­te Ret­tungs­pa­ket im Au­gust 2015 ver­sprach Schäu­b­le: „Für die Bun­des­re­gie­rung ist un­ab­ding­bar, dass der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds wei­ter an Bord bleibt.“Doch ob­wohl das Hilfs­pro­gramm schon halb ab­ge­ar­bei­tet ist, ist der IWF im­mer noch un­ent­schlos­sen, ob er mit­ma­chen kann. Er hält die Schul­den des Lan­des lang­fris­tig für nicht trag­fä­hig und ver­langt da­her ei­nen wei­te­ren Schul­den­schnitt. Das Pro­blem: Dann wür­den die Gläu­bi­ger­staa­ten ihr Geld ver­lie­ren. Al­lein für Deutsch­land wä­re das wohl ein zwei­stel­li­ger Mil­li­ar­den­be­trag – im Wahl­jahr ei­ne schlech­te Nach­richt für die Re­gie­rung.

Des­halb ver­lang­te der CSU-Po­li­ti­ker Man­fred We­ber in der „Süd­deut­schen Zei­tung“, dass man den IWF zie­hen las­sen sol­le, wenn der auf ei­nen Schul­den­schnitt be­ste­he. Eu­ro­pa kön­ne das Pro­blem al­lei­ne lö­sen. We­ber ist Chef der christ­lich-kon­ser­va­ti­ven Frak­ti­on im EU-Par­la­ment. Doch ern­te­te er vom ei­ge­nen Par­tei­kol­le­gen Hans Mi­chel­bach, Fi­nanz­ex­per­te im Bun­des­tag, so­gleich Wi­der­spruch. We­bers Äu­ße­run­gen sei­en mit der Uni­on in Berlin nicht ab­ge­spro­chen. Die Be­tei­li­gung des IWF blei­be un­ver­zicht­bar, sag­te Mi­chel­bach. Auch Uni­ons­frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU) be­stand dar­auf. „Sonst kön­nen wir kei­ne wei­te­ren Hil­fen ge­neh­mi­gen.“

FO­TO: DPA

Geht die Ära des Eu­ro in Grie­chen­land zu En­de?

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