Kli­nik­streik nun doch vor der Wahl?

Ver­di, Kran­ken­haus­trä­ger und Mi­nis­te­rin wol­len für mehr Per­so­nal pro­tes­tie­ren. Doch in dem Bünd­nis gibt es Kon­flik­te.

Saarbruecker Zeitung - - SAARLAND - VON DA­NI­EL KIRCH

SAAR­BRÜ­CKEN Der Pro­test­marsch, der sich am Vor­mit­tag des 8. März vor dem Bür­ger­haus Bur­bach in Rich­tung Tbi­lis­ser Platz in Be­we­gung set­zen wird, ist un­ge­wöhn­lich. Für mehr Per­so­nal in den 22 saar­län­di­schen Kran­ken­häu­sern wer­den an die­sem Tag nicht nur die Ge­werk­schaft Ver­di und die Trä­ger der Kran­ken­häu­ser Seit’ an Seit’ schrei­ten. Auf­ge­ru­fen zu dem Pro­test hat auch Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Bach­mann (CDU). In dem von ihr un­ter­stütz­ten Auf­ruf heißt es, es sei höchs­te Zeit, dass sich die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen be­weg­ten und ih­ren fi­nan­zi­el­len Bei­trag für mehr Pfle­ge­kräf­te leis­te­ten. Der Ap­pell an die Kas­sen ist der kleins­te ge­mein­sa­me Nen­ner der drei Part­ner. Bach­mann ist es mit dem Pfle­ge­pakt und dem Pro­test vor der Land­tags­wahl ge­lun­gen, den Kon­flikt mit der Ge­werk­schaft Ver­di zu ent­schär­fen. Der für die Zeit vor der Wahl an­ge­droh­te Ar­beits­kampf in den Kli­ni­ken ist da­mit aber noch nicht vom Tisch.

Denn in ei­ner neu­en Re­so­lu­ti­on at­ta­ckiert die Ge­werk­schaft die Kran­ken­haus-Lei­tun­gen. Und zwar in ei­ner Form, die nach An­sicht der Kran­ken­haus-Chefs nicht zu dem Kli­ma der letz­ten Ver­hand­lungs­run­den passt. Die Kran­ken­haus­trä­ger sei­en über­rascht, sag­te die Vor­sit­zen­de der Saar­län­di­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (SKG), Su­sann Breß­lein. „Der Ton in den ge­mein­sa­men Ge­sprä­chen war ein deut­lich an­de­rer.“

Ver­di ver­langt, dass am Tag der De­mons­tra­ti­on in den Kli­ni­ken nur mit ei­ner Sonn­tags­be­set­zung ge­ar­bei­tet wird, so­dass die Be­schäf­tig­ten sich am Pro­test be­tei­li­gen kön­nen. „Ist das nicht der Fall, wird Ver­di zum Streik ru­fen.“Die Ar­beit­ge­ber hiel­ten sich zu­dem nicht an die Re­ge­lung, dass Be­schäf­tig­te in­ner­halb von zwei Wo­chen zwei ar­beits­freie Ta­ge er­hal­ten, da­von ei­nen an ei­nem Sonn­tag. „Soll­te das wei­ter der Fall sein, dann wer­den wir noch vor den Land­tags­wah­len zum Streik auf­ru­fen und den saar­län­di­schen Land­tag um­zin­geln“, so Ver­di.

Letz­te­res ist al­ler­dings nicht oh­ne Wei­te­res mög­lich, denn da­für müss­te die Auf­he­bung des Ver­samm­lungs­ver­bots in der Bann­mei­le be­an­tragt wer­den – und der Land­tag könn­te ei­ne all­zu en­ge „Um­zin­ge­lung“durch Auf­la­gen ver­hin­dern. Ent­schei­den will Ver­di über das wei­te­re Vor­ge­hen am 13. März, zwei Wo­chen vor der Land­tags­wahl. Ver­di will (im Mai) auch dann strei­ken, wenn bei den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen nach der Land­tags­wahl kei­ne Vor­ha­ben zur Be­kämp­fung des Pfle­ge­not­stan­des fest­ge­legt wer­den.

Die neue Re­so­lu­ti­on ist auch ei­ne Re­ak­ti­on auf Be­schwer­den von Pfle­ge­kräf­ten, Ver­di las­se sich vor der Land­tags­wahl von Po­li­tik und Kli­ni­ken ver­ein­nah­men und sei zu zahm. „Das Miss­trau­en ist un­ge­heu­er groß“, sagt Ver­di-Se­kre­tär Micha­el Qu­et­ting über Ar­beit­ge­ber und Bach­mann. „Wir las­sen nie­man­den aus der Ver­ant­wor­tung“, so Qu­et­ting. Das Land müs­se deut­lich mehr für In­ves­ti­tio­nen in den Kli­ni­ken zah­len, an­statt die Pfle­ge­kräf­te im­mer nur zu lo­ben.

Die Ent­schei­dung, ob es mehr Pfle­ge­per­so­nal ge­ben wird, fällt je­doch gar nicht in Saar­brü­cken, son­dern in Berlin. Die Lan­des­po­li­tik hat dar­auf kaum Ein­fluss, mit Aus­nah­me der Stel­len für Pra­xis­an­lei­ter in der Aus­bil­dung. Hier­zu hat das Saar-Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um gera­de ei­ne ent­spre­chen­de Ver­ord­nung in Kraft ge­setzt.

Bach­mann will im Bund 1000 zu­sätz­li­che Stel­len für die SaarK­li­ni­ken bis zum Jahr 2020 durch­set­zen. „Da­zu ste­hen wir“, ver­si­cher­te ihr Staats­se­kre­tär Ste­phan Kol­ling (CDU) am Di­ens­tag bei ei­ner Ver­an­stal­tung der „Ge­sund­heits­re­gi­on Saar“. Er ver­wies auf Ge­sprä­che, die ei­ne saar­län­di­sche De­le­ga­ti­on vor ei­ni­gen Wo­chen in Berlin mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he und dem Vor­sit­zen­den des Ge­mein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses, Jo­sef He­cken (bei­de CDU), ge­führt ha­be. Nach Kol­lings Darstel­lung gab es von bei­den po­si­ti­ve Si­gna­le. Doch nicht al­le sind schon über­zeugt. Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Kran­ken­haus­ge­sell­schaft, Man­fred Klein, sag­te: „Die 1000 zu­sätz­li­chen Stel­len kom­men nur, wenn sie auch (von den Kran­ken­kas­sen) re­fi­nan­ziert wer­den.“Das sei das A und O. „Al­les an­de­re ist uns in die Ta­sche ge­lo­gen.“

„Das Miss­trau­en ist un­ge­heu­er groß.“

Micha­el Qu­et­ting (Ver­di)

über die Teil­nah­me von Kran­ken­haus­trä­gern und Mi­nis­te­rin

Bach­mann an der Kund­ge­bung

AR­CHIV-FO­TO: B&B

Am 8. März wol­len Pfle­ge­kräf­te, Kran­ken­haus-Chefs und Mi­nis­te­rin Bach­mann de­mons­trie­ren.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.