Vor dem Ver­kauf kommt das Ver­ges­sen

Mit al­ten Smart­pho­nes lässt sich im In­ter­net Geld ver­die­nen. Was Nut­zer beim Wei­ter­ver­kauf be­ach­ten müs­sen.

Saarbruecker Zeitung - - INTERNET - VON TOM NE­BE

BERLIN (dpa) Ein Bild­schirm mit hö­he­rer Auf­lö­sung, bes­se­re Ka­me­ra, schnel­le­rer Pro­zes­sor: Beim Smart­pho­ne wol­len vie­le Nut­zer auf dem ak­tu­ells­ten Stand sein. Die neu­en Ge­rä­te ha­ben aber ih­ren Preis. Da liegt es na­he, das al­te Ge­rät zu ver­kau­fen, da­mit die Neu­an­schaf­fung kein gar so gro­ßes Loch ins Porte­mon­naie reißt.

An­kauf­por­ta­le im Netz wie Cle­ver­tro­nic, Re­buy oder Zoxs ma­chen mit ge­brauch­ten Mo­bil­te­le­fo­nen Ge­schäf­te. Ihr Prin­zip ist ein­fach: Man be­schreibt den Zu­stand des Smart­pho­nes. Die Web­sei­te er­rech­net dar­auf­hin ein Kauf­an­ge­bot. Ist der Ver­käu­fer da­mit ein­ver­stan­den, schickt er das Ge­rät zum Por­tal.

Dort wird das Ge­rät ge­prüft: Ent­we­der nimmt der In­ter­net­händ­ler es an und über­weist den vor­ab ver­spro­che­nen Be­trag bin­nen ei­ni­ger Ta­ge. Oder er schlägt ei­nen an­de­ren Preis vor. An­kauf­por­ta­le sei­en ein be­que­mer Ver­kaufs­weg, sagt Mo­ni­ka Klein von der IT-Zeit­schrift „Con­nect“. Den höchs­ten Preis dür­fe man al­ler­dings nicht er­war­ten, da die Händ­ler ei­ne ge­wis­se Mar­ge für den Wei­ter­ver­kauf ein­kal­ku­lie­ren.

Ei­ne Al­ter­na­ti­ve ist der Ver­kauf an Pri­vat­per­so­nen, et­wa über On­line-Auk­ti­ons­häu­ser oder Klein­an­zei­gen­por­ta­le. Der Vor­teil ist, dass auf die­sem Weg theo­re­tisch ein hö­he­rer Ver­kaufs­preis als bei An­kauf­por­ta­len mög­lich ist. Al­ler­dings ist der Auf­wand hö­her. Das Smart­pho­ne soll­te aus­sa­ge­kräf­tig und gut aus­ge­leuch­tet aus meh­re­ren Per­spek­ti­ven fo­to­gra­fiert wer­den, sagt Klein. Im Be­schrei­bungs­text müs­sen Al­ter, Zu­stand und tech­ni­sche Da­ten do­ku­men­tiert wer­den. Ehr­lich­keit kön­ne Är­ger nach dem Kauf er­spa­ren. Nach dem Ver­kauf kann ei­ne Pro­vi­si­on fäl­lig wer­den. Ebay et­wa nimmt zehn Pro­zent.

Wie viel ein ge­brauch­tes Smart­pho­ne noch ein­bringt, ist von vie­len Fak­to­ren ab­hän­gig, et­wa von Mar­ke und Mo­dell. iPho­nes zum Bei­spiel gel­ten als wert­sta­bil. Bei Samsung sei­en die klei­nen Mo­del­le wie das S5 Mi­ni ge­fragt, sagt Si­mo­ne Vintz von der Stif­tung Wa­ren­test. Ori­gi­nal­ver­pa­ckung und -zu­be­hör wie Kopf­hö­rer stei­ger­ten den Ver­kaufs­wert. Auch ei­ne Schutz­hül­le als Ex­tra-Bei­ga­be kön­ne ein Plus­punkt sein.

SIM-Lock-Sper­ren sind da­ge­gen sel­ten ge­wor­den, so Mo­ni­ka Klein. Sie le­gen ein Smart­pho­ne auf ein be­stimm­tes Netz oder ei­ne SIM-Kar­te fest. Wer ein Ge­rät mit ei­nem SIM-Lock hat, soll­te es vom Mo­bil­funk­an­bie­ter vor dem Ver­kauf ent­sper­ren las­sen.

Be­vor ein Mo­bil­te­le­fon ab­ge­ge­ben wird, muss sein Be­sit­zer per­sön­li­che Da­ten si­chern und lö­schen. Da­zu ge­hö­ren bei­spiels­wei­se Te­le­fon­num­mern und ge­spei­cher­te Bil­der. Nut­zer müs­sen auch dar­auf ach­ten, kei­ne ex­ter­ne Spei­cher­kar­ten im Te­le­fon zu ver­ges­sen. Auf je­den Fall muss das Smart­pho­ne in den Ein­stel­lun­gen auf den Werks­zu­stand zu­rück­ge­setzt wer­den. Das reicht aber nicht im­mer. Mit­un­ter las­sen sich die Da­ten nach dem Zu­rück­set­zen noch über spe­zi­el­le Pro­gram­me aus­le­sen, so „Con­nect“.

Mit Lösch­soft­ware aus dem In­ter­net wie dem Pro­gramm Era­ser (er­hält­lich über das Por­tal chip.de) kön­nen sich Be­sit­zer da­ge­gen zu­sätz­lich ab­si­chern. Oder sie über­schrei­ben den Spei­cher des zu­rück­ge­setz­ten Ge­räts noch ein­mal mit an­de­ren Da­ten. Das geht am ein­fachs­ten mit ei­nem Vi­deo, das so lan­ge läuft, bis der in­ter­ne Spei­cher voll ist. Nach der Auf­nah­me wird das Ge­rät dann er­neut zu­rück­ge­setzt.

Vie­le Be­triebs­sys­te­me un­ter­stüt­zen auch ei­ne Ver­schlüs­se­lung ge­spei­cher­ter Da­ten. Laut „Con­nect“wird das bei iOS und An­dro­id et­wa ab den Ver­sio­nen 7 be­zie­hungs­wei­se 5 an­ge­bo­ten. Al­ler­dings nut­zen nicht al­le An­dro­id-Ge­rä­te die Ver­schlüs­se­lung stan­dard­mä­ßig. Das lässt sich in den Ein­stel­lun­gen un­ter „Si­cher­heit“und dort „Te­le­fon ver­schlüs­seln“nach­prü­fen. Dort kön­nen Nut­zer ih­re Da­ten auch in Ei­gen­re­gie ver­schlüs­seln.

Der Vor­teil ei­ner Ver­schlüs­se­lung: Mit dem Zu­rück­set­zen auf den Werks­zu­stand wird auch der Co­de­schlüs­sel zur Ent­schlüs­se­lung ge­löscht. Die Da­ten kön­nen dann in al­ler Re­gel nicht mehr aus­ge­le­sen wer­den.

Be­vor ein Mo­bil­te­le­fon ab­ge­ge­ben wird, muss sein Be­sit­zer per­sön­li­che Da­ten

si­chern und lö­schen.

FO­TO: KRA­MER/DPA

Vie­le Men­schen ha­ben al­te Mo­bil­te­le­fo­ne un­ge­nutzt her­um­lie­gen. Der ITVer­band Bit­kom schätz­te de­ren Zahl be­reits im Jahr 2015 auf über 100 Mil­lio­nen. In­zwi­schen dürf­ten es noch viel mehr ge­wor­den sein.

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