Das bleibt von acht Jah­ren Kunst- Pa­ra­dies

Die Mit­tel für Kunst im öf­fent­li­chen Raum wur­den in Saar­brü­cken nach we­ni­gen üp­pi­ge­ren Jah­ren kom­plett ge­stri­chen.

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR REGIONAL - VON SU­SAN­NE BREN­NER

SAAR­BRÜ­CKEN. Als der Saar­brü­cker Stadt­rat 2008 den Be­schluss fass­te, im nächs­ten Haus­halt all­jähr­lich 100 000 Eu­ro zu­sätz­lich für Kunst im öf­fent­li­chen Raum zu be­wil­li­gen, rieb sich man­cher Kul­tur­mensch un­gläu­big die Au­gen. Saar­brü­cken? Mehr Geld für die Kul­tur? Ei­gent­lich un­vor­stell­bar. Aber der da­ma­li­ge Kul­tur­de­zer­nent Erik Schrader, ein gro­ßer Freund be­son­ders der Bil­den­den Küns­te, hat­te auf wundersame Wei­se ei­nen ein­stim­mi­gen Be­schluss sämt­li­cher im Rat ver­tre­te­nen Par­tei­en hin­be­kom­men. Bis zu die­sem Zeit­punkt stan­den gera­de mal 5000 Eu­ro pro Jahr im Etat.

Jetzt, acht Jah­re spä­ter, bie­tet die Saar­brü­cker Kul­tur­welt wie­der das ge­wohn­te Bild. Schlim­mer noch: Gera­de wur­de im ak­tu­el­len Haus­halt der Etat für Kunst im öf­fent­li­chen Raum kom­plett ge­stri­chen. Auf Drän­gen der Kom­mu­nal­auf­sicht des Lan­des, die den über­schul­de­ten Stadt-Haus­halt ge­neh­mi­gen muss, wur­de der Pos­ten für die Kunst im öf­fent­li­chen Raum auf Null ge­setzt. Von be­herz­ten Kämp­fen en­ga­gier­ter Kul­tur­po­li­ti­ker ge­gen die­se Tat ist nichts be­kannt ge­wor­den.

Aber im­mer­hin: Acht Jah­re lang war in der Lan­des­haupt­stadt Kunst im öf­fent­li­chen Raum mög­lich. Und da­bei ent­stan­den ei­ni­ge Wer­ke, die uns nie­mand mehr neh­men kann. Sie wer­den das Stadt­bild noch lan­ge prä­gen. Wir ha­ben die Stadt­ver­wal­tung ge­be­ten, uns auf­zu­lis­ten, wel­che Pro­jek­te seit 2009 ge­för­dert und rea­li­siert wur­den.

Gleich zu Be­ginn gab es 2009 ein groß an­ge­leg­ten Künst­ler-Wett­be­werb für das neue Stadt­quar­tier am Eu­ro­bahn­hof. Des­sen Er­geb­nis sieht heu­te je­der, der sich in die­sem ur­ba­nen Vier­tel be­wegt: An zwei Krei­seln ste­hen je­weils wei­ße, geo­me­trisch an­mu­ten­de „To­re“. Der be­kann­te Bild­hau­er Micha­el Sail­stor­fer hat mit sei­nen bei­den Skulp­tu­ren „Tor de Fran­ce“den Wett­be­werb ge­won­nen und prägt da­mit seit der Ein­wei­hung 2012 das Er­schei­nungs­bild am Eu­ro­bahn­hof.

Ei­nes der spek­ta­ku­lärs­ten und schöns­ten Pro­jek­te wur­de we­nig spä­ter in An­griff ge­nom­men und war eben­falls nur dank des er­höh­ten Etats mög­lich: Die künst­le­ri­sche Gestal­tung des neu­en Rab­bi­ner-Rülf-Plat­zes. Ari­el Aus­len­ders Skulp­tu­ren­grup­pe „Der un­ter­bro­che­ne Wald“ist ein prä­gen­des Ele­ment des ge­sam­ten Are­als der neu­en Ber­li­ner Pro­me­na­de.

Ein wei­te­res Er­geb­nis des er­höh­ten Kunst-Etats ist so­eben auf­ge­stellt wor­den: die gro­ße Stahl-Skult­pur „Duo“von Si­grún Olafs­dót­tir do­mi­niert seit we­ni­gen Wo­chen die Schif­fer­stra­ße an der Ber­li­ner Pro­me­na­de. Auch sie das Er­geb­nis ei­nes (vom Zon­taClub mit 17 000 Eu­ro ge­spon­ser­ten) Künst­le­rin­nen­wett­be­werbs, der oh­ne die zu­sätz­li­chen Mit­tel nicht mög­lich ge­we­sen wä­re.

Ne­ben die­sen gro­ßen, weit­hin sicht­ba­ren Kunst­wer­ken, die heu­te das Stadt­bild mit­prä­gen, wur­de mit dem jähr­li­chen Etat auch klei­ne­re An­käu­fe und Pro­jek­te fi­nan­ziert. So wur­de die St­ein­skulp­tur „Mit­tags­stein“von Paul Schnei­der an­ge­kauft und auf der Wie­se hin­ter dem Staats­thea­ter auf­ge­stellt. An der Brand­mau­er der Stadt­ga­le­rie ent­stand ei­ne Wand­skulp­tur des Köl­ner Künst­lers Cars­ten Glie­se. Am Ku­Ba am Eu­ro­bahn­hof konn­te der Saar­brü­cker Bild­hau­er Mar­tin St­ei­nert ei­ne sei­ner Holz­skulp­tu­ren bau­en.

Im Jahr 2010 wur­de ein Kun­stim-öf­fent­li­chen Raum-Pro­jekt ge­för­dert, das heu­te nur Er­in­ne­rung ist – was aber in der Na­tur der Sa­che liegt. Der Ku­ra­tor Kai Bau­er hat­te über meh­re­re Mo­na­te tem­po­rä­re, al­so vor­über­ge­hen­de öf­fent­li­che Pro­jek­te prä­sen­tiert. Da lief zum Bei­spiel die Künst­le­rin Ber­na­de­te Fer­nan­dez mit ei­ner Zie­ge durchs Nau­wie­ser Vier­tel. Und der düs­te­re Lüt­zel­bach­tun­nel wur­de zum na­he­zu un­sicht­ba­ren Kunst­werk, ein­fach da­durch, dass die Künst­le­rin Si­mo­ne De­cker hin­ter den rau­hen Wän­den win­zi­ge Edel­stei­ne ver­steck­te – oder das doch zu­min­dest be­haup­te­te.

Mit die­ser künst­le­ri­schen Herr­lich­keit ist es nun vor­bei. Die Mit­tel sind ge­stri­chen. Nur der Künst­ler­wett­be­werb für die Gestal­tung des Fern­bus­bahn­hofs soll noch rea­li­siert wer­den. „Die vor­aus­sicht­li­chen Kos­ten be­tra­gen 50 000 Eu­ro und wer­den aus Rest­mit­teln des Haus­halts 2016 fi­nan­ziert“, er­klärt Stadt­pres­se­spre­cher Tho­mas Blug. „Dar­über hin­aus sind für die In­for­ma­ti­ons­ver­mitt­lung am Rab­bi­ner-Rülf-Platz (Auf­stel­lung von drei In­fo­s­te­len) noch gut 35 000 Eu­ro und für das na­ment­li­che Ge­den­ken am Sy­nago­gen­vor­platz noch et­wa 30 000 Eu­ro an Rest­mit­teln aus frü­he­ren Jah­ren vor­han­den“. Da­nach dann: nichts mehr.

FO­TO: BE­CKER & BREDEL

Ein „Tor de Fran­ce“von Micha­el Sail­stor­fer am Eu­ro­bahn­hof.

FO­TO: IRIS MAU­RER

Stadt­bild prä­gend ist der „Un­ter­bro­che­ne Wald“am Rülf-Platz.

FO­TO: DIET­ZE

Ganz neu ist die Stahl­schlei­fe von Si­grún Olafs­dót­tir.

FO­TO: BE­CKER & BREDEL

Kunst­ak­ti­on mit Zie­ge im Nau­wie­ser Vier­tel.

FO­TO: DIET­ZE

Cars­ten Glie­ses Wand­ge­stal­tung hin­ter der Stadt­ga­le­rie.

FO­TO BE­CKER & BREDEL

Mar­tin St­ei­nerts Skulp­tur am Eu­ro­bahn­hof.

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