Es ist nicht Wahn­sinn, es ist ge­fähr­li­ches Kal­kül

KOMMENTAR

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES -

Nein, Do­nald Trump ist nicht ver­rückt. Das wird auch US-Vi­ze­prä­si­dent Mi­ke Pence an die­sem Wo­che­n­en­de auf der Münch­ner Si­cher­heits­kon­fe­renz und in Brüssel zu ver­mit­teln ver­su­chen. Do­nald Trump hat nicht, wie es ei­ni­ge Kri­ti­ker jetzt an­deu­te­ten, den Ver­stand ver­lo­ren, weil er historisch fast bei­spiel­lo­se Breit­sei­ten ge­gen die Pres­se ab­feu­er­te. Die oft­mals bi­zar­re Vor­stel­lung des US-Prä­si­den­ten, die man­che an die letz­ten düs­te­ren Wo­chen Richard Ni­xons er­in­nern könn­te, dürf­te viel­mehr eis­kal­tem Kal­kül ent­spre­chen. In ei­ner Trump­schen Welt, die sich für den frü­he­ren „De­al“-Jon­gleur wei­ter nur durch Ge­win­ner und Ver­lie­rer de­fi­niert, macht ei­ne Klas­si­fi­zie­rung der Pres­se als „Lo­ser“Sinn. Je mehr die Me­di­en lei­den müs­sen, um­so grö­ßer der Ge­winn des Prä­si­den­ten – zu­mal dies sei­ner Kern­wäh­ler­schaft ge­fällt. Sei­ne Me­di­en­kri­tik birgt aber auch ei­ne Ge­fahr: Dass das oh­ne­hin an­ge­schla­ge­ne Ver­trau­en von Bür­gern in je­ne noch wei­ter be­schä­digt wird, die als wich­tigs­te öf­fent­li­che Kon­troll­in­stanz für die Po­li­tik ste­hen. Das weiß Trump, und auch des­halb setzt er sei­ne Tak­tik wohl so kon­se­quent um. Er denkt, oh­ne ei­ne freie und kri­ti­sche Pres­se le­ben zu kön­nen. Aber kön­nen es auch die Bür­ger? Frie­de­mann Diederichs

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