„Wir müs­sen wis­sen, wer sich hier auf­hält“

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES -

BERLIN Nach An­sicht von Uni­ons­frak­ti­ons­vi­ze Ste­phan Harbarth (CDU) ist ein Zu­griff auf Flücht­lings-Han­dys drin­gend nö­tig.

Was bringt der Blick ins Han­dy von Flücht­lin­gen für die Si­cher­heit?

HARBARTH Wir ha­ben nicht erst seit dem Ter­ror­an­schlag von Berlin ei­ne sehr erns­te Si­cher­heits­la­ge. Wir wol­len und müs­sen ein­fach wis­sen, wer in un­ser Land kommt und sich hier auf­hält. Wenn wir aus hu­ma­ni­tä­ren Grün­den bei Asyl­su­chen­den auf die Er­fül­lung der Pass­pflicht ver­zich­ten, müs­sen wir an­de­re Mit­tel ha­ben, um die Iden­ti­tät des An­trag­stel­lers zwei­fels­frei zu über­prü­fen. Wir kön­nen uns nicht ein­fach auf Be­haup­tun­gen ver­las­sen.

Um wel­che Per­so­nen geht es?

HARBARTH Es geht um Per­so­nen, die kei­nen Pass oder kei­ne ver­gleich­ba­ren Aus­weis­do­ku­men­te be­sit­zen. Auch wenn vie­len Asyl­su­chen­den der Pass fehlt, ein Smart­pho­ne ha­ben fast al­le. Des­sen Da­ten kön­nen wich­ti­ge Hin­wei­se auf das Her­kunfts­land ge­ben. Ich be­grü­ße des­halb sehr, dass wir uns mit den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten auf ei­ne Re­ge­lung zum Aus­le­sen der Mo­bil­te­le­fo­ne ver­stän­di­gen konn­ten.

Wie wird ei­ne sol­che Maß­nah­me ganz kon­kret ab­lau­fen?

HARBARTH Man darf sich das nicht so vor­stel­len, dass ein Mit­ar­bei­ter des Bamf künf­tig in den pri­va­ten Chats liest. Bei der Aus­wer­tung der Da­ten kommt ei­ne Soft­ware zum Ein­satz, die bei­spiels­wei­se die Lan­des­vor­wahl der ge­spei­cher­ten Kon­tak­te aus­wer­tet. Viel­leicht fin­den sich 95 Pro­zent Kon­tak­te aus Tu­ne­si­en, ob­wohl der Schutz­su­chen­de be­haup­tet, aus Sy­ri­en zu stam­men. Viel­leicht wur­de das Mo­bil­te­le­fon im­mer in Tu­nis ge­nutzt, ob­wohl der Schutz­su­chen­de sagt, aus Alep­po zu kom­men.

Ist das nicht ein er­heb­li­cher Ein­griff in die Pri­vat­sphä­re?

HARBARTH Wenn je­mand in Deutsch­land als Flücht­ling an­er­kannt wird, er­hält er um­fas­sen­den Schutz. Er darf sich min­des­tens drei Jah­re in Deutsch­land auf­hal­ten und ar­bei­ten. Er er­hält al­le er­for­der­li­chen Ge­sund­heits- und auch So­zi­al­leis­tun­gen. Ich fin­de, dass an­ge­sichts die­ser Leis­tun­gen es nicht zu viel ver­langt ist, wenn wir zwei­fels­frei wis­sen wol­len, ob je­mand tat­säch­lich schutz­be­dürf­tig ist.

Die Fra­gen stell­te Ha­gen Strauß.

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