Aus Bil­dern Mu­sik ent­wi­ckeln

Der Di­ri­gent Ste­fan Neu­bert bringt die Oper „Der Lie­be­s­trank“von Do­ni­zet­ti am Saar-Staats­thea­ter zum Klin­gen.

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR -

SAAR­BRÜ­CKEN Ste­fan Neu­bert steht ab Sams­tag am Pult für die Do­ni­zet­ti-Oper „Der Lie­be­s­trank“im Saar­län­di­schen Staats­thea­ter. Der 35-Jäh­ri­ge ist seit 2015 zwei­ter Ka­pell­meis­ter.

Wenn ein Di­ri­gent in der Hän­delS­tadt Hal­le ge­bo­ren wur­de, dort stu­dier­te und un­ter an­de­rem Cem­ba­lo durch ei­nen kom­plet­ten Richard-Strauss-Zy­klus. Da stand ich im­mer in der Oper oben im Rang in der letz­ten Rei­he.

Nun stu­die­ren Sie hier ei­ne Buf­foOper ein, Do­ni­zet­tis „Lie­be­s­trank“. NEU­BERT Die Be­zeich­nung „Me­lo­dram­ma gio­co­so“trifft’s am bes­ten. Ei­ne leich­te, wit­zi­ge Mu­sik mit sehr tief­ge­hen­den Mo­men­ten, wenn auch meis­tens mit ei­nem leich­ten Au­gen­zwin­kern.

An Ih­rer Ein­stu­die­rung der „Pi­ra­ten von Penz­an­ce“im letz­ten Jahr be­ein­druck­te mich, wie kon­trast­reich und hu­mor­voll Sie die­ses mu­si­ka­li­sche „Stil-Hop­ping“hör­bar mach­ten.

NEU­BERT Die­se Stim­mungs­wech­sel mu­si­ka­lisch zu „in­sze­nie­ren“, macht na­tür­lich be­son­ders Spaß. Das ist beim „Lie­be­s­trank“ähn­lich.

Die Par­ti­tur des „Lie­be­s­trank“ent­hält viel Blech­in­stru­men­te. Wä­ren da nicht his­to­ri­sche In­stru­men­te an­ge­bracht? Das Orches­ter hat Er­fah­rung da­mit.

NEU­BERT Es wä­re ei­ne in­ter­es­san­te Mög­lich­keit. Tat­säch­lich ist der „Lie­be­s­trank“ei­ne dick in­stru­men­tier­te Oper, wie man es bei Do­ni­zet­ti gar nicht er­war­ten wür­de.

Wie be­rei­ten Sie sich vor? CDs, Youtu­be – oder nur die Par­ti­tur? NEU­BERT Ich hö­re mir viel an, ver­glei­che al­te ita­lie­ni­sche Auf­nah­men mit heu­ti­gen, stu­die­re den Klang der Spra­che. Und dann ver­tie­fe ich mich in die Ge­schich­te. So lernt man die gan­ze Band­brei­te an Mög­lich­kei­ten ken­nen. Da­vid Gr­ei­ner hat ei­ne gu­te Über­set­zung des ita­lie­ni­schen Li­bret­tos ge­lie­fert. Und aus den Bil­dern, die da ent­ste­hen, ver­su­che ich die Mu­sik zu ent­wi­ckeln, da­mit ein über­zeu­gen­des Gan­zes dar­aus wird. Auch die Sän­ger in un­se­rer Ins­ze­nie­rung ha­ben ih­re ei­ge­nen Klang­far­ben. Es ist sehr span­nend, was je­der aus sei­ner Rol­le macht, wel­che Nuan­cen er im Dia­log setzt!

Do­ni­zet­ti war ein Schnell- und Viel­schrei­ber. Aber für den Lie­be­s­trank’ hat­te er so we­nig Zeit, dass er auf Skiz­zen für an­de­re Pro­jek­te zu­rück­grei­fen muss­te. Die Mu­sik ist al­so nicht ge­nau auf die Cha­rak­te­re des Li­bret­tos maß­ge­schnei­dert. NEU­BERT Das war zu je­ner Zeit nicht un­üb­lich. Do­ni­zet­ti hat, wenn er an­de­re Sän­ger be­kam, de­nen so­gar an­de­re Fas­sun­gen „auf den Leib“ge­schrie­ben. Aber das hat auch schon Hän­del ge­macht.

Re­gis­seu­re kön­nen sel­ten ei­ne Par­ti­tur le­sen; sie ge­hen eher vom Li­bret­to aus. Gibt es da nicht auch Kon­flik­te mit der Re­gie?

NEU­BERT Mit Sol­vejg Bau­er, die den „Lie­be­s­trank“in­sze­niert, kom­me ich wun­der­bar zu­recht. Sie be­schäf­tigt sich auch mit der Mu­sik und ent­wi­ckelt die Sze­nen aus der Mu­sik her­aus. So ar­bei­ten wir ge­mein­sam da­ran, bis die mu­si­ka­li­schen und sze­ni­schen Not­wen­dig­kei­ten über­ein­stim­men. Der „Lie­be­s­trank“be­ruht auf dem­sel­ben Mo­tiv wie Richard Wa­g­ners „Tris­tan“. Der ist na­tür­lich psy­cho­lo­gisch und mu­si­ka­lisch viel tie­fer durch­dacht. Wür­den Sie sich mit 35 Jah­ren schon reif ge­nug füh­len, die­sen „gi­gan­ti­schen Bau“, wie Ver­di den „Tris­tan“nann­te, zu di­ri­gie­ren?

NEU­BERT Das ist ei­ne span­nen­de Fra­ge. (Er denkt lan­ge nach. Dann:) Ich wür­de es ma­chen! Schon weil man in so ein Stück nur dann ein­taucht, wenn man es macht! .............................................

FOTO: THO­MAS M. JAUK

Yi­ti­an Luan singt die Adi­na, Car­los Mo­re­no Pe­liza­ri ist Ne­mo­ri­no.

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