Vie­le We­ge füh­ren zum Breit­band

Ob über DSL, Ka­bel­fern­seh­netz oder Sa­tel­lit: Es gibt ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, zum schnel­len In­ter­net zu ge­lan­gen.

Saarbruecker Zeitung - - INTERNET - VON DA­VID SEEL

SAAR­BRÜ­CKEN Ein schnel­ler In­ter­net­zu­gang, al­so so­ge­nann­tes Breit­band-In­ter­net, ist für die meis­ten Men­schen aus dem pri­va­ten und be­ruf­li­chen All­tag nicht mehr weg­zu­den­ken. Die Bun­des­re­gie­rung scheint die­se Ein­schät­zung zu tei­len. „Leis­tungs­fä­hi­ge Breit­band­net­ze sind un­be­ding­te Vor­aus­set­zung für wirt­schaft­li­ches Wachs­tum und die po­si­ti­ve Ent­wick­lung von Kom­mu­nen und Re­gio­nen“, heißt es auf Zu­kunft Breit­band, der Web­sei­te des Mi­nis­te­ri­ums für Ver­kehr und di­gi­ta­le In­fra­struk­tur (BMVI). Und die Nach­fra­ge nach schnel­lem In­ter­net ist un­ge­bro­chen hoch: Laut dem Jah­res­be­richt der Bun­des­netz­agen­tur lag die Ge­samt­zahl der Fest­netz-Breit­band­an­schlüs­se 2015 in Deutsch­land bei 30,7 Mil­lio­nen: ein Plus von 1,1 Mil­lio­nen im Ver­gleich zum Vor­jahr. Da­bei gilt es, ins­ge­samt fünf grund­le­gen­de An­schluss­ty­pen zu un­ter­schei­den.

Mit 77 Pro­zent al­ler Breit­band­an­schlüs­se ist DSL laut BMVI die mit Ab­stand be­lieb­tes­te An­schluss­art in Deutsch­land. Die Über­tra­gung der Da­ten fin­det über die be­ste­hen­den Kup­ferDop­pel­ader-Lei­tun­gen des Te­le­fon­net­zes statt. DSL ist mitt­ler­wei­le in fast al­len deut­schen Haus­hal­ten ver­füg­bar. Der Nach­teil die­ser Tech­no­lo­gie be­steht in der re­la­tiv kur­zen Reich­wei­te von ei­ni­gen hun­dert Me­tern bis we­ni­gen Ki­lo­me­tern. Soll­te das Si­gnal dann noch nicht bei ei­ner Ver­tei­lungs­sta­ti­on an­ge­kom­men sein, kann die Da­ten­über­tra­gungs­ra­te spür­bar lei­den. Vor al­lem in länd­li­chen Re­gio­nen, in de­nen ent­spre­chen­de Kno­ten­punk­te feh­len, kann dies zu Pro­ble­men füh­ren. 2016 hat­ten nur knapp 80 Pro­zent der Be­völ­ke­rung Zu­gang zu DSLAn­schlüs­sen mit ei­ner Über­tra­gungs­ra­te von 16 Me­ga­bit pro Se­kun­de oder mehr, wie das BMVI be­rich­tet. Erst ab die­ser Ge­schwin­dig­keit kann et­wa In­ter­net­fern­se­hen kom­for­ta­bel ge­nutzt wer­den.

Auf Platz zwei der Be­liebt­heits­ska­la in Deutsch­land liegt der In­ter­net-An­schluss über das Ka­bel­fern­seh­netz. 6,6 Mil­lio­nen Haus­hal­te ha­ben 2015 laut der Bun­des­netz­agen­tur auf die­se Tech­no­lo­gie ver­traut. Im Ver­gleich zu DSL sind ins­ge­samt hö­he­re Da­ten­über­tra­gungs­ra­ten von bis zu 300 Me­ga­bit pro Se­kun­de mög­lich. Al­ler­dings sei­en nur un­ge­fähr 65 Pro­zent der deut­schen Haus­hal­te über­haupt an das Ka­bel­netz an­ge­schlos­sen, be­rich­tet die Bun­des­netz­agen­tur. Der An­bie­ter kann – im Ge­gen­satz zum An­schluss über DSL – nicht frei ge­wählt wer­den, die Nut­zer sind an den ört­li­chen Ka­bel­netz­be­trei­ber ge­bun­den.

Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit, die al­ler­dings laut BMVI nur un­ge­fähr sie­ben Pro­zent der Haus­hal­te zur Ver­fü­gung ste­he, ist die Da­ten­über­tra­gung via Glas­fa­ser­ka­bel. Die­se Tech­no­lo­gie er­laubt sehr hohe Über­tra­gungs­ra­ten von bis zu 1000 Me­ga­bit pro Se­kun­de, der Haus­halt muss al­ler­dings über ei­nen spe­zi­el­len Glas­fa­ser­an­schluss ver­fü­gen. Die­se An­schluss­art sei bis­her fast aus­schließ­lich in dicht be­sie­del­ten Ge­bie­ten ver­füg­bar und wur­de 2015 von 400 000 Tau­sen­den Haus­hal­ten ge­nutzt.

Be­son­ders in länd­li­chen Re­gio­nen kann die Über­tra­gung per Funk mit­tels LTE in­ter­es­sant sein. Das Funk­netz ist al­ler­dings noch nicht flä­chen­de­ckend aus­ge­baut, so dass mo­men­tan nur knapp sie­ben Pro­zent der Haus­hal­te Über­tra­gungs­ra­ten von 16 Me­ga­bit pro Se­kun­de oder mehr über Funk er­rei­chen kön­nen.

Wer kei­nen Zu­gang zu den ge­nann­ten An­schluss­ty­pen ver­fügt, kann auch ei­nen In­ter­net­an­schluss über Sa­tel­lit wäh­len. Die In­stal­la­ti­ons­kos­ten sind mit un­ge­fähr 100 Eu­ro re­la­tiv hoch, au­ßer­dem muss ei­ne Sa­tel­li­ten­schüs­sel am Haus an­ge­bracht wer­den. Die An­bie­ter wer­ben mit Über­tra­gungs­ra­ten von bis zu 20 Me­ga­bit pro Se­kun­de, die in der Pra­xis aber sel­ten er­reicht wer­den. „Die Grö­ße der Sa­tel­li­ten­an­la­ge ist eben­so aus­schlag­ge­bend wie das ak­tu­el­le Wetter“, er­klärt Ralf Traut­mann vom Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­por­tal tel­ta­rif.de. Zu­dem sei­en die Ka­pa­zi­tä­ten der Sa­tel­li­ten be­grenzt, was vor al­lem in Stoß­zei­ten zu re­du­zier­ten Über­tra­gungs­ra­ten füh­ren kön­ne. Durch die gro­ße Ent­fer­nung zum Sa­tel­li­ten und zu­rück sind die La­tenz­zei­ten über­dies um ein Viel­fa­ches hö­her als bei den an­de­ren Tech­no­lo­gi­en, was et­wa Vi­deo­te­le­fo­nie über das In­ter­net un­mög­lich macht.

ILLUSTRATION: FO­TO­LIA

Der In­ter­net­an­schluss über Sa­tel­lit stellt zwar ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu den gän­gi­gen An­schluss­ty­pen wie DSL oder Ka­bel­fern­seh­netz dar, ist aber mit re­la­tiv viel Auf­wand und ho­hen Kos­ten ver­bun­den.

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