Leb­haf­te Schwä­bin mixt den Lie­be­s­trank

Sol­vejg Bau­er in­sze­niert die Oper von Gae­ta­no Do­ni­zet­ti am Staats­thea­ter. Das Büh­nen­bild mit gro­ßen Ma­schi­nen ist spek­ta­ku­lär.

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN - VON NICOLE BARONSKY

SAAR­BRÜ­CKEN Das Büh­nen­bild ist noch nicht fer­tig, ver­spricht aber schon Au­ßer­ge­wöhn­li­ches. „Steam­punk“-Fans dür­fen sich freu­en, denn gro­ße, aus­ge­fal­le­ne Ma­schi­nen mit vie­len lie­be­vol­len De­tails wer­den die Ku­lis­se zur Oper „Der Lie­be­s­trank“von Gae­ta­no Do­ni­zet­ti ab­ge­ben. Das Stück fei­ert am Sams­tag im Staats­thea­ter Pre­mie­re.

Auf der Büh­ne un­ter­hält sich Sol­vejg Bau­er mit den Tech­ni­kern. Sie ist die Re­gis­seu­rin der Oper, und wer sie dort sieht, merkt so­fort: Bau­er ist mit gan­zem Her­zen bei der Sa­che. „In der Oper geht es um ei­nen Lie­be­s­trank, der ei­gent­lich kei­ner ist, aber trotz­dem wirkt. Er ist ein Fa­ke, und das passt wirk­lich gut in un­se­re Zeit“, er­zählt Bau­er leb­haft. Die Oper ist aus dem Jahr 1832, die Zeit, in der die ers­ten Ma­schi­nen und Ap­pa­ra­te ent­wi­ckelt wur­den und die Fas­zi­na­ti­on für Ma­schi­nen groß war. „Und das Me­cha­ni­sche fin­det sich auch in der Mu­sik der Oper“, schwärmt sie.

„Der Lie­be­s­trank“ist nicht die ers­te Ins­ze­nie­rung von Sol­vejg Bau­er am Saar­län­di­schen Staats­thea­ter. Die ge­bür­ti­ge Stutt­gar­te­rin hat­te 2014 mit der Kin­der­oper „Kannst Du pfei­fen, Jo­han­na?“ih­ren Ein­stand in Saar­brü­cken. Sol­vejg Bau­er ist Di­plom­re­gis­seu­rin, stu­dier­te Opern­re­gie und Mu­sik­thea­ter­wis­sen­schaf­ten in Berlin und in Ham­burg.

„Die Hoch­schu­le für Mu­sik und Thea­ter dort war sehr gut für mich, ich hat­te ei­ne tol­le Aus­bil­dung“, er­in­nert sie sich. Nach ih­rem Di­plom im Jahr 2005 war sie für zwei Jah­re Re­gie­as­sis­ten­tin am Schau­spiel­haus Ess­lin­gen. „Ich woll­te mich in­ten­si­ver mit dem Schau­spiel be­schäf­ti­gen, das war ja ei­ne ganz neue Her­an­ge­hens­wei­se“, er­zählt sie. Bei Opern­in­sze­nie­run­gen sei die Or­ga­ni­sa­ti­on et­was star­rer, beim Schau­spiel sei man fle­xi­bler, er­klärt sie. „In Ess­lin­gen hat­te ich ei­nen tol­len In­ten­dan­ten. Er hat mich sehr ge­för­dert, ich ha­be viel Be­rufs­pra­xis sam­meln kön­nen.“Seit die­ser Zeit ar­bei­tet Sol­vejg Bau­er frei­be­ruf­lich, und das nicht nur als Opern­re­gis­seu­rin, son­dern auch in den Be­rei­chen Mu­si­cal und Schau­spiel. Und wie es für Frei­be­ruf­ler am Thea­ter üb­lich ist, folg­ten di­ver­se En­ga­ge­ments in den ver­schie­dens­ten Städ­ten. „Ich war da­nach un­ter an­de­rem in Dort­mund, noch­mal in Ham­burg und ha­be beim Roh­kunst­bau Fes­ti­val in Berlin in­sze­niert“, er­zählt sie.

Als sie ih­re ers­te Ins­ze­nie­rung am Thea­ter in Saar­brü­cken er­hält, hilft ihr ein Zu­fall be­ruf­lich wei­ter. „Als ich die Kin­der­oper ‚Kannst Du pfei­fen, Jo­han­na?’ in­sze­nier­te, ha­ben Stu­den­ten der Hoch­schu­le für Mu­sik Saar mit­ge­macht. Und ge­nau da ist de­ren Pro­fes­sor für Sze­ni­sche Darstel­lung er­krankt und ich durf­te dort ein­sprin­gen.“Da Sol­vejg Bau­er mit dem Team der Hoch­schu­le für Mu­sik (HfM) gut zu­recht­kam, sind dar­aus wei­te­re Ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen HfM und Saar­län­di­schem Staats­thea­ter (SST) ent­stan­den. „Die Stü­cke „Dia­lo­gues des Car­mé­li­tes“und „Das schlaue Füchs­lein“ha­be ich auch in Zu­sam­men­ar­beit mit der Mu­sik­hoch­schu­le in­sze­nie­ren dür­fen“, sagt Bau­er. Das kommt ihr sehr ent­ge­gen, denn seit 2009 lebt sie in Saar­brü­cken, ist mit dem Ko­re­pe­ti­tor vom SST, Ul­rich Mai­er, ver­hei­ra­tet und hat drei Kin­der. Wie es nach der Pre­mie­re von „Der Lie­be­s­trank“wei­ter­geht, steht aber trotz­dem noch nicht fest. Pla­nun­gen gibt es, aber zu­erst fährt Fa­mi­lie Bau­er in den Ur­laub. „Für die En­ga­ge­ments am Thea­ter bin ich sehr dank­bar, denn ich bin hier auf­ge­baut wor­den, ha­be tol­le Er­fah­run­gen ge­macht und mir ist viel Ver­trau­en ent­ge­gen­ge­bracht wor­den“, schwärmt sie von der Ar­beit in Saar­brü­cken. Aber dann ist sie wie­der als Re­gis­seu­rin ge­fragt und muss mit den Tech­ni­kern noch of­fe­ne Fra­gen zum spek­ta­ku­lä­ren Büh­nen­bild klä­ren.

FOTO: OLI­VER DIET­ZE

Vor­freu­de auf die Pre­mie­re: Re­gis­seu­rin Sol­vejg Bau­er im noch lee­ren Zu­schau­er­raum des Staats­thea­ters.

FOTO: THO­MAS M. JAUK

Als hät­te Ju­les Ver­ne am Büh­nen­bild mit­ge­bas­telt: Mar­kus Jaursch ein sei­nem Aus­guck.

FO­TOS: THO­MAS M. JAUK

Yi­ti­an Luan als Adi­na und Car­los Mo­re­no Pe­liza­ri als Ne­mo­ri­no in der Oper ,,Der Lie­be­s­trank”, die am Sams­tag Pre­mie­re hat.

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