Ex-MP Pe­ter Mül­ler wi­der­spricht RAG

Der Ex-Mi­nis­ter­prä­si­dent sag­te ges­tern im Land­tags-Un­ter­su­chungs­aus­schuss zum Gru­ben­was­ser aus. Die Grü­nen se­hen sich durch ihn be­stä­tigt.

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - VON NO­RA ERNST

SAAR­BRÜ­CKEN (noe) Im Streit um ei­ne Flu­tung von Berg­werks-Stol­len im Saar­land geht Ex-Mi­nis­ter­prä­si­dent Pe­ter Mül­ler (CDU) auf Dis­tanz zur RAG. Die Lan­des­re­gie­rung sei 2007 beim Ab­schluss des Erb­las­ten­ver­trags da­von aus­ge­gan­gen, dass das Gru­ben­was­ser ewig ge­pumpt wür­de, sag­te Mül­ler ges­tern vor dem Gru­ben­was­serU-Aus­schuss im Land­tag.

SAAR­BRÜ­CKEN Die saar­län­di­sche Lan­des­re­gie­rung un­ter Pe­ter Mül­ler (CDU) ging da­von aus, dass die RAG das Gru­ben­was­ser nach dem Berg­bau-En­de ewig pum­pen wür­de. Das hat der frü­he­re Mi­nis­ter­prä­si­dent ges­tern im Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Land­tags er­klärt. Mül­ler sag­te, 2007 sei die Hal­tung der RAG ge­we­sen, dass man die Ri­si­ken, dass das Trink­was­ser durch Gru­ben­was­ser kon­ta­mi­niert wird, nicht ab­schät­zen kön­ne und man des­halb ewig pum­pen wol­le. Dass die RAG im Erb­las­ten­ver­trag, der 2007 zwi­schen dem Saar­land, Nord­rheinWest­fa­len und der RAG-Stif­tung ge­schlos­sen wur­de, auf­ge­for­dert wird, ein op­ti­mier­tes Kon­zept der Was­ser­hal­tung zu ent­wi­ckeln, ha­be nicht be­deu­tet, dass die Gru­ben kom­plett ge­flu­tet wür­den. „Die Op­ti­mie­rungs­klau­sel war kei­ne Klau­sel, die ein­ge­schlos­sen hät­te, dass die Pum­pen ir­gend­wann ab­ge­stellt wer­den“, sag­te Mül­ler. Sie sei viel­mehr ein Auf­trag ge­we­sen, wirt­schaft­lich zu ar­bei­ten, um das Ver­mö­gen der Stif­tung, die die Ewig­keits­las­ten trägt, zu si­chern.

Die Grü­nen-Land­tags­frak­ti­on sieht sich durch Mül­ler in ih­rer Po­si­ti­on be­stä­tigt. Sie sieht im Erb­las­ten­ver­trag ei­ne ver­trag­li­che Ver­pflich­tung für die RAG, ewig zu pum­pen. Der Berg­bau­kon­zern sieht in der Op­ti­mie­rungs­klau­sel hin­ge­gen auch die Mög­lich­keit ent­hal­ten, die Gru­ben zu flu­ten. Er plant, zu­nächst das Gru­ben­was­ser auf 320 Me­ter un­ter Null stei­gen zu las­sen, im zwei­ten Schritt soll es dann bei 190 Me­tern über Null in die Saar flie­ßen. Ge­neh­migt ist bis­lang nur ei­ne Teil­flu­tung auf 400 Me­ter un­ter Null. Magnus Jung (SPD) er­klär­te, der Aus­schuss ha­be ge­zeigt, dass die bis­lang er­folg­ten Ge­neh­mi­gun­gen der Lan­des­re­gie­rung nicht zu be­an­stan­den sei­en. Dass die RAG mit ih­rem Plan ei­ner kom­plet­ten Flu­tung über die An­nah­men von 2007 hin­aus­geht, tref­fe zwar zu. Die RAG ha­be aber ei­nen Rechts­an­spruch dar­auf, dass ihr An­trag ge­prüft wird, soll­te sie ihn stel­len.

Der Um­welt- und Was­ser­ex­per­te Ha­rald Fried­rich, den die Grü­nen als Sach­ver­stän­di­gen in den UAus­schuss ge­la­den hat­ten, geht auch heu­te noch da­von aus, dass das Gru­ben­was­ser ewig ge­pumpt wer­den muss. Kei­ne Gesteins­schicht sei so dicht, dass sie die Grund­was­ser­be­rei­che bei ei­nem kom­plet­ten An­stieg zu­ver­läs­sig ge­gen das Gru­ben­was­ser ab­dich­ten kön­ne. Auf Nach­fra­ge der Re­gie­rungs­frak­tio­nen er­klär­te er aber, dass er kei­ne ei­ge­nen Un­ter­su­chun­gen für das Saar­land durch­ge­führt ha­be.

Fried­rich sprach sich zu­dem da­für aus, aus dem Gru­ben­was­ser, das schon heu­te in Flüs­se und Bä­che ge­lei­tet wird, das PCB zu fil­tern: „Dass das Gru­ben­was­ser ein­fach so in die Saar ge­lei­tet wird, hal­te ich für ei­nen ab­so­lut recht­lo­sen Zu­stand.“Aus­schlag­ge­bend sei­en nicht die Wer­te, die in den Fließ­ge­wäs­sern ge­mes­sen wer­den, son­dern der Ge­halt im Gru­ben­was­ser selbst, sag­te Fried­rich und warn­te: „PCB ist die gif­tigs­te Sub­stanz, die je von Men­schen­hand her­ge­stellt wur­de.“

Die RAG ist der An­sicht, dass sich durch ei­nen An­stieg des Gru­ben­was­sers die Men­ge des PCB, das in die Fließ­ge­wäs­ser ge­langt, re­du­zie­ren wür­de. Denn durch den An­stieg blie­ben mehr Schweb­stof­fe un­ter Ta­ge, an die sich das PCB bin­det, teil­te das Un­ter­neh­men mit. In die­ser An­nah­me sieht es sich durch ein ak­tu­el­les Gut­ach­ten, das die Lan­des­re­gie­rung von Nord­rhein-West­fa­len in Auf­trag ge­ge­ben hat­te, be­stä­tigt. Das dor­ti­ge Um­welt­mi­nis­te­ri­um will hin­ge­gen, dass das PCB voll­stän­dig her­aus­ge­fil­tert wird. Laut den Gut­ach­tern ist das tech­nisch mög­lich und wirt­schaft­lich ver­tret­bar für die RAG.

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