Hof­fen auf Gold­re­gen bei nor­di­scher Ski-WM

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Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - VON CHRIS­TOPH LEUCHTENBERG

Die Aus­sich­ten der deut­schen Sport­ler bei der nor­di­schen SkiWM, die heu­te im fin­ni­schen Lah­ti er­öff­net wird, sind ex­zel­lent. Vor al­lem die Kom­bi­nie­rer und die Ski­sprin­ger ge­hö­ren zu den Me­dail­len-Kan­di­da­ten.

LAH­TI (sid) Die Kom­bi­nie­rer? Dank Eric Fren­zel und Jo­han­nes Rydzek ei­ne Gold­bank. Die Ski­sprin­ger? Mit Andre­as Wel­lin­ger und Ca­ri­na Vogt eben­falls reif für Me­dail­len. Und die Lang­läu­fer? Hof­fen im­mer­hin auf die ers­te Me­dail­le seit 2011. Nach ei­nem star­ken Win­ter geht der Deut­sche Ski­ver­band (DSV) mit ehr­gei­zi­gen Zie­len in die nordische Ski-WM in Lah­ti. „Wir soll­ten in der La­ge sein, in al­len Dis­zi­pli­nen Me­dail­len zu ge­win­nen“, sagt Sport­di­rek­to­rin Ka­rin Or­gel­din­ger. So­gar das deut­sche Re­kord­er­geb­nis der DDRMann­schaft von 1974 mit fünf Mal Gold und sechs Mal Sil­ber scheint mög­lich, wenn heu­te in Finn­land der Start­schuss fällt.

Vier Mal Gold bei vier Starts – so lau­tet das kei­nes­wegs uto­pi­sche Ziel der nor­di­schen „Do­mi­nie­rer“Fren­zel, Rydzek, Fa­bi­an Rieß­le und Björn Kirchei­sen. Mit Recht: Das Team von Bun­des­trai­ner Her­mann Wein­buch hat dem bis­he­ri­gen Win­ter ei­nen schwarz-rot­gol­de­nen Stem­pel auf­ge­drückt wie nie zu­vor. „Vier Mal Gold ist mög­lich, mei­ne Jungs sind in Top­form“, sagt Wein­buch, des­sen vier Top­leu­te 18 der 19 Ein­zel­ren­nen der Sai­son ge­won­nen ha­ben.

Die span­nends­te Fra­ge lau­tet folg­lich, wel­cher der über­ra­gen­den deut­schen Kom­bi­nie­rer die bei­den Ein­zel­ti­tel holt. Ti­tel­ver­tei­di­ger Rydzek (acht Sai­son­sie­ge) und Olym­pia­sie­ger Fren­zel (sie­ben) lie­fer­ten sich in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ein Du­ell auf al­ler­höchs­tem Ni­veau, mehr­mals ent­schied erst das Ziel­fo­to. „Eric und ich schen­ken und nichts, wir pus­hen uns ge­gen­sei­tig“, sagt Rydzek. Das ers­te Gold-Du­ell steigt an die­sem Frei­tag (Sprin­gen um 9.30 Uhr, Lang­lauf 14.30 Uhr), am Sonn­tag folgt die Staf­fel.

Von Me­dail­len träu­men auch die Ski­sprin­ger, ob­wohl Ti­tel­ver­tei­di­ger Se­ve­rin Freund we­gen sei­nes Kreuz­band­ris­ses fehlt. Die Lü­cke füllt Andre­as Wel­lin­ger seit­her mehr als über­zeu­gend: Der 21-Jäh­ri­ge stand bei sie­ben der letz­ten acht Welt­cup-Sprin­gen auf dem Po­dest, in Wil­lin­gen so­gar ganz oben. „An­di fährt das ers­te Mal als Me­dail­len­kan­di­dat zu ei­ner Welt­meis­ter­schaft. Er kann das schaf­fen, ganz si­cher“, sagt Bun­des­trai­ner Wer­ner Schus­ter.

Hin­zu kom­men der bei der Vier­schan­zen­tour­nee star­ke Mar­kus Ei­sen­bich­ler und Richard Frei­tag. Bei­de stan­den in die­sem Win­ter eben­falls schon auf dem Po­dest, als Teil des deut­schen Quar­tetts ge­wan­nen sie das Te­am­sprin­gen in Za­ko­pa­ne – oh­ne Freund, wohl­ge­merkt. „Wir wol­len im Ein­zel

Ka­rin Or­gel­din­ger und mit der Mann­schaft auf das Po­dest“, sagt Schus­ter. Glei­ches gilt für das Mi­xed, wo zwei Män­ner und zwei Frau­en ein Team bil­den und es schon vor zwei Jah­ren in Fa­lun zu Gold reich­te.

Auch in Lah­ti ist Deutsch­land im „ge­misch­ten Vie­rer“Fa­vo­rit, ge­hö­ren doch Olym­pia­sie­ge­rin Ca­ri­na Vogt und Katharina Alt­haus bei den Frau­en eben­falls zur Welt­spit­ze. Bei­de sind auch im Ein­zel am Frei­tag für Me­dail­len gut. Die gro­ße Fa­vo­ri­tin heißt al­ler­dings Sa­ra Ta­kanashi. Aber wer weiß: Viel­leicht zeigt die Ja­pa­ne­rin wie schon bei Olym­pia 2014 und der WM 2015 Ner­ven. Bei bei­den Groß­er­eig­nis­sen hol­te am En­de Vogt das Gold, Ta­kanashi nichts.

Wei­t­aus klei­ne­re Bröt­chen ba­cken die deut­schen Ski­lang­läu­fer. Die zu den gol­de­nen Zei­ten von To­bi­as An­ge­rer und Axel Teich­mann so ver­wöhn­ten Loi­pen-As­se blie­ben 2013 und 2015 oh­ne WMMe­dail­le. Den drit­ten „Nul­ler“in Fol­ge soll die Frau­en-Staf­fel ver­hin­dern: Beim Welt­cup En­de Ja­nu­ar in Ul­ri­ce­hamn lief das von Ste­fa­nie Böh­ler an­ge­führ­te Quar­tett hin­ter Nor­we­gen auf Rang zwei. Ein Fin­ger­zeig? „Ei­ne Me­dail­le mit der Staf­fel ist mög­lich“, sagt Andre­as Schlüt­ter, sport­li­cher Lei­ter des Deut­schen Ski­ver­ban­des. Im Ein­zel je­doch wä­re ein Po­dest­platz an­ge­sichts der nor­we­gi­schen Do­mi­nanz von Re­kord­welt­meis­te­rin Ma­rit Björ­gen und Co. ei­ne mitt­le­re Sen­sa­ti­on. Ein­zi­ger Trost: Auch oh­ne Lang­lauf-Me­dail­len winkt dem DSV in Lah­ti ei­ne Re­kord-WM – den Kom­bi­nie­rern und Sprin­gern sei Dank.

„Wir soll­ten in der La­ge sein, in al­len Dis­zi­pli­nen Me­dail­len zu ge­win­nen.“

FOTO: SCHRA­DER/DPA

Die deut­schen Kom­bi­nie­rer Jo­han­nes Rydzek (links) und Eric Fren­zel do­mi­nie­ren das Ge­sche­hen. Im bis­he­ri­gen Win­ter lie­fer­ten sie sich ein Du­ell auf al­ler­höchs­tem Ni­veau. Mehr­fach, wie in die­ser Sze­ne, muss­te das Ziel­fo­to ent­schie­den, wer der Sie­ger des Ren­nens ist.

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