Frank­reich for­miert ei­ne Ad­ler-Ar­mee

PANORAMA

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - VON PHIL­IP­PE BERNES-LASSERREN

Im Kampf ge­gen Droh­nen geht Frank­reich ei­nen un­ge­wöhn­li­chen Weg: Die Ar­mee trai­niert Ad­ler, da­mit sie die Na­ti­on vor Ter­ror-An­schla­gen aus der Luft be­wah­ren. Ers­te Tests zei­gen: Das funk­tio­niert.

MONT-DE-MAR­SAN (afp) Im Du­ell Na­tur ge­gen Hig­htech lässt der Ad­ler sei­ner Beu­te kei­ne Chan­ce: Mit kräf­ti­gen Flü­gel­schlä­gen nimmt der ma­jes­tä­ti­sche Raub­vo­gel Tem­po auf, glei­tet durch die Luft, geht in den Sturz­flug über und greift mit sei­nen schar­fen Kral­len in vol­lem Flug ziel­si­cher zu. Die er­leg­te Beu­te ist kein schmack­haf­ter Vo­gel – viel­mehr hat der Ad­ler auf ei­nem fran­zö­si­schen Luft­waf­fen­stütz­punkt ei­ne Droh­ne ab­ge­fan­gen. Denn im Kampf ge­gen die un­be­mann­ten Flug­ge­rä­te, die zu­neh­mend als po­ten­zi­el­le Ge­fahr und Be­dro­hung an­ge­se­hen wer­den, will die fran­zö­si­sche Ar­mee auch auf tie­ri­sche Hel­fer set­zen.

Im süd­west­fran­zö­si­schen Mont-de-Mar­san wer­den des­we­gen vier St­ein­ad­ler zu ge­fie­der­ten Ab­fang­jä­gern aus­ge­bil­det, be­nannt nach dem Ro­man­hel­den d’Ar­ta­gnan und sei­nen Ge­fähr­ten Ara­mis, Athos und Por­thos. „Wir ha­ben die St­ein­ad­ler aus­ge­wählt, weil sie ro­bust und groß sind“, sagt Falk­ner Gé­rald Ma­chou­kow – die Tie­re ha­ben aus­ge­wach­sen ei­ne Flü­gel­spann­wei­te von mehr als zwei Me­tern, wie­gen bis zu fünf Ki­lo­gramm und kön­nen au­ßer­dem ih­re Beu­te aus zwei Ki­lo­me­tern Dis­tanz aus­ma­chen. „Das Ziel sind im­mer­hin zwei, drei, vier Ki­lo schwe­re Droh­nen, al­so ziem­lich schwe­re und ge­fähr­li­che Droh­nen. Der St­ein­ad­ler ist der ein­zi­ge Vo­gel, der bei so ei­ner Beu­te ein­ge­setzt wer­den kann.“

Ex­per­ten war­nen schon lan­ge vor mög­li­chen Ri­si­ken durch Droh­nen: So kam es in der Nä­he von Flug­hä­fen im­mer wie­der zu Bei­na­he-Kol­li­sio­nen zwi­schen den un­be­mann­ten Flug­ge­rä­ten und Li­ni­en­flie­gern. 2014 und 2015 be­schäf­tig­ten mys­te­riö­se Droh­nen­flü­ge über Atom­kraft­wer­ken die fran­zö­si­schen Be­hör­den. Und mit Spreng­stoff be­la­den könn­ten die fern­ge­steu­er­ten Droh­nen für An­schlä­ge ver­wen­det wer­den. Die Be­hör­den trei­ben des­we­gen die Ent­wick­lung von Ab­wehr­maß­nah­men ge­gen ge­fähr­li­che Droh­nen vor­an. Die Flug­ge­rä­te kön­nen bei­spiels­wei­se ab­ge­schos­sen wer­den, Stör­sen­der kön­nen ih­re Fern­steue­rung un­ter­bre­chen. Doch die fran­zö­si­sche Ar­mee hält auch ein et­was ar­cha­isch wir­ken­des Ge­gen­mit­tel für wirk­sam: Raub­vö­gel.

Vor­bild ist da­bei die nie­der­län­di­sche Po­li­zei, die den Ein­satz von Ad­lern ge­gen Droh­nen schon seit ge­rau­mer Zeit er­probt. Falk­ner Ma­chou­kow be­such­te die nie­der­län­di­schen Kol­le­gen und kam von dem Kon­zept über­zeugt nach Frank­reich zu­rück. Seit dem ver­gan­ge­nen Som­mer wer­den nun die vier jun­gen St­ein­ad­ler auf der Luft­waf­fen­ba­sis in Mont-de-Mar­san trai­niert. Zar­te drei Wo­chen alt wa­ren d’Ar­ta­gnan, Ara­mis, Athos und Por­thos, als ih­re Aus­bil­dung

„Die Droh­ne

ist für sie (...) Nah­rung.“

Falk­ner Gé­rald Ma­chou­kow

trai­niert die Ad­ler-Ar­mee

be­gann: Den Ba­by-St­ein­ad­lern, die noch mit wei­ßem Flaum be­deckt um­her­taps­ten, wur­de das Essen auf aus­ge­mus­ter­ten Droh­nen ser­viert. „Nach und nach ha­ben sie die Droh­ne mit Nah­rung in Ver­bin­dung ge­bracht, und jetzt ist es für sie ein Au­to­ma­tis­mus: Die Droh­ne ist für sie ein Syn­onym für Nah­rung“, sagt Ma­chou­kow. Nach je­der er­folg­rei­chen Übung be­kom­men die St­ein­ad­ler ein Stück Fleisch als Be­loh­nung.

Noch ist das Kon­zept in der Pro­be­pha­se, ei­ne ers­te Bi­lanz soll im Ju­ni ge­zo­gen wer­den. Doch die Ar­mee zeigt sich jetzt schon äu­ßerst zu­frie­den: Der Ein­satz der St­ein­ad­ler sei „sehr in­ter­es­sant, mit ei­nem sehr gu­ten Kos­ten-Nut­zen­Ver­hält­nis“, sagt ein Of­fi­zier.

Die Raub­vö­gel könn­ten nicht nur zum Schutz von Flug­hä­fen und Luft­waf­fen­stütz­punk­ten ein­ge­setzt wer­den. Auch über Fuß­ball­spie­le, Open-Air-Kon­zer­te, Re­gie­rungs­gip­fel oder Pa­ra­den wie am fran­zö­si­schen Na­tio­nal­fei­er­tag könn­ten die Greif­vö­gel künf­tig mit Ad­ler­au­gen wa­chen. Ob die St­ein­ad­ler auch bei so gro­ßen Men­schen­men­gen ar­bei­ten kön­nen, wird sich al­ler­dings erst noch zei­gen müs­sen.

Doch die fran­zö­si­sche Ar­mee scheint zu­ver­sicht­lich: Am Luft­waf­fen­stütz­punkt von Mont-deMar­san wur­den schon vier neue Jung­ad­ler be­stellt.

FOTO: GOBET/AFP

Nicht den Hauch ei­ner Chan­ce: Mit sei­nen mes­ser­schar­fen Klau­en greift die­ser Ad­ler ei­ne Droh­ne an. Die Greif­vö­gelAr­mee soll Frank­reich vor An­schlä­gen mit un­be­mann­ten Flug­ob­jek­ten schüt­zen.

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