Illingen hat bun­des­weit ers­te ara­bi­sche Kä­se­rei

Im Saar­land ent­steht auf dem Ge­orgs­hof die ers­te ara­bi­sche Kä­se­rei in Deutsch­land.

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - VON JOA­CHIM WOLL­SCHLÄ­GER Ab­dal­jal­el Say­moa

UCH­TEL­FAN­G­EN Ei­gent­lich wirkt der Ge­orgs­hof in Uch­tel­fan­g­en völ­lig nor­mal: mit Kü­hen in ei­nem ty­pi­schen Stall. Und doch ist der Hof et­was Be­son­de­res. Denn dort ent­steht ge­ra­de die ers­te ara­bi­sche Kä­se­rei Deutsch­lands, wie Bäue­rin Chris­tel Riehm be­tont. Die Pla­nun­gen sind in den letz­ten Zü­gen. Ak­tu­ell geht es dar­um, wo die Con­tai­ner ste­hen und mit wel­chen Ge­rä­ten sie aus­ge­stat­tet wer­den müs­sen. Spä­tes­tens An­fang Ju­ni soll es dann los­ge­hen, recht­zei­tig zum is­la­mi­schen Fas­ten­mo­nat Ra­ma­dan, der in die­sem Jahr am 27. Mai los­geht. „Das ist die Zeit, in der ara­bi­scher Kä­se be­son­ders ge­fragt ist“, sagt Bau­er Matthias Riehm.

Ur­sprung des Pro­jekts wa­ren die Be­su­che des sy­ri­schen Flücht­lings Ab­dal­jal­el Say­moa auf dem Ge­orgs­hof. Mehr­fach hat­te er dort fri­sche Milch ge­kauft. Erst nur ein paar Li­ter, dann im­mer mehr. Der hohe Milch­be­darf klär­te sich bald: Say­moa stell­te Kä­se her. Für sich und sei­ne Freun­de. „Ich ha­be schon in Sy­ri­en im­mer Kä­se ge­macht“, sagt Say­moa. Und hier in Deutsch­land sei es schwie­rig, fri­schen ara­bi­schen Kä­se zu be­kom­men. Ei­ne ara­bi­sche Kä­se­rei gibt es nicht, der Kä­se in den Ge­schäf­ten wird im­por­tiert. An­ders bei Say­moa: „Ich ma­che mor­gens Kä­se, der dann am Abend fer­tig ist.“

Aus ers­ten Ge­sprä­chen ent­stand schnell ei­ne Freund­schaft und dann die Ge­schäfts­idee mit der ara­bi­schen Kä­se­rei. Ei­ne Idee, von der bei­de Sei­ten pro­fi­tie­ren kön­nen: Für den Bau­ern­hof ist die Kä­se­rei ei­ne si­che­re Ab­satz­quel­le für die Milch – an­ge­sichts des im­mer wie­der rui­nös nied­ri­gen Milch­prei­ses ei­ne sta­bi­le Ein­nah­me­quel­le. Die Kä­se­rei wie­der­um hat Zu­griff auf ex­trem fri­sche Milch. Was wie­der­um der Qua­li­tät zu­gu­te­kommt.

Doch von der Idee zur Um­set­zung war es ein wei­ter Weg. „Oh­ne Hil­fe hät­ten wir das nicht ge­schafft“, sagt Chris­tel Riehm. Die­se Hil­fe kam vor al­lem von Ste­fa­nie Val­cic-Man­stein vom IQ-Netz­werk, die den Jung­grün­dern durch den Dschun­gel von Hand­werks­kam­mer, Ve­te­ri­när­amt, Sach­kun­de­nach­weis und all den nö­ti­gen Ge­neh­mi­gun­gen half. Das IQNetz­werk ge­hört zum In­sti­tut für Tech­no­lo­gie­trans­fer (Fitt) der Saar­brü­cker Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft (HTW ) und un­ter­stützt Mi­gran­ten bei der Un­ter­neh­mens­grün­dung.

Kä­se, das lern­ten die Grün­der schnell, darf man in Deutsch­land nicht ein­fach so auf den Markt brin­gen. Da­für be­nö­tigt es ei­nen Sach­kun­de­nach­weis, den Bau­er Riehm und Say­moa im De­zem­ber nach ei­nem mehr­tä­gi­gen Lehr­gang in Berlin ab­ge­legt ha­ben. Für den Sy­rer, der erst seit zwei Jah­ren in Deutsch­land ist, ei­ne har­te Auf­ga­be: „Die Prü­fung auf Deutsch war schwie­rig“, sagt er. Doch als er die Her­stel­lung des Kä­ses be­schrie­ben und teil­wei­se – als die Wor­te fehl­ten – auf Zeich­nun­gen

„Ich ha­be schon in Sy­ri­en

im­mer Kä­se ge­macht.“

zu­rück­ge­grif­fen ha­be, sei­en die Prü­fer von sei­ner Sach­kun­de schnell über­zeugt ge­we­sen.

Hil­fe be­kom­men Riehm und Say­moa aber auch beim Bu­si­nes­sAn­gels-Netz­werk, das Grün­dern er­fah­re­ne Un­ter­neh­mer zur Sei­te stellt. Nach ei­ner er­folg­rei­chen Pro­jekt­prä­sen­ta­ti­on hel­fen nun drei Bu­si­ness An­gels bei der Aus­ar­bei­tung des Ge­schäfts­plans.

Ein Ri­si­ko ist die Grün­dung na­tür­lich schon. Vor al­lem muss die sechs­stel­li­ge St­artinves­ti­ti­on über Kre­di­te fi­nan­ziert wer­den. Doch die Fa­mi­lie Riehm und Say­moa sind op­ti­mis­tisch: Mit Jung­bau­er Matthias Riehm Ju­ni­or, sei­ner Frau An­na und Say­moa liegt das neue Un­ter­neh­men, die Kä­se­rei Cham Saar, in den Hän­den der Nach­fol­ge-Ge­ne­ra­ti­on. Und auch Riehm se­ni­or, der das Pro­jekt ent­schei­dend auf den Weg ge­bracht hat, ist um den Er­folg nicht ban­ge. Ge­ra­de erst hat ihm ein Groß­händ­ler be­stä­tigt, dass der ara­bi­sche Kä­se von Cham Saar TopQua­li­tät hat. Der wer­de den Kä­se zum Start pro­be­wei­se ins Sor­ti­ment neh­men, sag­te Riehm. Und auch ara­bi­sche Ge­schäf­te im Saar­land hät­ten schon In­ter­es­se be­kun­det. „Ich bin ab­so­lut zu­ver­sicht­lich, dass un­se­re Kä­se­rei ein Er­folg wird“, sagt Matthias Riehm.

FOTO: ANDRE­AS EN­GEL

Ab­dal­jal­el Say­moa (3.v.l) prä­sen­tiert auf dem Ge­orgs­hof ge­mein­sam mit Fa­mi­lie Riehm und Ste­fa­nie Val­cic-Man­stein (4.v.l.) vom IQ-Netz­werk sei­nen selbst ge­mach­ten ara­bi­schen Kä­se.

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