Lie­bes­ent­zug aus Mos­kau

Russ­lands Prä­si­dent Pu­tin hat ge­nug von Be­rich­ten über Trump. Des­halb soll er Me­di­en auf­ge­for­dert ha­ben, we­ni­ger über den US-Staats­chef zu be­rich­ten.

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - VON KLAUS-HEL­GE DONATH

MOS­KAU Es war schon ei­ne Zu­mu­tung. Mos­kaus Chef­pro­pa­gan­dist Di­mi­trij Ki­sel­jow tat so, als gä­be es ihn nicht mehr. Den US-Prä­si­den­ten Do­nald Trump, der seit Mo­na­ten die Vor­stel­lungs­wel­ten rus­si­scher Ha­gio­gra­phen, Ho­he­pries­ter und Oden­dich­ter be­flü­gelt hat­te. Im Wo­chen­ma­ga­zin „Ves­ti nide­lii“(Nach­rich­ten der Wo­che) zur bes­ten Sen­de­zeit am Sonn­tag­abend tauch­te der US-Prä­si­dent nicht mehr auf, nicht mit ei­nem ein­zi­gen ihm ge­wid­me­ten Bei­trag – wie von der Bild­flä­che ver­schwun­den. Selbst für ge­dul­di­ge Fern­seh­zu­schau­er war die­ser Ent­zug dann doch zu viel. Zwei St­un­den lang war­te­ten sie auf neue Es­ka­pa­den des Mil­li­ar­därs. Auch die ge­schmei­di­ge Ein­ver­lei­bung Trump’scher Wer­te­wel­ten in den rus­sisch kon­ser­va­ti­ven Fun­dus, sonst ei­ne be­son­de­re Raf­fi­nes­se des Mo­de­ra­tors, blieb aus. Kurz­um, nichts über Trump.

Statt­des­sen er­ei­fer­te sich Ki­sel­jow über ei­ne Pro­test­ak­ti­on der Na­tio­na­len Be­frei­ungs­be­we­gung (NOD). Da­hin­ter ver­birgt sich ei­ne ul­tra­na­tio­na­lis­ti­sche Trup­pe un­ter Füh­rung des Du­ma-Ab­ge­ord­ne­ten Jew­ge­nij Fjo­do­row von der Kreml-Par­tei „Ei­ni­ges Russ­land“. Ih­re Mit­wir­ken­den de­mons­trier­ten vor dem Me­dien­sitz von „Ros­si­ja se­god­na“ge­gen „Trum­po­ma­nie in den rus­si­schen Me­di­en“. Auf Pla­ka­ten schimpf­ten sie Di­rek­tor Ki­sel­jow „ei­nen Trum­po­ma­nen“und rie­fen ihm ins Ge­dächt­nis zu­rück: „Pu­tin ist un­ser Prä­si­dent.“

Na­tür­lich wür­de Pu­tins Chef­ideo­lo­ge we­der da­ran zwei­feln, noch ei­nen an­de­ren Ge­dan­ken über­haupt zu­las­sen. Be­ob­ach­ter hal­ten auch die­se An­ti-Trump-Ak­ti­on für ei­ne kreml­na­he Ins­ze­nie­rung. Dass sich der lei­ten­de Pro­pa­gan­dist in der ei­ge­nen Sen­dung zur Wehr setzt, stimmt ei­ni­ge Be­ob­ach­ter nach­denk­lich.

Ki­sel­jow voll­zog ei­ne Voll­brem­sung. Letz­te Wo­che hät­ten al­le gro­ßen TV-An­stal­ten die An­wei­sung er­hal­ten: „Kei­nen Trump mehr“, mein­te der rus­si­sche Pu­bli­zist Kon­stan­tin von Eg­gert vom un­ab­hän­gi­gen In­ter­net­ka­nal „Doschd“. Dem war die US-For­de­rung vor­aus­ge­gan­gen, die Krim zu­rück­zu­ge­ben und sich in der Ukrai­ne an das Mins­ker Ab­kom­men zu hal­ten. Der Kreml will je­doch kei­ne An­wei­sung er­teilt ha­ben, ver­nein­te Pu­tins Pres­se­spre­cher Dmi­tri Pes­kow.

Noch bleibt Trump von Kri­tik ver­schont. Wenn es sich ver­mei­den lässt, wird er nicht er­wähnt. Das Po­lit­ma­ga­zin „Er­geb­nis­se der Wo­che“im Ka­nal NTW gab ges­tern ei­ne Kost­pro­be, wie die Rück­kehr zur Nüch­tern­heit aus­se­hen könn­te. „Trump fängt an, auf al­te Po­si­tio­nen zu­rück­zu­fal­len und kriecht in die Rhe­to­rik des Oba­ma-Ka­bi­netts.“Von nun an wer­de man rea­lis­tisch sein, ge­lob­te die Mo­de­ra­to­rin Ira­da Seina­lo­wa. „Der po­li­ti­sche Sex“sei nun zu En­de, be­kräf­tig­te ein Ex­per­te vom rus­si­schen In­sti­tut „Dia­log der Zi­vi­li­sa­tio­nen“in Berlin frei­mü­tig.

An­fang Februar hat­te Do­nald Trump Wla­di­mir Pu­tin noch mit 202 000 Nen­nun­gen in rus­si­schen Me­di­en auf Platz zwei ver­wie­sen. Nur 147 700 Mal wur­de der Kreml­chef im Ja­nu­ar er­wähnt. Noch nie hat­te je­mand den gro­ßen „Boss“aus­ge­sto­chen. Zu­mal noch mit des­sen wohl­wol­len­der Dul­dung.

Ei­ne Er­he­bung von neun gro­ßen Fern­seh­ka­nä­len an drei auf­ein­an­der fol­gen­den Sonn­ta­gen im Februar, an de­nen um­fas­sen­de Po­li­tik­ma­ga­zi­ne aus­ge­strahlt wer­den, er­gab un­ter­des­sen: zwi­schen dem 5. und 19. Februar sank Do­nald Trumps Me­di­en­prä­senz um das Vier­fa­che. Russ­lands „Ers­ter Ka­nal“ver­zeich­ne­te An­fang Februar noch 17 Nen­nun­gen, zwei Wo­chen spä­ter nach Trumps Krim-Äu­ße­rung taucht der US­Prä­si­dent nur noch ein­mal auf. Auch im Nach­rich­ten­ka­nal „Ros­si­ja 24“sank der Wert im sel­ben Zei­t­raum von 44 auf sechs Nen­nun­gen. Zwi­schen­durch – am 12. Februar – ließ sich nur ei­ne leich­te Ab­küh­lung fest­stel­len.

Fest steht: Skep­sis macht sich in den Me­di­en breit und die Vor­ah­nung, das Ver­hält­nis zum Ame­ri­ka Trumps könn­te trotz al­ler po­pu­lis­ti­scher Nä­he kom­pli­zier­ter wer­den, als er­war­tet.

FOTO: PIC­TU­RE AL­LI­AN­CE

Kreml­chef Wla­di­mir Pu­tin (rechts) hat of­fen­bar die Fern­seh­sen­der an­ge­wie­sen, we­ni­ger über Do­nald Trump zu be­rich­ten.

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