Die Streit­häh­ne im Ka­bi­nett

Um­welt­mi­nis­te­rin Hend­ricks und Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Schmidt ge­ra­ten im­mer öf­ter an­ein­an­der. Es geht um Ge­mü­se, Fleisch und „Pro­fi­lie­rungs­not“.

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - VON HA­GEN STRAUSS

Agrar-Ex­per­te der Grü­nen

BERLIN Reich­lich ab­surd mag das auf Au­ßen­ste­hen­de wir­ken, wenn ei­ne Mi­nis­te­rin ent­schei­det, dass bei of­fi­zi­el­len An­läs­sen in ih­rem Haus nur noch Veg­gie-Kost an­ge­bo­ten wird und ein an­de­rer Mi­nis­ter dar­auf gleich er­bost re­agiert. So neu­lich ge­sche­hen. Um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) zog sich des­we­gen den Är­ger von Er­näh­rungs­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt (CSU) zu. Hin­ter dem bi­zar­ren Streit steckt je­doch weit mehr als nur der um ein paar Häpp­chen. Das Ver­hält­nis bei­der gilt als hoch­gra­dig ge­stört.

Es ist nicht der ers­te Schlag­ab­tausch, den sich die Ge­nos­sin und der Christ­so­zia­le in letz­ter Zeit ge­lie­fert ha­ben. Vor we­ni­gen Wo­chen prä­sen­tier­te Hend­ricks „neue Bau­ern­re­geln“, um im Rah­men ei­ner Kam­pa­gne für ei­ne na­tur­ver­träg­li­che­re Land­wirt­schaft zu wer­ben. Die Re­ak­tio­nen dar­auf wa­ren bei­ßen­der Spott und hef­ti­ge Pro­tes­te. Sie dif­fa­mie­re pau­schal die Land­wir­te, wet­ter­ten die Kri­ti­ker. Vor­ne­weg: Chris­ti­an Schmidt. In ei­nem Be­schwer­de­brief mach­te er sei­ner Em­pö­rung Luft. Hend­ricks kon­ter­te eben­falls schrift­lich und schimpf­te über ei­ne ver­fehl­te Land­wirt­schafts­po­li­tik, die sich le­dig­lich an den Be­dürf­nis­sen der Agrar­kon­zer­ne ori­en­tie­re. Am En­de muss­te sie aber bei ih­ren Bau­ern­re­geln zu­rück­ru­dern – Punkt­sieg für Schmidt.

Fried­rich Os­ten­dorff,

Nicht erst seit­dem sind die bei­den Mi­nis­ter die Streit­häh­ne an Mer­kels Ka­bi­netts­tisch. Bei ge­mein­sa­men Auf­trit­ten wahrt man zwar die Con­ten­an­ce. Doch hin­ter den Ku­lis­sen wird ge­sti­chelt. Schmidt lei­de an „Pro­fi­lie­rungs­not“, heißt es im Hau­se der SPDFrau, wäh­rend beim CSU-Mann zu hö­ren ist, Hend­ricks sol­le end­lich vor ih­rer ei­ge­nen Tür keh­ren.

Denn dar­um geht es: Hend­ricks ent­deckt im­mer häu­fi­ger die Fol­gen der in­dus­tri­el­len Land­wirt­schaft für die Um­welt als ihr zen­tra­les The­ma. Mal for­dert sie ei­ne um­fas­sen­de Agrar­re­form, dann macht sie Druck beim Tier­wohl oder sie ver­an­stal­tet ei­nen Kon­gress zur „Land­wirt­schaft mit Zu­kunft“und plä­diert für ein ver­schärf­tes Bau­recht ge­gen die Mas­sen­tier­hal­tung. Be­rei­che, für die ei­gent­lich nur oder zu­min­dest über­wie­gend Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Schmidt zu­stän­dig ist. Hin­zu kommt dem Ver­neh­men nach Frust bei Hend­ricks: Schmidt ha­be zu vie­le Ver­ein­ba­run­gen wie­der in Fra­ge ge­stellt.

Der Land­wirt­schafts­mi­nis­ter fühlt sich wie­der­um zu Un­recht ge­schol­ten. Sei­ner­seits stell­te er eben­so auf stur, als es um die Zu­stim­mung zu Hend­ricks Kli­ma­schutz­plan 2050 ging. Erst kurz vor der Kli­ma­kon­fe­renz im No­vem­ber letz­ten Jah­res in Mar­ra­kesch konn­ten bei­de sich ei­ni­gen und so ei­ne Bla­ma­ge auf in­ter­na­tio­na­ler Büh­ne ab­wen­den. Ihr Mot­to: Wie du mir, so ich dir. Wahr ist, dass Schmidt zu­letzt mit dem Grün­buch oder dem Tier­wohl-La­bel Ak­zen­te set­zen konn­te und auf al­len Ka­nä­len prä­sent war. In­si­der glau­ben nun, dass hin­ter Hend­ricks Ge­gen­kurs der Ver­such steckt, auch beim The­ma Agrar­po­li­tik die Mei­nungs­füh­rer­schaft in der SPD zu er­rin­gen. Da dürf­te sie leich­tes Spiel ha­ben: Es gibt nie­man­den, der im Mo­ment bei den Ge­nos­sen sonst noch mit die­sem The­ma in Ver­bin­dung ge­bracht wird. Ziel soll sein, nach ei­ner er­folg­rei­chen Bun­des­tags­wahl im Herbst den Be­reich dann mög­lichst ins Um­welt- und Bau­mi­nis­te­ri­um zu in­te­grie­ren wer­den. Doch das ist Zu­kunfts­mu­sik.

Die Op­po­si­ti­on je­den­falls be­ob­ach­tet den mi­nis­te­ri­el­len Klein­krieg mit Freu­de: „Der farb­lo­se Land­wirt­schafts­mi­nis­ter ar­bei­tet an der Ab­schaf­fung sei­nes ei­ge­nen Res­sorts“, spot­tet der Grü­ne Agrar­ex­per­te Fried­rich Os­ten­dorff. Und Hend­ricks las­se „ehr­li­che Po­li­tik mit ver­läss­li­chen An­ge­bo­ten“mis­sen. Dass sich dar­aus frei­lich zwangs­läu­fig ei­ne Chan­ce für die Öko­par­tei er­gibt, ist nach jet­zi­gem Stand al­ler­dings nicht si­cher.

„Der farb­lo­se Land­wirt­schafts­mi­nis­ter

ar­bei­tet an der Ab­schaf­fung sei­nes ei­ge­nen Res­sorts.“

FOTO: IMAGO

Zwi­schen Um­welt­mi­nis­te­rin Hend­ricks von der SPD und Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Schmidt von der CSU geht es nicht im­mer so har­mo­nisch zu.

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