Ober­haus be­rät Aus­stieg aus der EU

Das bri­ti­sche Ober­haus de­bat­tiert der­zeit den Br­ex­it-Ge­setz­ent­wurf. Die Kam­mer des Par­la­ments will Än­de­rungs­an­trä­ge durch­set­zen.

Saarbruecker Zeitung - - POLITIK - VON KA­TRIN PRIBYL

LONDON Al­lein schon der mit Gold ver­zier­te Thron – man kommt nicht um­hin, beim Blick ins Ober­haus des bri­ti­schen Par­la­ments an den längst ver­gan­ge­nen Glanz des eins­ti­gen Em­pi­res zu den­ken. Das Hou­se of Lords ge­hört als ei­ne von zwei Kam­mern zum Par­la­ment, dem nach ei­nem Ge­richts­ur­teil des Obers­ten Ge­richts­ho­fes ein Mit­spra­che­recht beim Start des Br­ex­it-Ver­fah­rens ein­ge­räumt wur­de. Vor zwei Wo­chen ha­ben be­reits die ge­wähl­ten Ab­ge­ord­ne­ten des Hou­se of Com­mons, des Un­ter­hau­ses, dem Ge­setz­ent­wurf in über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit zu­ge­stimmt. Er soll der Re­gie­rung un­ter Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May die Voll­macht ge­ben, den Aus­tritts­pro­zess nach Ar­ti­kel 50 der EU-Ver­trä­ge zu star­ten. Seit ges­tern be­ra­ten nun die Lords.

Im nicht ge­wähl­ten Ober­haus ver­fü­gen die kon­ser­va­ti­ven To­ries über kei­ne Mehr­heit, was Re­gie­rungs­che­fin May ner­vös zu ma­chen scheint. Ges­tern setz­te sie sich des­halb als Be­ob­ach­te­rin auf die Stu­fen vor den rie­si­gen Thron. Das ist äu­ßerst un­ge­wöhn­lich, seit Jahr­zehn­ten wohn­te kein Pre­mier­mi­nis­ter solch ei­ner De­bat­te mehr bei, und schon gar nicht wähl­ten die Re­gie­rungs­chefs die­sen Sitz­platz. Doch für May steht viel auf dem Spiel, ent­spre­chend gro­ßen Druck will sie aus­üben. Soll­te am En­de das mehr­heit­lich eu­ro­pa­freund­li­che Ober­haus Än­de­run­gen des Ge­set­zes be­an­tra­gen, wür­de das den Zeit­plan Lon­dons ge­hö­rig durch­ein­an­der brin­gen. Und das wird er­war­tet.

So wol­len ei­ni­ge Peers et­wa er­rei­chen, dass den EU-Bür­gern im Kö­nig­reich noch vor den Aus­stiegs­ver­hand­lun­gen ei­ne Blei­be­ga­ran­tie aus­ge­spro­chen wird. Das lehnt May mit der Be­grün­dung ab, es wür­de den Spiel­raum der Re­gie­rung bei den Ge­sprä­chen mit der EU ein­schrän­ken. Die Re­gie­rungs­che­fin will bis spä­tes­tens En­de März den Schei­dungs­an­trag in Brüssel stel­len. Um­so ein­dring­li­cher warn­te sie vor Ver­zö­ge­run­gen. „Ich will nie­man­den se­hen, der den Wil­len des bri­ti­schen Vol­kes auf­hält.“Das Un­ter­haus ha­be das Ge­setz da­zu oh­ne Zu­sät­ze ver­ab­schie­det. „Ich hof­fe, das Ober­haus wird das be­ach­ten.“

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