Die EU muss um­steu­ern

KOM­MEN­TAR

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE -

Wenn es um Steu­er­oa­sen geht, wer­den die EU-Fi­nanz­mi­nis­ter schnell wort­karg. Das ist kein Wun­der: Ir­gend­wo hat je­der Mit­glied­staat sein klei­nes ver­schwie­ge­nes Pa­ra­dies, in dem traum­haft nied­ri­ge Ab­ga­ben gel­ten, um Groß­kon­zer­ne, Pro­mis und Spit­zen­ver­die­ner zu hal­ten. An­ders ist es kaum zu ver­ste­hen, dass die Kas­sen­war­te schon seit Mo­na­ten über ei­ner Lis­te brü­ten, in der die be­schul­dig­ten Re­gio­nen zu­sam­men­ge­stellt wer­den sol­len, – und sich nun noch ein­mal bis zum Jah­res­en­de Zeit ge­ben wol­len. So lan­ge dür­fen Un­ter­neh­men und ka­pi­tal­kräf­ti­ge Zeit­ge­nos­sen ihr Geld dort ab­le­gen, wo der Fis­kus mit un­vor­stell­ba­rer Groß­zü­gig­keit be­steu­ert. Ei­ne Pra­xis, die – ei­ne An­mel­dung beim hei­mi­schen Fi­nanz­amt vor­aus­ge­setzt – so­gar le­gal ist.

All­zu groß­zü­gig ha­ben die über­wa­chen­den EU-In­sti­tu­tio­nen über Jah­re hin­weg Nied­rig­steu­ern als le­ga­les Mit­tel zum Auf­bau ei­nes lu­kra­ti­ven Stand­or­tes er­laubt. Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof bil­lig­te die­se Pra­xis so­gar als rechts­kon­form. Da darf sich nie­mand wun­dern, wenn von die­sen Spiel­räu­men Ge­brauch ge­macht wird. Die Fi­nanz­mi­nis­ter soll­ten nicht jam­mern, sie kön­nen die­se Pra­xis ab­stel­len.

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