„Die Nach­rüs­tun­gen rei­chen nicht aus“

Ein Atom-Ex­per­te be­sucht mit Grü­nen das Atom­kraft­werk Cat­te­nom – und zieht ein er­nüch­tern­des Fa­zit.

Saarbruecker Zeitung - - REGION - VON HÉ­LÈ­NE MAILLASSON

CAT­TE­NOM Ei­ne De­le­ga­ti­on der Bun­des­tags­frak­ti­on der Grü­nen hat ges­tern das grenz­na­he Atom­Kraft­werk Cat­te­nom be­sucht. Da­bei war der saar­län­di­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mar­kus Tres­sel, der an­schlie­ßend von ei­nem „be­un­ru­hi­gen­den Be­such“be­rich­te­te. „Wir wa­ren zum Bei­spiel im Brenn­ele­men­te-La­ger. Das Dach ist dort aus Blech. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass es zum Bei­spiel ein Flug­zeug auf­fan­gen wür­de“, sorg­te sich Tres­sel. Das sei im Hin­blick auf die La­ge des Atom­kraft­werks et­wa 40 Ki­lo­me­ter vom Lu­xem­bur­ger Flug­ha­fen ent­fernt Be­sorg­nis er­re­gend. Auch der un­ab­hän­gi­ge Atom­ex­per­te Die­ter Ma­jer, der der De­le­ga­ti­on an­ge­hör­te, war beim An­blick ver­schie­de­ner Post-Fu­kus­hi­maMaß­nah­men nicht über­zeugt. „Die Nach­rüs­tun­gen rei­chen nicht aus, um ei­nen Stör­fall zu ver­hin­dern. Sie kön­nen le­dig­lich Aus­wir­kun­gen bei ein­ge­tre­te­nen Stör­fäl­len ver­rin­gern“, lau­te­te sein Fa­zit. Ges­tern war nicht Ma­jers ers­ter Be­such in Cat­te­nom. Er war schon als Stress­test­be­ob­ach­ter für das Saar­land, Rhein­lan­dP­falz und Lu­xem­burg in der An­la­ge. „Die­ses Kraft­werk wur­de in den 70er Jah­ren kon­zi­piert. Da­mals hielt man noch ei­ne Kern­schmel­ze für un­mög­lich“, sag­te Ma­jer der SZ. Die Tei­le der An­la­ge al­ter­ten, und auch dass Si­cher­heits­vor­rich­tun­gen wie Not­strom­ag­gre­ga­te auf­ge­stockt wur­den, rei­che im Ernst­fall nicht, so der Ex­per­te. Nach sei­ner Ein­schät­zung sei es vor die­sem Hin­ter­grund „un­se­ri­ös“, die Lauf­zeit des AKW über 40 Jah­re hin­aus zu ver­län­gern. „Man hat uns zwar sehr viel ge­zeigt, aber auf vie­le Fra­gen konn­te oder woll­te uns der Be­trei­ber kei­ne Ant­wort ge­ben – wie zum Bei­spiel zum The­ma Hoch­was­ser“, be­rich­te­te Tres­sel. Und das, ob­wohl die De­le­ga­ti­on im Vor­aus ei­ne Lis­te mög­li­cher Ge­sprächs­the­men ge­schickt hat­te. Als Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter wis­se er ge­nau, dass das Saar­land al­lein die Ab­schal­tung von Cat­te­nom nicht be­wir­ken kön­ne, son­dern dass Druck aus Berlin ge­fragt sei. Trotz der Sou­ve­rä­ni­tät Frank­reichs in die­ser Fra­ge „muss sich der Bund ernst­haft um Ein­fluss­nah­me be­mü­hen. Wir brau­chen ei­ne rich­ti­ge De­bat­te über die Ge­fah­ren­la­ge“, sag­te Tres­sel.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.