Zwi­schen al­tem Glanz und bit­ter­sü­ßer Me­lan­cho­lie

Zum sieb­ten Mal fin­det in Lah­ti die nordische Ski-WM statt. Die Sport­haupt­stadt Finn­lands hat ih­re bes­ten Ta­ge aber hin­ter sich.

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - VON ERIK ROOS

LAH­TI (sid) In Finn­land, so sagt man, ist das Le­ben kom­pli­ziert ge­nug. Und des­halb sucht man im Sim­plen Halt. Zwei Jah­res­zei­ten nur gibt es in Lah­ti – die des Schwim­mers und die des Ski­sprin­gers. Wenn der Som­mer geht, ver­schwin­det das gro­ße Be­cken am Fu­ße der Sal­paus­sel­käSchan­ze erst un­ter mas­si­ven Boh­len, dann un­ter Schnee und dient den Sprin­gern als Aus­lauf.

Über al­lem liegt ei­ne son­der­ba­re Me­lan­cho­lie. Und nie­mand ver­kör­pert sie so sehr wie Jan­ne Aho­nen. „Wir sind hier, um zu sprin­gen, nicht um zu lä­cheln“, sag­te der einst größ­te Ski­sprin­ger der Welt ein­mal, ge­fragt nach der no­to­ri­schen Me­lan­ge aus Ernst­haf­tig­keit, Wort­karg­heit und sü­ßer Bit­ter­nis, die das We­sen der Fin­nen im All­ge­mei­nen aus­macht.

Der Men­schen­schlag der 116 000-Ein­woh­ner-Stadt am Ufer des Ve­si­jär­vi-Sees, wo ab heu­te zum sieb­ten Mal nordische Ski-Welt­meis­ter­schaf­ten statt­fin­den, wirkt stets, als wür­de er mit Stolz am Le­ben lei­den. Aho­nen et­wa de­kon­stru­iert ge­ra­de sei­ne gro­ße Kar­rie­re. Der fünf­ma­li­ge Vier­schan­zen­tour­nee-Sie­ger ist 39 Jah­re alt, hat zwei Mal sei­ne Kar­rie­re be­en­det – und sie zwei Mal wie­der ge­star­tet. Aho­nen ist nun nur ein Ab­zieh­bild gro­ßer Zei­ten. So ist es mit Lah­ti selbst. Die Ver­gan­gen­heit ist spür­bar, die Ge­gen­wart müh­sam – auch wenn Lah­ti im­mer noch als Sport­haupt­stadt Finn­lands gilt. Die vo­ri­gen bei­den nor­di­schen WM’s dort, rund 100 Ki­lo­me­ter nörd­lich der Haupt­stadt Hel­sin­ki, wa­ren ei­ne Macht­de­mons­tra­ti­on fin­ni­scher Win­ter­sport­ler. 1989, als die Ski­sprin­ger um den gro­ßen Mat­ti Ny­kä­nen auf­trumpf­ten. Und 2001, als Aho­nen selbst zwar nur Bron­ze hol­te, da­für aber die Ski­lang­läu­fer glänz­ten. Sport­li­che Fest­ta­ge sind seit­dem sel­ten. Die er­folg­lo­sen Fuß­ball-Clubs der Stadt fu­sio­nier­ten 1996 zum FC Lah­ti, der letz­te Meis­ter­ti­tel liegt mehr als fünf Jahr­zehn­te zu­rück. Noch tris­ter sieht es im Eis­ho­ckey aus, wo sich die Lah­ti Pe­li­cans durch das Mit­tel­maß mü­hen. 1928 war das Team Finn­lands ers­ter Meis­ter.

Wäh­rend der fin­ni­sche Sport­ler al­so mit Weh­mut auf sein Lah­ti blickt, tut dies der deut­sche Schan­zen­sport­ler mit Freu­de. 1978 fei­er­ten die DDR-Sprin­ger Matthias Bu­se und Hen­ry Glaß ei­nen Dop­pel­sieg, elf Jah­re spä­ter hol­te Jens Weiß­flog den letz­ten gro­ßen Win­ter­sport-Ti­tel der deutsch-de­mo­kra­ti­schen Sport­ge­schich­te. 2001 über­rag­te Mar­tin Sch­mitt mit Gold und Sil­ber.

FOTO: SCHLA­GER/DPA

Lah­ti hat sich für die nordische Ski-WM her­aus­ge­putzt, aber fin­ni­sche Er­fol­ge dürf­te es kaum zu se­hen ge­ben.

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