Wie Ma­na­ger-Ge­häl­ter be­schnit­ten wer­den sol­len

Die Chan­cen für ein Ge­setz zur Be­gren­zung der Vor­stands­ge­häl­ter in Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten wach­sen. In der Uni­on brö­ckelt der Wi­der­stand.

Saarbruecker Zeitung - - NEWS - VON WER­NER KOL­HOFF

BERLIN Kurz vor En­de der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode hat die SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on ges­tern noch schnell ei­nen Ent­wurf zur Be­gren­zung der Ma­na­ger­ge­häl­ter vor­ge­legt. Die Chan­cen, dass er um­ge­setzt wird, ste­hen nicht schlecht – die Uni­on, die ei­gent­lich da­ge­gen ist, fürch­tet, dem SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten Mar­tin Schulz und sei­ner Ge­rech­tig­keits­kam­pa­gne Mu­ni­ti­on zu lie­fern.

Strikt ge­gen die Vor­schlä­ge ist der Wirt­schafts­flü­gel der Uni­on, doch Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Uni­ons­frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der hat­ten letz­te Wo­che in der Frak­ti­ons­sit­zung ei­ne an­de­re Po­si­ti­on be­zo­gen. Mer­kel sag­te dort nach Me­dien­be­rich­ten, ei­ne Re­form sei „nicht der Welt­un­ter­gang“. Es ge­be in der Be­völ­ke­rung nun mal viel Un­ver­ständ­nis an­ge­sichts der Mil­lio­nen­sum­men, die ge­zahlt wür­den. Und Kau­der mein­te in der er­reg­ten Debatte, er wer­de im Wahl­kampf „nicht Zehn-, Elf-, Zwölf-Mil­lio­nen-Ge­häl­ter ver­tei­di­gen. So, jetzt ist der Fall ge­ges­sen!“Be­feu­ert wur­de die Debatte durch Fäl­le bei VW – et­wa die Ta­ges­ren­te von 3100 Eu­ro für Ex-Chef Mar­tin Win­ter­korn und die Zwölf-Mil­lio­nen-Ab­fin­dung nach nur 13 Mo­na­ten Tä­tig­keit im Vor­stand für Chris­ti­ne Hoh­man­nDenn­hardt, ei­ne ehe­ma­li­ge SPDLan­des­mi­nis­te­rin. Die Ge­werk­schafts­ver­tre­ter und auch SPDMi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil hat­ten dem im Auf­sichts­rat zu­ge­stimmt. Den Ma­kel woll­ten die So­zi­al­de­mo­kra­ten schnell los­wer­den und be­schlos­sen An­fang Ja­nu­ar auf ih­rer Frak­ti­ons­klau­sur, dass nun ei­ne Re­form kom­men müs­se. „Maß und Mit­te sind nicht mehr ge­währ­leis­tet.“Al­ler­dings wol­len sie da­bei ko­ali­ti­ons­treu blei­ben, wes­halb ein fast in­halts­glei­cher An­trag der Grü­nen letz­te Wo­che noch von ih­nen ab­ge­lehnt wur­de.

Die Chan­cen für ei­ne schnel­le Ge­set­zes­än­de­rung sind auch des­halb hoch, weil die SPD sich in ih­rem Ent­wurf auf das be­schränkt, was schon weit­ge­hend Kon­sens mit der Uni­on ist. Es geht nur um Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten. Zum ei­nen sol­len die Ma­na­ger­ge­häl­ter künf­tig nur bis 500 000 Eu­ro (für den ge­sam­ten Vor­stand) steu­er­lich gel­tend ge­macht wer­den kön­nen. Pen­si­ons­zah­lun­gen nur bis zur nor­ma­len Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze von 76 200 Eu­ro. Er hal­te das grund­sätz­lich für rich­tig „und den­ke, dass wir da zu ei­nem par­tei­über­grei­fen­den Kon­sens kom­men wer­den“, sag­te Kanz­ler­amts­chef Pe­ter Alt­mai­er (CDU) da­zu am Sonn­tag. Al­ler­dings wer­den an die­sem Punkt Ver­fas­sungs­kla­gen er­war­tet. Denn es gilt das „Net­to­prin­zip“. Fir­men kön­nen nur für das be­steu­ert wer­den, was nach Ab­zug von Wer­bungs- und an­de­ren Kos­ten üb­rig bleibt.

Der zwei­te Vor­schlag be­sagt, dass nicht nur der Auf­sichts­rat, son­dern die Haupt­ver­samm­lung der Ak­tio­nä­re über die Ge­samt­be­zü­ge der Vor­stands­mit­glie­der ent­schei­den soll. We­nigs­tens die wä­ren dann trans­pa­rent, wenn auch nicht das Ein­kom­men je­des ein­zel­nen Ma­na­gers. Im Grund­satz hat­ten Uni­on und SPD ei­ne sol­che Re­ge­lung so­gar schon im Ko­ali­ti­ons­ver­trag be­schlos­sen, je­doch hat­te Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas bis heu­te kei­nen ent­spre­chen­den Ge­setz­ent­wurf vor­ge­legt. Auch dass der Auf­sichts­rat das Recht be­kom­men soll, bei „Schlecht­leis­tung“ver­ein­bar­te Be­zü­ge auch mal zu kür­zen, dürf­te nicht strit­tig sein.

Von ei­ner ra­di­ka­le­ren Idee ha­ben sich die So­zi­al­de­mo­kra­ten von sich aus wie­der ver­ab­schie­det. Sie woll­ten ur­sprüng­lich ein Ma­xi­mal­ver­hält­nis zwi­schen dem Ein­kom­men von Ma­na­gern und dem der Mit­ar­bei­ter fest­le­gen. Es ist bei vie­len Un­ter­neh­men vom 20-fa­chen noch in den 80er Jah­ren auf das 50- bis 100-fa­che hoch­ge­schos­sen. Ei­ne sol­che De­cke­lung wä­re aber ein Ein­griff in die Ver­trags­frei­heit ge­we­sen, auch hat­te die neue Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Bri­git­te Zy­pries (SPD) sie ab­ge­lehnt. Nun soll die Haupt­ver­samm­lung selbst ei­ne Höchst­gren­ze für das je­wei­li­ge Ver­hält­nis be­schlie­ßen, schlägt die SPDFrak­ti­on vor.

FO­TOS: ULL­STEIN, FOTOLIA, MON­TA­GE: SZ

Die SPD hat jüngst ei­nen Ge­setz­ent­wurf für die Be­schnei­dung der Ge­häl­ter von Vor­stands­chefs vor­ge­legt.

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