Wenn Grenz­gän­ger Hil­fe brau­chen

Eu­res-Be­ra­ter un­ter­stüt­zen, wenn Pend­ler ar­beits­los wer­den oder mit der Bü­ro­kra­tie nicht zu­recht­kom­men.

Saarbruecker Zeitung - - NEWS - VON JAS­MIN KOHL

SAAR­BRÜ­CKEN. Je­den Mor­gen fah­ren Tau­sen­de Ar­beit­neh­mer ins Saar­land und abends zu­rück in die Heimat Loth­rin­gen. Knapp 22 000 Men­schen wa­ren es im Juni 2016. Un­ter ih­nen be­fin­den sich auch vie­le Saar­län­der, denn nicht nur Grund­stü­cke sind im na­he ge­le­ge­nen Frank­reich oft güns­ti­ger. Auch Steu­er­ab­ga­ben fal­len ge­rin­ger aus.

Als „Grenz­gän­ger“be­zeich­net das Ar­beits­recht die­se Pend­ler. Dass die­ser Sta­tus nicht nur Vor­tei­le mit sich bringt, weiß Achim Dür­schmid von der Ar­beits­agen­tur Saar­brü­cken. Als Eu­res-Be­ra­ter küm­mert er sich zu­sam­men mit sei­nen deut­schen Kol­le­gen Nat­ha­lie Rupp und Tho­mas Schulz so­wie ih­ren fran­zö­si­schen Pen­dants, Pas­cal Thil und Ma­rieChris­ti­ne Ro­mang, dar­um, dass Grenz­gän­ger in Ar­beits­recht-Fragen gut in­for­miert sind. Die Be­ra­ter sind nicht nur zwei­spra­chig, son­dern auch bes­tens mit den Un­ter­schie­den der Ar­beits- und So­zi­al­sys­te­me der bei­den Län­der ver­traut.

Be­son­ders im Fal­le von Ar­beits­lo­sig­keit herr­sche bei den Grenz­gän­gern gro­ße Ah­nungs­lo­sig­keit. „Vie­le wissen nicht, dass die Ar­beits­agen­tur des Lan­des, in dem sie woh­nen, für sie zu­stän­dig ist und das Ar­beits­lo­sen­geld aus­zahlt“, sagt Dür­schmid. Ein Deut­scher, der in For­bach wohnt und in Saar­brü­cken ar­bei­te, müs­se sich al­so ge­ge­be­nen­falls bei der fran­zö­si­schen Ar­beits­ver­wal­tung (pô­le em­ploi) ar­beits­los mel­den. „Und zwar am ers­ten Tag der Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­tra­ges“, be­tont Dür­schmid. Um Ar­beits­lo­sen­geld zu be­kom­men, braucht er ei­ne so­ge­nann­te „Car­te Vi­ta­le“. Die­se fran­zö­si­sche Kran­ken­ver­si­che­rungs­kar­te be­inhal­tet näm­lich auch die So­zi­al­ver­si­che­rungs­num­mer. Und die braucht man, um Ar­beits­lo­sen­geld er­hal­ten zu kön­nen.

„Wir er­le­ben es im­mer wie­der, dass der Ar­beit­ge­ber zu wissen meint, was gilt, und sei­ne Mit­ar­bei­ter falsch in­for­miert“, sagt Eu­res-Be­ra­ter Tho­mas Schulz. Er rät Grenz­gän­gern da­her, sich schon vor ei­ner Kün­di­gung über ih­ren Son­der­sta­tus zu in­for­mie­ren. Auch bei Fragen rund um be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen, Auf­he­bungs­ver­trä­ge oder Ab­fin­dun­gen, hel­fen die Eu­res-Be­ra­ter wei­ter. Ein­mal im Mo­nat ver­an­stal­ten sie da­zu ei­ne In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung in der Ar­beits­agen­tur Saar­brü­cken. Die­se rich­tet sich ge­zielt an Grenz­gän­ger, de­nen die Ar­beits­lo­sig­keit droht oder die be­reits ar­beits­los ge­wor­den sind. Zwi­schen 20 und 50 Men­schen neh­men im Durch­schnitt je­weils dar­an teil.

Pas­cal Thil be­rät in Saint-Avold vor al­lem Fran­zo­sen, die im Saar­land ar­bei­ten. Sie kämp­fen vor al­lem mit län­der­spe­zi­fi­schen Un­ter­schie­den: „In Frank­reich gibt es mit der ,CPAM’ nur ei­ne ge­setz­li­che Kran­ken­kas­se, man ar­bei­tet 35 statt 40 St­un­den pro Wo­che, und der Min­dest­lohn ist hö­her“, be­schreibt er die we­sent­li­chen Un­ter­schie­de.

FO­TO: BE­CKER & BREDEL

Mehr als 20 000 Men­schen fah­ren täg­lich zur Ar­beit aus Loth­rin­gen ins Saar­land.

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