Sieht aus wie ein ganz mie­ser Steu­er­trick

KO­LUM­NE UN­SE­RE WO­CHE Die Al­ters­ar­mut im Re­gio­nal­ver­band be­weist: Die neu­en (Wahl­kampf-) Dis­kus­sio­nen über die Ren­te ge­hen teil­wei­se weit an der Wirk­lich­keit vor­bei.

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN -

Es ist schon skan­da­lös, wie Wahl­kämp­fer – aber auch Jour­na­lis­ten – der­zeit land­auf, land­ab, über die Ren­te dis­ku­tie­ren und dar­über, wo­her das Geld da­für kom­men soll. Ge­ra­de­zu krampf­haft re­den die Da­men und Her­ren an der Wirk­lich­keit vor­bei. Oder wol­len sie ih­re Zu­hö­rer in die Ir­re füh­ren?

Als un­um­stöß­lich gilt an­schei­nend Fol­gen­des: „Da­mit ar­me Rent­ner mehr Ren­te be­kom­men kön­nen, brau­chen wir ent­we­der mehr Bei­trags­zah­ler, oder wir müs­sen die Bei­trä­ge zur Ren­te er­hö­hen. Oder bei­des. Denn die Fi­nan­zie­rung von Ren­te aus Steu­ern ist un­mög­lich. Steu­ern dür­fen nur für Pen­sio­nen ver­wen­det wer­den.“

Was für ein Blöd­sinn. Längst wer­den in Deutsch­land mun­ter Steu­ern ver­wen­det, um Renten auf­zu­sto­cken oder zu er­set­zen. Bei­spiels­wei­se im Re­gio­nal­ver­band (RV). Und das geht so: Wenn ar­me Rent­ner am­bu­lan­te oder sta­tio­nä­re Pfle­ge brau­chen, dann be­zahlt das der RV. Der be­kommt sein Geld von sei­nen Kom­mu­nen – vor al­lem von Saarbrücken.

Das Geld, das der RV ein­zieht, heißt Re­gio­nal­ver­bands­um­la­ge. Da­mit Saarbrücken die­sen Zwangs­bei­trag be­zah­len kann, muss­te die Stadt – nach ei­ge­ner Darstel­lung – 2016 die Ge­wer­be­steu­er und nun auch die Grund­steu­er er­hö­hen. Saarbrücken kas­siert al­so Steu­ern, reicht sie an den RV wei­ter, und der be­zahlt da­mit Ren­ten­er­satz­leis­tun­gen – wie die Pfle­ge von ar­men Rent­nern.

Und der Skan­dal ist: Die Steu­ern, mit de­nen der RV ar­men, kran­ken Rent­nern die Pfle­ge be­zahlt – die­se Steu­ern kom­men nicht et­wa aus den Steu­er­töp­fen des Bun­des, in de­nen die ge­wal­ti­gen Geld­strö­me aus der gro­ßen Wirt­schaft der ge­sam­ten Re­pu­blik ver­si­ckern. Nein. Die Steu­ern für die pfle­ge­be­dürf­ti­gen Rent­ner kom­men aus den Kom­mu­nen – und zum Teil so­gar aus den Porte­mon­naies von Rent­nern, die fürs Woh­nen auf 60 Qua­drat­me­tern im zehn­ten Stock Grund­steu­er be­zah­len.

Ja, was ist denn das? Ab­ge­brann­te, ver­schul­de­te Kom­mu­nen wie Saarbrücken und ih­re Rent­ner müs­sen al­so da­bei hel­fen aus­zu­glei­chen, dass Bun­des­kanz­ler Ger­hard Schrö­der (SPD) und sei­ne da­ma­li­ge rot-grü­ne Bun­des­tags­mehr­heit be­schlos­sen ha­ben, das Ren­ten­ni­veau bis ins Jahr 2030 suk­zes­si­ve auf 43 Pro­zent zu sen­ken.

Das riecht nach ei­nem ganz mie­sen Steu­er­trick.

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