Bür­ger­meis­ter ge­hen auf Dis­tanz zu Britz

Ver­wal­tungs­chefs weh­ren sich ge­gen die Plä­ne der Ober­bür­ger­meis­te­rin für ein Groß-Saarbrücken.

Saarbruecker Zeitung - - LOKALES - VON PATRIC CORDIER

FRIED­RICHS­THAL/QUIERSCHIED/ SULZ­BACH Die Saar­brü­cker Ober­bür­ger­meis­te­rin Char­lot­te Britz for­der­te in ei­nem SZ-In­ter­view, die Zahl der Land­krei­se auf drei zu re­du­zie­ren und die Stadt Saarbrücken deut­lich zu ver­grö­ßern. „Bei sin­ken­den Ein­woh­ner­zah­len brau­chen wir ef­fi­zi­en­te Struk­tu­ren“, sag­te Britz.

Mit die­sem Vor­stoß trifft die SPD-Po­li­ti­ke­rin al­ler­dings auf we­nig Zu­stim­mung. Der Sulz­ba­cher Bür­ger­meis­ter Micha­el Adam er­teilt den in der Pres­se ver­kün­de­ten Plä­nen für ein Groß-Saarbrücken er­neut ei­ne kla­re Ab­sa­ge. Die selbst­stän­di­gen Kom­mu­nen des Re­gio­nal­ver­ban­des zu Stadt­be­zir­ken der Lan­des­haupt­stadt zu ma­chen, sei nichts an­de­res als ei­ne Ab­wer­tung die­ser. „Was Britz mal wie­der vor­schlägt, ist al­ter Wein in neu­en Schläu­chen. Be­reits vor Jah­ren hat sie die­se For­de­rung er­ho­ben und wie­der­holt sie seit­her stän­dig. Doch da­durch wird das Gan­ze nicht sinn­vol­ler“, sag­te der CDU-Po­li­ti­ker Adam, „es zeigt nur, dass die Saar­brü­cker Ver­wal­tungs­che­fin die Be­deu­tung des Um­lan­des für die Men­schen to­tal ver­kennt.“Zu­dem sei­en Maß­nah­men, wie die von Britz ge­for­der­te Zu­sam­men­le­gung von Kom­mu­nen, ein Ein­griff in die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung. „Ich glau­be nicht, dass die Bür­ger der Um­land­kom­mu­nen zu ei­nem Stadt­be­zirk der Lan­des­haupt­stadt de­gra­diert wer­den wol­len“, sag­te Adam, „bes­tes Bei­spiel ist hier Dud­wei­ler. Dort sind die Fol­gen des Groß­stadt­stre­bens im­mer noch ab­les­bar. Die Wun­den sind seit 1974 nicht ver­heilt.“Seit der Stadt­be­zirk nur noch ei­nen eh­ren­amt­li­chen Be­zirks­bür­ger­meis­ter und kei­ne ei­ge­ne Ver­wal­tung hat, sei­en die Kla­gen noch lau­ter ge­wor­den.

„Klar ist, dass die Kom­mu­nen leis­tungs­stär­ker wer­den müs­sen. Der Per­so­nal­ab­bau hat in den letz­ten Jah­ren zwar zu Ein­spa­run­gen ge­führt, aber eben nicht zu Ef­fi­zi­enz­stei­ge­run­gen“, sag­te Qu­ier­schieds par­tei­lo­ser Bür­ger­meis­ter Lutz Mau­rer zu den Vor­schlä­gen von Britz, „aus die­sen Grün­den ha­ben wir uns schon im letz­ten Jahr für ei­ne in­ter­kom­mu­na­le Zu­sam­men­ar­beit mit Fried­richs­thal und Sulz­bach ent­schie­den. Ein un­ab­hän­gi­ges Be­ra­tungs­un­ter­neh­men wur­de von den drei Kom­mu­nen da­mit be­auf­tragt, sinn­vol­le Vor­schlä­ge für die Ko­ope­ra­ti­on zu er­ar­bei­ten. Ers­te Er­geb­nis­se da­zu wer­den wir im März die­ses Jah­res prä­sen­tie­ren.“

Quierschied ko­ope­rie­re be­reits mit neun an­de­ren Kom­mu­nen in den Be­rei­chen EDV und Da­ten­schutz und ha­be das Haus­halts­de­fi­zit von 3 727 560 Eu­ro im Jahr 2015 auf 1 774 007 Eu­ro (2016) re­du­zie­ren kön­nen. „Ob ei­ne so groß an­ge­leg­te Lö­sung, wie sie jetzt von Frau Britz an­ge­regt wur­de, ziel­füh­rend ist, be­zwei­fe­le ich je­doch“, be­ton­te Mau­rer, „al­lein durch das Zu­sam­men­le­gen der Kom­mu­nen im Re­gio­nal­ver­band mit Saarbrücken – im­mer­hin der am zweit­höchs­ten ver­schul­de­ten Stadt Deutsch­lands – wird kein leis­tungs­fä­hi­ges Ge­bil­de ent­ste­hen.“

Auch Britz’ Ge­nos­se Rolf Schult­heis, SPD-Bür­ger­meis­ter von Fried­richs­thal, hat we­nig Ver­ständ­nis für die Ide­en der Kol­le­gin. „Grö­ße hat doch nichts mit Ef­fi­zi­enz zu tun, das hat die Re­form von 1974 doch ge­zeigt“, sag­te Schult­heis, „ich ha­be we­nig Ver­ständ­nis da­für, die­ses The­ma in die­ser Si­tua­ti­on und zu die­ser Zeit an­zu­sto­ßen. Ob das Saar­land sich sechs Land­krei­se leis­tet oder drei, ist nicht die Ent­schei­dung der Bür­ger­meis­ter, da ist ei­ne Stu­die im Auf­trag. De­ren Er­geb­nis­se soll­te man ab­war­ten und dann auf brei­ter Ba­sis dis­ku­tie­ren.“Auch im Sin­ne sei­ner Amts­kol­le­gen mach­te Schult­heis aber klar: „Wir wol­len kei­ne An­häng­sel oder Rand­ge­bie­te sein, son­dern gleich­wer­ti­ge Part­ner – ge­ra­de wenn es dann um die Ver­tei­lung der Mit­tel geht. Die Lan­des­haupt­stadt hat ge­wis­se Auf­ga­ben und Pflich­ten, sie zu un­ter­stüt­zen ist rich­tig und in Ord­nung. Aber doch nicht auf Kos­ten al­ler an­de­ren Bür­ge­rin­nen und Bür­ger die­ses Lan­des.“

FO­TOS: IRIS MAU­RER

Micha­el Adam (CDU), Bür­ger­meis­ter von Sulz­bach.

Lutz Mau­rer (par­tei­los), Bür­ger­meis­ter von Quierschied.

Rolf Schult­heis (SPD), Bür­ger­meis­ter von Fried­richs­thal.

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