Be­frei­ung aus dem Kor­sett

Als sich „Fé­lix und Mei­ra“über den Weg lau­fen, ver­än­dert dies das Le­ben der bei­den.

Saarbruecker Zeitung - - FERNSEHEN - Fé­lix & Mei­ra, 21.50 Uhr, ARTE

(ry) Fé­lix (Mar­tin Du­breuil) ist ein 40-jähriger fran­ko­ka­na­di­scher Sing­le, der in den Tag hin­ein lebt. Von sei­nem rei­chen Va­ter ver­sto­ßen, wird er heim­lich von sei­ner Schwes­ter fi­nan­ziert.

Nach dem Tod des Va­ters trifft er in den Stra­ßen von Mon­tréal ei­ne jü­di­sche Frau mit ih­rem Kind und fragt sie in sei­ner Zi­el­lo­sig­keit, ob sie ihm et­was von Gott er­zäh­len könn­te. Mei­ra (Ha­das Ya­ron) ist ei­ne chas­si­di­sche Ehe­frau und jun­ge Mut­ter, der es un­ter­sagt ist, frem­den Män­nern in die Au­gen zu schau­en. Sie weicht Fé­lix aus, spricht aber ihr Bei­leid für den Va­ter aus. In den dar­auf­fol­gen­den Ta­gen su­chen je­doch bei­de die Nä­he des an­de­ren, und ei­ne un­schul­di­ge Freund­schaft ent­steht.

Mei­ra ist in der streng or­tho­do­xen Ge­mein­schaft un­glück­lich und kann nur heim­lich ih­re ge­lieb­te Soul-Mu­sik hören. Ihr streng­gläu­bi­ger Ehe­mann er­war­tet von ihr, die jü­di­schen Tra­di­tio­nen ein­zu­hal­ten, und sieht nicht, wie trau­rig sie ist. Bei Fé­lix kann sie Mu­sik hören, Ho­sen tra­gen und ihm ir­gend­wann auch in die Au­gen schau­en. Als ih­re Ab­trün­nig­keit be­merkt wird, wird sie zu Ver­wand­ten nach Brook­lyn ge­schickt, um wie­der ei­nen kla­ren Kopf zu be­kom­men. Statt­des­sen folgt ihr Fé­lix, und die bei­den be­gin­nen ei­ne lang­er­sehn­te Roman­ze. Wer­den sie end­lich glück­lich?

„Fé­lix und Mei­ra“ist ei­ne un­ge­wöhn­li­che Lie­bes­ge­schich­te aus Ka­na­da mit ei­nem über­ra­schen­den En­de in Ve­ne­dig. Es sind die klei­nen Mo­men­te, die den Zu­schau­er in ih­ren Bann zie­hen: Das Ge­sicht von Mei­ra, als sie das ers­te Mal in ei­ner Je­ans steckt, oder der Kon­trast der ge­ord­ne­ten jü­di­schen Ge­mein­schaft zum bun­ten Nacht­le­ben in der An­ony­mi­tät der Groß­stadt.

Für sein ein­dring­li­ches Werk konn­te der ka­na­di­sche Re­gis­seur Ma­xi­me Gi­roux beim To­ron­to Film Fes­ti­val den Preis in der Ka­te­go­rie „Best Ca­na­di­an Fea­tu­re Film“ge­win­nen. Es wur­de so­gar in Er­wä­gung ge­zo­gen, es bei den „Os­cars“ins Ren­nen um den „Bes­ten fremd­spra­chi­gen Film“zu schi­cken, doch letzt­lich wur­de ein an­de­rer Bei­trag ge­nom­men.

Gi­roux gab an, dass er wäh­rend des Drehs mehr über sei­ne Hei­mat­stadt Mon­tréal ge­lernt ha­be, in der die Hand­lung statt­fin­det. Au­ßer­dem ließ er sei­ne per­sön­li­chen Er­fah­run­gen ein­flie­ßen, schließ­lich leb­ten in sei­ner Nach­bar­schaft chas­si­di­sche Ju­den, wie es auch die Haupt­prot­ago­nis­tin in sei­nem Werk ist. Chas­si­dis­mus ist ei­ne un­ab­hän­gi­ge Be­we­gung in­ner­halb des Ju­den­tums. Im Zen­trum die­ser Idee steht vor al­lem die For­de­rung, sich an re­li­giö­se Ge­set­ze zu hal­ten, auch ein ho­her mo­ra­li­scher An­spruch wird als wich­tig an­ge­se­hen.

FOTO: ARTE

Mei­ra (Ha­das Ya­ron) ge­steht ih­rem Mann (Lu­zer Twer­s­ky), dass sie nicht mehr weiß, wer sie ist, und sich ih­rer Re­li­gi­on nicht mehr zu­ge­hö­rig fühlt. Die­ser möch­te je­doch, dass sie sich zu­sam­men­reißt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.