Ent­rüm­peln im Kin­der­zim­mer

SO KANN’S GE­HEN

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FUR SAARBRUCKEN -

Rummms! So geht’s ei­nem, wenn man nicht recht­zei­tig los­lässt. Schmerz­haft lan­de ich mit dem Steiß­bein an der Wand. Nach­dem ich mit vol­lem Kör­per­ein­satz am mit dem Estrich ver­kleb­ten Li­n­ole­um ge­zo­gen ha­be.

Ent­rüm­peln ist an­ge­sagt in den Kin­der­zim­mern. End­lich, nach­dem die Söh­ne be­reits längst aus­ge­flo­gen sind. Aus Räu­men, die ganz nach ih­ren Wün­schen ge­stal­tet wa­ren. Zum Bei­spiel mit Ta­pe­ten in Knall­gelb und Tief­blau. Da­zu ein schwarz-weiß-ka­rier­ter PVC-Fuß­bo­den. Der be­sag­tes Li­n­ole­um, das be­reits lag beim Ein­zug ins Ge­braucht­haus, ka­schier­te. Bis in die Dach­schrä­gen hin­ein dann al­les voll­ge­pappt mit Pla­ka­ten und Auf­kle­bern. Die beim Ab­zie­hen häss­li­che Spu­ren an den Mö­beln hin­ter­las­sen. Was darf weg? Te­le­fo­ni­sche Rück­spra­chen über ei­ni­ge Ent­fer­nung er­ge­ben: Ei­gent­lich al­les! Das ist ja bei dem gift­grü­nen Stroh­hut aus Mallor­ca kei­ne Fra­ge. Doch an­de­re Er­in­ne­rungs­stü­cke vom Kin­der­gar­ten­fo­to bis hin zur Gruß­kar­te ei­ner Ju­gend­freun­din he­ben wir doch lie­ber in Kis­ten auf.

Mei­ne Frau und ich sind nicht mehr so jung wie frü­her. Das mer­ken wir spä­tes­tens, wenn wir zent­ner­schwe­re Schrän­ke wuch­ten. An Mo­ti­va­ti­on fehlt’s nicht, wäh­rend wir von vor­zeig­ba­ren Gäs­te­zim­mern träu­men. Doch man ver­misst im­mer wie­der kräf­ti­ge Jungs, die einst (nach ei­ni­gem Zu­re­den) mit an­pack­ten. Ein Raum ist nun zu­min­dest leer bis auf die Ju­te­fa­sern, die es noch vom Bo­den ab­zu­krat­zen gilt. Und da gibt’s ja auch noch die­se Bal­kon­tür, die der­zeit zu tief hängt, um La­mi­nat un­ter­zu­brin­gen.

Noch ei­nem lan­gen, stra­pa­ziö­sen Wo­che­n­en­de ist jetzt zu­nächst mal Pau­se an­ge­sagt. Nun hat auch mein Steiß­bein Zeit, sich auf ei­nem ge­pols­ter­ten Bü­ro­ses­sel zu er­ho­len.

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