Wer fin­det den rich­ti­gen Weg durch den Mais?

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN - VON BAR­BA­RA SCHE­RER Auf rund 30 000 Qua­drat­me­tern bie­tet die Maisalm in Mer­zig noch bis Sep­tem­ber ei­nen Irr­gar­ten, der Jung und Alt an­lockt.

Ich bin ver­lo­ren. Rechts von mir steht Mais, links von mir steht Mais. Vor mir teilt sich der Weg, aber ich weiß nicht, ob ich nach rechts oder nach links ab­bie­gen soll. Ich über­le­ge kurz, kom­me aber zu kei­nem Er­geb­nis. Ich schaue in den ei­nen Gang hin­ein, ge­he um die Bie­gung – Sack­gas­se. Al­so muss der an­de­re Weg der rich­ti­ge sein . . . oder?

Ich bin auf der An­la­ge der Maisalm in Mer­zig am Saar­wie­sen­ring. Auf rund 30 000 Qua­drat­me­tern er­streckt sich das Feld, das Ste­fan Span­gen­ber­ger und Mi­ke Puhl­mann in die­sem Jahr zum zwei­ten Mal in ei­nen Irr­gar­ten ver­wan­delt ha­ben. Mit Er­folg: Denn ich ha­be mich zwi­schen den teil­wei­se über drei Me­ter ho­hen Pflan­zen völ­lig ver­irrt. Da­bei ist mein Ziel nicht nur, ir­gend­wann wie­der her­aus­zu­fin­den. Ich soll auch noch ins­ge­samt zehn Sta­tio­nen auf­stö­bern und mir dort ei­nen Stem­pel ab­ho­len. Die ers­te Sta­ti­on ha­be ich be­reits in ei­ner der Sack­gas­sen ent­deckt und mir ei­nen Vo­gel auf mei­ner Stem­pel­kar­te ge­si­chert.

Im­mer wie­der tref­fe ich zwi­schen­durch Be­su­cher, die das­sel­be Ziel wie ich ver­fol­gen. Da­bei hat be­son­ders die jün­ge­ren un­ter ihnen die Sam­mel­wut ge­packt. Flei­ßig su­chen sie zwi­schen den Pflan­zen nach ei­nem wei­te­ren Durch­gang, bei dem sich hin­ter ei­ner Kur­ve wo­mög­lich noch ei­ner der feh­len­den Tier­stem­pel ver­ber­gen könn­te. Teil­wei­se fra­gen mich Be­su­cher, ob ich wüss­te, wo die­ser oder je­ner Stem­pel sei. Aber helfen kann ich nicht. Denn selbst wenn ich das be­gehr­te Tier be­reits ha­be, weiß ich nicht mehr, wo ge­nau sich die­ses be­fin­det. Zu schlecht ist mei­ne Ori­en­tie­rung. Die ein­zi­gen An­halts­punk­te dar­auf, wo ich mich gera­de be­fin­de, sind die Bäu­me in der Fer­ne so­wie die Ge­räu­sche der Au­to­bahn.

Doch dann – an­de­re Ge­räu­sche. Ich mer­ke, dass ich mich der an die Maisalm an­ge­schlos­se­nen Lounge und da­mit dem Aus­gang nä­he­re. Ich bie­ge noch ein paar Mal ab und dann ha­be ich es ge­schafft. Zu­min­dest den ers­ten Teil. Denn der Irr­gar­ten ist in die­sem Jahr zwei­ge­teilt. Die Tei­lung ist ei­ne der Neue­run­gen, er­klärt Ste­fan Span­gen­ber­ger. „Die Stre­cke war teil­wei­se zu lang“, er­läu­tert er. Durch die Tren­nung be­steht nun die Mög­lich­keit, dass die Men­schen zwi­schen­durch ei­ne klei­ne Pau­se ein­le­gen kön­nen und in der Lounge et­was trin­ken kön­nen. Wer den op­ti­ma­len Weg durch den Mais fin­det, legt cir­ca 1,6 Ki­lo­me­ter zu­rück, er­läu­tert er wei­ter. Doch wer al­le Stem­pel fin­den will – oder wie ich den Weg nicht fin­det – kom­me auch schon mal auf über drei Ki­lo­me­ter.

Ich spa­re mir ei­ne län­ge­re Pau­se und be­ge­be mich di­rekt zum Ein­gang von Teil zwei. Schon hin­ter der ers­ten Bie­gung kommt mir ei­ne Grup­pe Ju­gend­li­cher ent­ge­gen. Ich fra­ge mich, ob sie mit Ab­sicht Rich­tung Ein­gang ge­hen oder ob sie sich ver­lau­fen ha­ben. Ich strei­fe durch die Pflan­zen, se­he hin und wie­der ei­ne da­von ab­ge­knickt auf dem Bo­den lie­gen. An ei­ni­gen we­ni­gen Stel­len liegt Müll, ein weg­ge­wor­fe­nes Pa­pier­ta­schen­tuch hier, ein un­ge­woll­tes Bon­bon da. Ins­ge­samt ist die An­la­ge aber noch in ei­nem gu­ten Zu­stand. Dar­auf ach­ten Span­gen­ber­ger und sei­ne Mit­ar­bei­ter be­son­ders, be­tont er: „Wir sa­gen den Leu­ten, sie sol­len kei­nen Mais ab­rei­ßen.“Man müs­se an die Men­schen ap­pel­lie­ren. Au­ßer­dem wer­de die An­la­ge je­den Mor­gen ge­säu­bert.

Jetzt gera­de bin ich nicht un­dank­bar für die klei­nen Ver­schmut­zun­gen, bie­ten sie mir doch An­halts­punk­te. An dem Pa­pier­ta­schen­tuch bin ich je­den­falls schon ein­mal vor­bei­ge­kom­men. Ich än­de­re mei­ne Rich­tung, fol­ge ei­nem lan­gen Gang mit meh­re­ren Kur­ven – und ste­he am Ein­gang. Das war so aber nicht ge­plant. Ich dre­he um und star­te mei­nen zwei­ten An­lauf. Dies­mal ver­su­che ich, mit Sys­tem vor­zu­ge­hen, und mer­ke wir, wann ich wo ab­bie­ge. „Ist da ein Stem­pel?“, fragt mich ein Kind und zeigt auf den Gang, aus dem ich gera­de kom­me. An­schei­nend wir­ke ich mitt­ler­wei­le so, als wür­de ich mich hier aus­ken­nen. Al­ler­dings zu­cke ich nur die Schul­tern.

Ich bie­ge ab und be­mer­ke, dass ei­ne Grup­pe Ju­gend­li­cher den glei­chen Weg nimmt. „Folgt mir nicht, ich weiß doch selbst nicht, was ich tue“, den­ke ich bei mir. Er­neut zwei­gen meh­re­re We­ge ab. Ich ge­he nach rechts – um meh­re­re Kur­ven. Plötz­lich ste­he ich wie­der am Aus­gangs­punkt. Der Weg hat mich ein­fach nur ein­mal im Kreis ge­führt. Al­so geht es wo­an­ders wei­ter.

Mitt­ler­wei­le bin ich fast ei­ne St­un­de un­ter­wegs und ha­be die meis­ten Stem­pel ge­fun­den. Und ich bin in ei­nem Be­reich, in dem ich bis­her noch nicht war. Zu­min­dest kommt es mir so vor. Aber dies­mal ist mein Ge­fühl rich­tig. We­ni­ge Me­ter wei­ter und ich ha­be den Irr­gar­ten ver­las­sen – und die­ses Mal so­gar am Aus­gang.

Die 60 Mi­nu­ten, die ich dort ver­bracht ha­be, soll­te man laut Span­gen­ber­ger für ei­nen Be­such im­mer ein­pla­nen. Man­che sei­en schnel­ler, an­de­re bräuch­ten län­ger – gera­de dann, wenn al­le Stem­pel ge­sucht wür­den. Ins­ge­samt stuft er den Par­cours als leicht ein. Er hät­te ihn ger­ne et­was kom­pli­zier­ter ge­stal­tet, sein Part­ner Puhl­mann woll­te ei­ne leich­te­re Stre­cken­füh­rung. „Wir ha­ben uns dann in der Mit­te ge­trof­fen“, schmun­zelt er. Ent­wor­fen ha­ben die bei­den die An­la­ge selbst. Wer im ver­gan­ge­nen Jahr be­reits auf der Maisalm war, hat die­ses Jahr üb­ri­gens kei­ner­lei Vor­tei­le: Der Par­cours ist neu.

Pro­duk­ti­on die­ser Sei­te: Bar­ba­ra Sche­rer Ed­mund Sel­zer

FO­TOS: ROLF RUPPENTHAL

Be­reits zum zwei­ten Mal lockt die Maisalm mit ih­ren ver­schlun­ge­nen We­gen und ei­ner ge­müt­li­chen Lounge am Fluss­ufer rät­sel­lus­ti­ge Be­su­cher je­den Al­ters an.

Bei den Hor­ror­näch­ten lau­ern gru­se­li­ge Ge­stal­ten im Mais.

Ste­fan Span­gen­ber­ger ist ei­ner der Be­trei­ber der An­la­ge.

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