Rot-Grün ver­liert Mehr­heit in Nie­der­sach­sen

Ei­ne Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­te wech­selt zur CDU und stürzt die Re­gie­rung in die Kri­se.

Saarbruecker Zeitung - - NEWS -

(dpa) Als die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te El­ke Twes­ten in Han­no­ver vor die Mi­kro­fo­ne tritt, ist sie sich ih­rer Sa­che si­cher. Sie ha­be ih­ren Aus­tritt bei den Grü­nen er­klärt, ein Schritt der ihr nicht leicht fal­le, sagt die 54-Jäh­ri­ge am Frei­tag. „Ich se­he mei­ne po­li­ti­sche Zu­kunft in der CDU“, fährt sie mit ru­hi­ger Stim­me fort. Selbst­be­wusst wirkt die Frau, die so­eben ei­ne Re­gie­rungs­kri­se aus­ge­löst hat.

Mit Twes­tens Wech­sel ist die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung nach mehr als vier Jah­ren ih­re Ein-Stim­men-Mehr­heit los. Die CDU/FDP-Op­po­si­ti­on könn­te ver­su­chen, an die Macht zu kom­men. Statt der in fünf Mo­na­ten an­ste­hen­den Land­tags­wahl müs­sen die Nie­der­sach­sen nun wohl frü­her an die Ur­nen. Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) re­agiert er­bost. „Wenn ei­ne Ab­ge­ord­ne­te aus aus­schließ­lich ei­gen­nüt­zi­gen Grün­den die Frak­ti­on wech­selt und da­mit die von den Wäh­lern ge­woll­te Mehr­heit ver­än­dert, hal­te ich das für un­säg­lich und für sehr schäd­lich für die De­mo­kra­tie.“Tritt er nun zu­rück? Nein, sagt Weil: „Ich stel­le mich je­der­zeit ger­ne dem Wäh­ler­wil­len. Aber ich wer­de ei­ner In­tri­ge nicht wei­chen.“Sein Plä­doy­er: ei­ne Selbst­auf­lö­sung des Par­la­ments und dann ei­ne schnel­le Neu­wahl.

Für die Po­li­ti­ke­rin Twes­ten, Ab­ge­ord­ne­te seit 2008, brach­te der Streit um ih­ren Lis­ten­platz „das Fass zum Über­lau­fen“– so sagt sie es. Die Grü­nen hat­ten an ih­rer Stel­le im Früh­som­mer ei­ne neue Di­rekt­kan­di­da­tin im Wahl­kreis Ro­ten­burg auf­ge­stellt. Ein Grund da­für war mög­li­cher­wei­se, dass Twes­ten sich in den Au­gen et­li­cher Grü­ner zu of­fen für ei­ne Ko­ali­ti­on mit der CDU ge­zeigt hat­te. Twes­ten spricht selbst von ei­nem „län­ge­ren Ent­frem­dungs­pro­zess“.

Doch was be­deu­tet das Nie­der­sach­sen-De­ba­kel für die Bun­des­par­tei­en? Die CDU er­eilt die un­ver­hoff­te Steil­vor­la­ge noch halb im Som­mer­mo­dus. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ist noch im Ur­laub. Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber twit­ter­te hä­misch: „Jetzt auch in Nie­der­sach­sen: #schulz­ef­fekt.“Ge­nau wie für die Grü­nen kommt das Ma­nö­ver für die SPD ma­xi­mal un­ge­le­gen. Schulz tut sich im Wahl­kampf oh­ne­hin schon ex­trem schwer. Twes­tens Ver­hal­ten sei „nicht nur Ver­rat an den Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern, son­dern auch Ver­rat an Rot-Grün“, pos­tet Schulz bei Face­book. Und SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tär Hu­ber­tus Heil schimpft in die Ka­me­ras: „Es ist ein Skan­dal, dass die CDU in Nie­der­sach­sen die­ses schmut­zi­ge In­tri­gen­spiel mit­macht und ver­sucht, dar­aus po­li­ti­sches Ka­pi­tal zu schla­gen.“

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