Das Pa­tent­re­zept für ein lan­ges Le­ben

Die meis­ten Men­schen kön­nen oh­ne grö­ße­re Ge­sund­heits­pro­ble­me ein ho­hes Al­ter er­rei­chen. For­scher der Max-PlanckGe­sell­schaft er­klä­ren, wie das mög­lich ist. Es ist er­staun­lich ein­fach.

Saarbruecker Zeitung - - SPORT -

ROS­TOCK

(byl) Die Le­bens­er­war­tung in Deutsch­land steigt. Nach Hoch­rech­nun­gen von De­mo­gra­fieFor­schern der Uni Ros­tock kön­nen El­tern je­des zwei­ten Neu­ge­bo­re­nen da­mit rech­nen, dass ih­re Nach­kom­men 100 Jah­re alt wer­den. Dass die Zahl der Hun­dert­jäh­ri­gen zu­nimmt, hän­ge vor al­lem mit der sin­ken­den Sterb­lich­keit ab dem 80. Le­bens­jahr zu­sam­men. Au­ßer­dem be­gin­ne der Al­te­rungs­pro­zess heu­te bei vie­len Men­schen spä­ter als im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert.

Und die­sen Pro­zess kann je­der Mensch steu­ern, er­gänzt nun das Max-Planck-In­sti­tut für de­mo­gra­fi­sche Forschung. Men­schen, die nicht rau­chen, auf ihr Ge­wicht ach­ten und nur mä­ßig Al­ko­hol trin­ken, ha­ben ei­ne um sie­ben Jah­re hö­he­re Le­bens­er­war­tung als der Durch­schnitt. Und sie le­ben nicht nur län­ger, son­dern auch bes­ser. Sie ha­ben auch die Chan­ce, die meis­ten der ge­won­ne­nen Jah­re in gu­ter ge­sund­heit­li­cher Ver­fas­sung zu ver­brin­gen, lau­tet das Er­geb­nis ei­ner Un­ter­su­chung des In­sti­tuts. Die For­scher wer­te­ten Da­ten von 14 000 US-Bür­gern aus. Es sei das ers­te Mal ge­we­sen, dass Aus­wir­kun­gen al­ler wich­ti­gen Fak­to­ren des Le­bens­wan­dels auf die Le­bens­er­war­tung un­ter­sucht wor­den sei­en, er­klärt das In­sti­tut.

An den Zel­len un­se­res Kör­pers geht der Stress, den un­ge­sun­de Le­bens­ge­wohn­hei­ten zur Fol­ge ha­ben, nicht spur­los vor­über. Das zeigt sich zum Bei­spiel beim Über­ge­wicht und beim Rau­chen, er­klä­ren Mik­ko Myrs­ky­lä, Di­rek­tor des Max-Planck-In­sti­tuts für de­mo­gra­fi­sche Forschung, und Neil Meh­ta, Pro­fes­sor an der US-Uni­ver­si­tät Mi­chi­gan. Sie kom­men in ih­rer Da­ten­ana­ly­se zum Er­geb­nis, dass Men­schen, die nie rauch­ten und nie über­ge­wich­tig wa­ren, mit vier bis fünf zu­sätz­li­chen Le­bens­jah­ren bei gu­ter Gesundheit rech­nen kön­nen. Wer dar­über hin­aus auch beim Al­ko­hol vor­sich­tig war, le­be sie­ben Jah­re län­ger als der Durch­schnitt. Wenn al­le drei Fak­to­ren zu­sam­men­kom­men, über­tref­fe die sta­tis­ti­sche Le­bens­er­war­tung so­gar die der Men­schen in Ja­pan, ein Land, das als welt­weit als Vor­bild gilt. Die For­scher un­ter­such­ten auch, wie sich die drei Ri­si­ko­fak­to­ren Über­ge­wicht, Al­ko­hol und Rau­chen aufs Le­bens­en­de aus­wir­ken. Rau­chern sa­gen sie ei­nen frü­hen Tod vor­aus, aber nicht un­be­dingt jah­re­lan­ges Lei­den. Beim Über­ge­wicht sei das an­ders. Wer zu dick sei, müs­se mit lan­ge wäh­ren­den kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen rech­nen. Auch über­mä­ßi­ger Al­ko­hol­kon­sum ver­kür­ze nicht nur das Le­ben, son­dern re­du­zie­re auch die Zahl der ge­sun­den Jah­re. Am auf­fäl­ligs­ten sei in der Sta­tis­tik der Un­ter­schied zwi­schen den Me­thu­sa­lems und den Kurz­le­bi­gen ge­we­sen. Män­ner, die nie Über­ge­wicht hat­ten, nie rauch­ten und nur mä­ßig tran­ken, leb­ten im Schnitt elf Jah­re län­ger als die Ver­tre­ter ih­res Ge­schlechts, die ein Le­ben lang al­le War­nun­gen der Me­di­zi­ner in den Wind ge­schla­gen ha­ben.

Bei Frauen ha­be der Un­ter­schied zwi­schen die­sen bei­den Grup­pen so­gar zwölf Jah­ren be­tra­gen. Die For­scher ver­wen­de­ten Da­ten ei­ner Lang­zeit­stu­die aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten (He­alth and Re­ti­re­ment Stu­dy), an der über 14 000 Personen im Al­ter zwi­schen 50 und 89 Jah­ren teil­nah­men. Sie wur­den von 1998 bis 2012 al­le zwei Jah­re be­fragt. Wer ei­nen Body-Mass-In­dex un­ter 30 hat­te, wur­de als nicht über­ge­wich­tig ein­ge­stuft.

Wer im Le­ben we­ni­ger als 100 Zi­ga­ret­ten ge­raucht hat­te, galt als Nicht­rau­cher. Män­ner, die we­ni­ger als 14 al­ko­ho­li­sche Ge­trän­ke pro Wo­che tran­ken, gal­ten als mo­de­ra­te Trin­ker. Bei Frauen war die­se Schwel­le halb so hoch an­ge­setzt. „Ver­bes­se­run­gen in der Me­di­zin wer­den oft als der Schlüs­sel für ge­sün­de­res und län­ge­res Le­ben ge­se­hen. Wir ha­ben ge­zeigt, dass ein ge­sun­der Le­bens­stil, der nichts kos­tet, aus­reicht, um sich ei­nes sehr lan­gen und ge­sun­den Le­bens er­freu­en zu kön­nen“, er­klärt Mik­ko Myrs­ky­lä.

„Ein ge­sun­der Le­bens­stil reicht aus,

um sich ei­nes sehr lan­gen und ge­sun­den Le­bens er­freu­en zu

kön­nen.“Mik­ko Myrs­ky­lä, Max-Planck-In­sti­tut für

De­mo­gra­fi­sche Forschung

FO­TO: FÜSSEL/DPA

Je­des zwei­te Ba­by, das heu­te ge­bo­ren wird, hat sta­tis­tisch ge­se­hen gu­te Chan­cen, ein Al­ter von 100 Jah­ren zu er­rei­chen.

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