Wer von den Klei­nen hat die Na­se vorn?

Lind­ner, Wei­del, Wa­genk­necht, Öz­de­mir: Al­le wol­len Op­po­si­ti­ons­füh­rer sein. Am En­de kann es so­gar Schulz wer­den. Ei­ni­ges hängt nach dem Wahl­sonn­tag da­von ab, wer die Bron­ze­me­dail­le ge­winnt.

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BER­LIN (dpa) Kommt es bei der Re­gie­rungs­bil­dung nach dem 24. Sep­tem­ber auf die Klei­nen an? Das kann gut sein. Zum Bei­spiel wenn die SPD-Ba­sis im Fall ei­nes schlech­ten Er­geb­nis­ses ge­nug hat von gro­ßer Ko­ali­ti­on und die So­zi­al­de­mo­kra­ten sich in der Op­po­si­ti­on neu zu fin­den ver­su­chen. Auf ein schwarz-gelb-grü­nes Ja­mai­ka­bünd­nis könn­te An­ge­la Mer­kel nach dem Stand der Um­fra­gen rech­ne­risch wohl ei­ne neue Kanz­ler­schaft stüt­zen, auch wenn FDP und Grü­nen das ein Graus wä­re. Man­che Wahl­for­scher se­hen so­gar Schwar­zGelb und Schwarz-Grün als greif­bar an. An­de­re hal­ten auch ei­ne noch un­vor­her­seh­ba­re Dy­na­mik in den letz­ten Ta­gen vor der Wahl für mög­lich und ein ganz an­de­res Er­geb­nis als es die Um­fra­gen jetzt na­he­le­gen. Doch wie schnei­den die Klei­nen ab – wer macht das Ren­nen um Platz drei hin­ter Uni­on und SPD?

Auch im Fall ei­ner Neu­auf­la­ge von Schwarz-Rot kommt es auf Platz drei an. Es ist nicht nur von sym­bo­li­scher Be­deu­tung, wer Op­po­si­ti­ons­füh­rer wird. So ant­wor­tet der Op­po­si­ti­ons­füh­rer et­wa nach ei­ner Re­gie­rungs­er­klä­rung di­rekt auf die Kanz­le­rin. Wer wird Frak­ti­ons­che­fin oder -chef der größ­ten Op­po­si­ti­ons­frak­ti­on? Ein­mal an­ge­nom­men, die al­te Kanz­le­rin wird auch die neue – und die SPD re­giert nicht wei­ter mit. Wird dann Mar­tin Schulz SPD-Frak­ti­ons­chef? Oder viel­leicht je­mand wie Ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les? Und FDPChef Chris­ti­an Lind­ner Vi­ze­kanz­ler oder FDP-Vi­ze Wolf­gang Ku­bi­cki?

Im Fall von Schwarz-Rot auch nach die­ser Wahl könn­te ei­ner der Spit­zen­li­be­ra­len sonst der Re­gie­rung an vor­ders­ter Front Pa­ro­li bie­ten. Die Um­fra­gen ge­ben die Po­le Po­si­ti­on für die Lind­ner­trup­pe her. Aber si­cher ist da nichts. Eben­so gut könn­te die AfD stärks­te klei­ne Par­tei wer­den – dann könn­ten Alex­an­der Gau­land oder Ali­ce Wei­del die pro­mi­nen­tes­ten Re­de­plät­ze nach der Re­gie­rung im Plenum be­kom­men.

Platz drei für die AfD? „Für uns wä­re das ei­ne rie­sen­gro­ße Ge­nug­tu­ung, weil wir dann den Auf­trag un­se­rer Pro­test­wäh­ler im Bun­des­tag noch bes­ser er­fül­len könn­ten“, sagt Par­tei­spre­cher Chris­ti­an Lüth. Er be­tont, sei­ne Par­tei wol­le die Pos­ten und Pri­vi­le­gi­en, die dem Op­po­si­ti­ons­füh­rer tra­di­tio­nell zu­ge­stan­den wer­den, in je­dem Fall für sich be­an­spru­chen.

Un­be­dingt ver­hin­dern will das die Lin­ke – der drit­te hei­ße An­wär­ter auf Platz drei. Par­tei­che­fin Kat­ja Kip­ping un­ter­mau­er­te das Wahl­ziel, den drit­ten Platz zu be­haup­ten, nun mit dem Ar­gu­ment, es dro­he ein wei­te­rer Rechts­ruck, wenn die AfD die Bron­ze­me­dail­le be­kom­me. Sah­ra Wa­genk­necht oder Diet­mar Bartsch als Spit­zen­kräf­te der Op­po­si­ti­on – das Bild kennt man von der zu­rück­lie­gen­den Wahl­pe­ri­ode be­reits. Ei­ne Stim­me für so­zia­le Ge­rech­tig­keit – und ei­ne lin­ke Al­ter­na­ti­ve zu al­len an­de­ren Par­tei­en will die Par­tei sein.

Nach den Um­fra­gen da­ge­gen we­nig wahr­schein­lich scheint ei­ne Wo­che vor der Wahl ei­ne grü­ne Op­po­si­ti­ons­füh­rer­schaft. Im Wahl­auf­ruf dis­tan­zie­ren sich die Grü­nen von den Li­be­ra­len – so weit es ir­gend geht. Die Grü­nen stel­len mit Win­fried Kret­sch­mann im Süd­wes­ten ei­nen be­lieb­ten Mi­nis­ter­prä­si­den­ten, ha­ben schon vor Jah­ren ihr Kern­the­ma Um­welt pro­gram­ma­tisch mit Wirt­schaft und So­zia­lem ver­knüpft und sind vor al­lem an die SPD und die Lin­ken, aber auch an die Uni­on an­schluss­fä­hig. Im Fi­na­le wol­len sie jetzt ver­stärkt SPD-Wech­sel­wäh­ler zu sich zie­hen, die nicht mehr an Schulz als Kanz­ler Schulz glau­ben.

FO­TOS (4): DPA

Die­se Kan­di­da­ten kämp­fen mit ih­ren Par­tei­en um Rang drei im Bun­des­tag – mit un­glei­chen Start­be­din­gun­gen: Sah­ra Wa­genk­necht (Lin­ke), Cem Öz­de­mir (Grü­ne), Chris­ti­an Lind­ner (FDP) und Ali­ce Wei­del (AfD).

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