Nord­ko­rea schießt er­neut Ra­ke­te Rich­tung Ja­pan

Saarbruecker Zeitung - - Politik - VON DIRK GODDER UND LARS NICOLAYSEN

SEOUL/TO­KIO (dpa) Nach der Ver­schär­fung der UN-Sank­tio­nen hat Nord­ko­rea er­neut ei­ne Ra­ke­te über Ja­pan hin­weg­ge­feu­ert. Die Ra­ke­te flog nach An­ga­ben des süd­ko­rea­ni­schen Mi­li­tärs nach dem Start am Frei­tag­mor­gen na­he der Haupt­stadt Pjöng­jang 3700 Ki­lo­me­ter weit – die bis­her größ­te Flug­dis­tanz beim Test ei­ner mi­li­tä­ri­schen Ra­ke­te des Lan­des. Der Flug­kör­per stürz­te nach dem Flug über die nörd­li­che ja­pa­ni­sche In­sel Hok­kai­do in den Pa­zi­fik. Nach ers­ten An­ga­ben des US-Pa­zi­fik­kom­man­dos han­del­te es sich um ei­ne Mit­tel­stre­cken­ra­ke­te, wie sie Nord­ko­rea be­reits En­de Ju­li über Ja­pan hin­weg­ge­schos­sen hat­te.

Mit dem Test macht Nord­ko­rea nach Mei­nung von Be­ob­ach­tern deut­lich, dass das Land trotz des wach­sen­den in­ter­na­tio­na­len Drucks im ver­schärf­ten Kon­flikt um sein Atom- und Ra­ke­ten­pro­gramm nicht nach­ge­ben will. Der UN-Si­cher­heits­rat woll­te sich in New York noch am Frei­tag in ei­ner Dring­lich­keits­sit­zung mit dem neu­en Waf­fen­test be­ra­ten.

UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär An­tó­nio Gu­ter­res ver­ur­teil­te den Test scharf und rief die nord­ko­rea­ni­sche Füh­rung auf, sich an die UN-Re­so­lu­tio­nen zu hal­ten und zu ehr­li­chem Dia­log über Abrüs­tung zu­rück­zu­keh­ren.

Die USA, Ja­pan und Süd­ko­rea re­agier­ten em­pört und war­fen der Füh­rung in Pjöng­jang ei­ne er­neu­te Be­dro­hung der Nach­bar­län­der vor. Süd­ko­reas Streit­kräf­te re­agier­ten mit ei­ner ei­ge­nen Ra­ke­ten­übung, bei der bal­lis­ti­sche Ra­ke­ten ins Ja­pa­ni­sche Meer ge­schos­sen wur­den. Prä­si­dent Moon Jae In warn­te zu Be­ginn ei­ner Sit­zung des Na­tio­na­len Si­cher­heits­rats, ein Dia­log mit der Füh­rung in Pjöng­jang sei in der jet­zi­gen Si­tua­ti­on nicht mög­lich.

„Das ist das zwei­te Mal bin­nen we­ni­ger Wo­chen, dass mit Ja­pan ein Ver­trags­part­ner der USA di­rekt be­droht wur­de“, hieß es in ei­ner Mit­tei­lung von US-Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son. „Die­se fort­ge­setz­ten Pro­vo­ka­tio­nen füh­ren da­zu, dass Nord­ko­reas di­plo­ma­ti­sche und wirt­schaft­li­che Iso­la­ti­on nur noch ver­tieft wird.“

Erst ver­gan­ge­nen Mon­tag hat­te der UN-Si­cher­heits­rat den sechs­ten und bis­her größ­ten Atom­test Nord­ko­reas vom 3. Sep­tem­ber mit neu­en Sank­tio­nen be­straft, oh­ne dass die­se je­doch ein von den USA ur­sprüng­lich ge­for­der­tes Ölem­bar­go um­fas­sen. Nord­ko­rea hat­te nach ei­ge­nen An­ga­ben ei­ne Was­ser­stoff­bom­be ge­tes­tet, mit der In­ter­kon­ti­nen­tal­ra­ke­ten be­stückt wer­den sol­len.

Die neue UN-Re­so­lu­ti­on sieht ei­ne De­cke­lung von Öl­lie­fe­run­gen an das Land und den Ver­bot von Tex­ti­l­ex­por­ten vor. Pjöng­jang er­klär­te, den Sank­ti­ons­be­schluss ka­te­go­risch ab­zu­leh­nen und von sei­nen Waf­fen­pro­gram­men nicht ab­rü­cken zu wol­len.

Auch Chi­na und Russ­land ver­ur­teil­ten Nord­ko­rea für den neu­en Ra­ke­ten­test. Wäh­rend Pe­king al­le Par­tei­en zur Zu­rück­hal­tung auf­rief, warn­te Kreml­spre­cher Dmi­tri Pes­kow, dies füh­re zu ei­ner wei­te­ren Es­ka­la­ti­on. Au­ßen­amts­spre­che­rin Ma­ria Sacha­ro­wa be­kräf­tig­te der Agen­tur In­ter­fax zu­fol­ge, der Test sei nicht hin­nehm­bar. Zugleich warf sie den USA ei­ne ag­gres­si­ve Rhe­to­rik im Nord­ko­rea-Kon­flikt vor.

Til­ler­son for­der­te Chi­na und Russ­land auf, ih­rer­seits Maß­nah­men zu er­grei­fen. „Chi­na lie­fert Nord­ko­rea den größ­ten Teil ih­res Öls“, schrieb Til­ler­son. „Russ­land ist der größ­te Ar­beit­ge­ber für nord­ko­rea­ni­sche Zwangs­ar­bei­ter.“

Ja­pans Re­gie­rungs­chef Shin­zo Abe ver­ur­teil­te den Ra­ke­ten­start als „un­ge­heu­er­li­che“Hand­lung, die nicht to­le­riert wer­den kön­ne. Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el äu­ßer­te sich eben­falls zu dem er­neu­ten Af­front aus Pjöng­jang: „Das Re­gime in Pjöng­jang führt uns er­neut vor Au­gen, dass es ei­ne erns­te Be­dro­hung für den Welt­frie­den dar­stellt“, sag­te er am Frei­tag in Ber­lin. „Die­ser Be­dro­hung müs­sen wir uns als Welt­ge­mein­schaft ent­schlos­sen und ein­deu­tig ent­ge­gen­stel­len und ge­mein­sam den Druck auf das Re­gime in Nord­ko­rea er­hö­hen.“

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