Ver­treibt die Rü­pel — lasst die Bett­ler

Der Plan, das Bet­teln zu ver­bie­ten ist ein al­ter Hut — ein mie­ser Trick. Er soll da­von ab­len­ken, dass bei der Po­li­zei jah­re­lang gna­den­los am Per­so­nal ge­spart wur­de.

Saarbruecker Zeitung - - Zeitung für saarbrücken -

Ja, was ist denn das? Saarbrücken will in der Ci­ty das Bet­teln ver­bie­ten – weil Rü­pel in der Fuß­gän­ger­zo­ne ag­gres­siv auf Pas­san­ten zu­ge­hen und sie um Geld an­hau­en. Ja ver­bie­ten wir jetzt auch das Fuß­ball­spie­len, weil ei­ni­ge Rü­pel vor und nach den Spie­len in der Ci­ty ma­ro­die­ren? Ver­bie­ten wir das Al­ko­hol­trin­ken, weil be­sof­fe­ne Rü­pel in der Bahn­hof­stra­ße die Ton­nen des ZKE an­zün­den und den Müll in der Ge­gend rum­wer­fen? Ver­bie­ten wir das Au­to­fah­ren in der Ci­ty, weil im­mer wie­der Ir­re wie be­scheu­ert durch die Dud­wei­ler­stra­ße bret­tern und das Le­ben von Fuß­gän­gern be­dro­hen? Nein. Ob­wohl – wenn ich‘s mir recht über­le­ge: Mich stört es ja auch, wenn ich in der Bahn­hof­stra­ße wort­reich an­ge­bet­telt wer­de, weil Wild­frem­de bei der Bun­des­tags­wahl – oder bei der Ober­bür­ger­meis­te­rin­nen­wahl – mei­ne Stim­me ha­ben wol­len. Viel­leicht ist das mit dem Bet­tel­ver­bot doch gar nicht so schlecht. An­de­rer­seits ha­ben wir ge­ra­de in Saarbrücken schon fest­stel­len müs­sen: Bett­ler kön­nen auch sehr nütz­lich sein. Schon zwei­mal ha­ben Bett­ler in der Saar­brü­cker Ci­ty Men­schen vor Ge­walt­ver­bre­chern ge­ret­tet. Das ers­te Mal im März 2000. Da wur­de nachts ein Mann (51) vor ei­ner Kn­ei­pe na­he der Bahn­hof­stra­ße von ei­nem an­de­ren (31) bru­tal zu­sam­men­ge­schla­gen. Zum Glück kam ein Bett­ler (41) vor­bei, sah, was los war und bug­sier­te den Schlä­ger vom Op­fer weg. Das zwei­te Mal war im Mai 2001. Zwei Schlä­ger (19 und 20) tra­ten an der Jo­han­nes­kir­che auf ihr Op­fer (33) ein. Zum Glück kam ein Bett­ler (34) vor­bei, sah, was los war und ver­jag­te die Ge­walt­tä­ter. Der da­ma­li­ge Po­li­zei­pres­se­spre­cher Klaus Sieg­ler sag­te, Män­ner wie der Ret­ter von der Jo­han­nes­kir­che wür­den be­kannt­lich oft „Pen­ner“ge­nannt. Hier ha­be sich al­ler­dings ge­zeigt, dass sol­che „Pen­ner“oft mehr Zi­vil­cou­ra­ge ha­ben als „nor­ma­le“Bür­ger – „die in sol­chen Fäl­len eher weg­se­hen“. Weg­se­hen könn­ten üb­ri­gens auch al­le, die den An­blick ei­nes Bett­lers nicht er­tra­gen. Aber man­chen Leu­ten ist ja heu­te schon das Weg­se­hen zu an­stren­gend. Al­so will die Stadt die Bett­ler ver­ban­nen. Bes­ser wär‘s, sie wür­de mehr Po­li­zis­ten auf die Stra­ße brin­gen, die al­len Ar­ten von Rü­peln auf die Fin­ger klop­fen oder Platz­ver­wei­se durch­set­zen. Da wür­den sich al­le Pas­san­ten gleich viel si­che­rer füh­len und noch lie­ber bei uns ein­kau­fen. Ein Bet­tel­ver­bot sieht eher wie ein wür­de­lo­ses Ar­muts­zeug­nis aus — Mot­to: Wir ver­ban­nen die Bett­ler, dann denkt je­der wir tun was, aber heim­lich spa­ren wir wei­ter die Po­li­zei ka­putt.

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