Kran­ken­ver­si­che­run­gen könn­ten Bei­trag sen­ken

Die Kran­ken­kas­senBei­trä­ge kön­nen im nächs­ten Jahr um 0,1 Pro­zent­punk­te sin­ken. Die­se Ex­per­ten-Pro­gno­se ist nicht un­um­strit­ten.

Saarbruecker Zeitung - - Erste seite - Pro­duk­ti­on die­ser Sei­te: Lothar War­scheid Tho­mas Spon­ti­c­cia, Bar­ba­ra Sche­rer

Die Bei­trags­sät­ze der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen könn­ten im kom­men­den Jahr leicht um 0,1 Pro­zent­punk­te sin­ken. Die­se Emp­feh­lung gab ges­tern ei­ne Ex­per­ten­run­de ab. Das letz­te Wort ha­ben al­ler­dings die Kas­sen.

BER­LIN/SAAR­BRÜ­CKEN (dpa/SZ) Re­kord­be­schäf­ti­gung und gu­te Kon­junk­tur be­sche­ren den Bei­trags­zah­lern im kom­men­den Jahr vor­aus­sicht­lich ei­ne Ent­las­tung bei der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um und Bun­des­ver­si­che­rungs­amt ge­hen da­von aus, dass der Zu­satz­bei­trag von der­zeit 1,1 Pro­zent auf 1,0 Pro­zent re­du­ziert wer­den kann.

Die Kran­ken­kas­sen er­war­ten zwar hö­he­re Aus­ga­ben und sind des­we­gen ge­gen ei­ne Re­du­zie­rung. Da­mit wur­de in dem zu­stän­di­gen Schät­zer­kreis, dem al­le drei Sei­ten an­ge­hö­ren, ges­tern kein Ein­ver­neh­men er­zielt. Doch letzt­lich legt das Mi­nis­te­ri­um den Zu­satz­bei­trag fest. Die­se Ent­schei­dung soll bis 1. No­vem­ber fal­len. Wenn es ihn wie er­war­tet senkt, re­du­ziert sich der Ge­samt­bei­trag für die 54 Mil­lio­nen Kas­sen­mit­glie­der im Schnitt von 15,7 Pro­zent auf 15,6 Pro­zent vom Brut­to­lohn. Al­ler­dings ist dies ein Durch­schnitts­wert. Ein­zel­ne Kas­sen kön­nen dar­un­ter oder dar­über lie­gen. Bei der Orts­kran­ken­kas­se Rhein­land-Pfalz/ Saar­land liegt der Zu­satz­bei­trag der­zeit bei den für 2017 emp­foh­le­nen 1,1 Pro­zent. Ob und wie er sich im kom­men­den Jahr ver­än­dert, „ent­schei­det der Ver­wal­tungs­rat im De­zem­ber“, so ei­ne Kas­sen­spre­che­rin. Die Saar­brü­cker In­nungs­kran­ken­kas­se IKK Süd­west er­hebt ei­nen Zu­satz­bei­trag von 1,5 Pro­zent. Bei der IKK hat der Ver­wal­tungs­rat be­reits ent­schie­den, dass die­ser Bei­trags­satz auch im Jahr 2018 gel­ten wird, sag­te ein Spre­cher auf An­fra­ge.

Ein­ver­nehm­lich geht der Schät­zer­kreis von Ein­nah­men des Ge­sund­heits­fonds im lau­fen­den Jahr von 216 und im kom­men­den Jahr von 222,2 Mil­li­ar­den Eu­ro aus. Der Fonds ist die Geld­sam­mel- und -ver­teil­stel­le für die Kran­ken­kas­sen. Bei den Aus­ga­ben er­war­ten Mi­nis­te­ri­um und Ver­si­che­rungs­amt für die­ses Jahr 226,4 und für das kom­men­de Jahr 236,2 Mil­li­ar­den Eu­ro, die Kran­ken­kas­sen da­ge­gen 227,2 und 237,3 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Der sta­bi­le Bei­trag ist vor al­lem auf die an­hal­tend gu­te Be­schäf­ti­gungs­la­ge zu­rück­zu­füh­ren. Zu­dem hat­te Ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) den Kran­ken­kas­sen im Wahl­jahr 2017 zu­sätz­li­che 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro aus der Re­ser­ve des Ge­sund­heits­fonds zu­kom­men las­sen. Mit­te des Jah­res wa­ren die Fi­nanz­re­ser­ven der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen auf rund 17,5 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­stie­gen. So­mit wur­de im ers­ten Halb­jahr 2017 fast schon der Über­schuss des Ge­samt­jahrs 2016 von 1,62 Mil­li­ar­den Eu­ro er­reicht. Im Ge­sund­heits­fonds, über den die Gel­der an die ein­zel­nen Kas­sen ver­teilt wer­den, be­fan­den sich En­de 2016 rund 9,1 Mil­li­ar­den Eu­ro. Die­se Re­ser­ve dürf­te aber in­zwi­schen klei­ner ge­wor­den sein.

Seit 2015 zah­len Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer je zur Hälf­te ei­nen fes­ten Bei­trags­satz von 14,6 Pro­zent. Den Zu­satz­bei­trag von der­zeit 1,1 Pro­zent zah­len die Ar­beit­neh­mer al­lei­ne.

Die Be­triebs­kran­ken­kas­sen (BKK) ha­ben die ge­plan­te Sen­kung des durch­schnitt­li­chen Zu­satz­bei­trags kri­ti­siert. Vie­len Ver­si­cher­ten wür­den fi­nan­zi­el­le Spiel­räu­me zur Bei­trags­sen­kung vor­ge­gau­kelt, die in der Pra­xis bei den al­ler­meis­ten Kran­ken­kas­sen nicht vor­han­den sei­en, er­klär­te der Vor­stand des BKK-Dach­ver­bands, Franz Knieps.

Die Vor­stands­vor­sit­zen­de des GKV-Spit­zen­ver­ban­des, Do­ris Pfeif­fer, er­klär­te: „Die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung be­fin­det sich in ei­nem gu­ten Pro­zess der fi­nan­zi­el­len Sta­bi­li­sie­rung. Trotz­dem lie­gen die Rück­la­gen der Kran­ken­kas­sen ins­ge­samt un­ter ei­ner Mo­nats­aus­ga­be. Des­halb wä­re es rich­tig, den Sta­bi­li­sie­rungs­pro­zess der ver­gan­ge­nen Jah­re fort­zu­set­zen.“

FO­TO: SCHULZ//KEYSTONE

Die ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cher­ten müs­sen im nächs­ten Jahr nicht die bit­te­re Pil­le ei­ner Bei­trags-Er­hö­hung schlu­cken.

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