Vie­le To­te durch Pest in Ma­da­gas­kar

Ent­ge­gen sei­nes schlech­ten Rufs un­ter Gärt­nern hat Moos viel zu bie­ten: Es kann Flä­chen im Gar­ten grö­ßer er­schei­nen las­sen, er­zeugt ein gu­tes Klein­kli­ma und sei­ne grü­ne Far­be soll sich po­si­tiv aufs Ge­müt aus­wir­ken.

Saarbruecker Zeitung - - Erste seite - VON DO­RO­THÉE WAECHTER

Min­des­tens 50 Men­schen in Ma­da­gas­kar sind der Pest be­reits zum Op­fer ge­fal­len. Rund 450 wei­te­re sind dar­an er­krankt. Die Ge­fahr ist groß, dass sich die ge­fähr­li­che Epi­de­mie auf das afri­ka­ni­sche Fest­land aus­brei­ten könn­te.

(dpa) Moos zählt nicht zu den ty­pi­schen Lieb­lings­ge­wäch­sen. Auf dem ei­ge­nen Grund­stück ist es vie­len Hob­by­gärt­nern re­gel­recht ein Dorn im Auge. Doch schaut man mal nicht zwi­schen die Gras­bü­schel im Ra­sen, hin­ter Ter­ra­kot­ta-Töp­fe und auf die St­ein­plat­ten im Schat­ten, ent­deckt man ganz neue Sei­ten der grü­nen, wei­chen Pols­ter.

„Moos hat ein tie­fes, wohl­tu­en­des Grün und er­zeugt ein gu­tes Klein­kli­ma“, er­klärt der Na­tur­schutz­bio­lo­ge Micha­el Alt­moos, Be­trei­ber des Mu­se­ums „Na­he der Na­tur“in Staudernheim. Es sei qua­si ei­ne Kli­ma­an­la­ge. In Ja­pan hat Moos au­ßer­dem seit Jahr­hun­der­ten sei­nen fes­ten ge­stal­te­ri­schen Platz im Gar­ten, er­gänzt Wolf­gang Hess, Lei­ter des Zen-Klos­ters in Lie­benau na­he Han­no­ver. „Moos wird in der ja­pa­ni­schen Gar­ten­tra­di­ti­on viel­fach als Bo­den­de­cker ver­wen­det.“Die­se grü­nen Flä­chen er­schwe­ren dem Auge ei­nen Grö­ßen­ver­gleich. Das ist ge­ra­de in der Gestal­tung von Gär­ten in der ja­pa­ni­schen Tra­di­ti­on nütz­lich, da hier auf kleins­tem Raum gan­ze Land­schaf­ten auf­ge­baut wer­den. Die grü­ne Far­be hat noch ei­nen wei­te­ren Nut­zen: Es spre­che Men­schen in­stink­tiv po­si­tiv an, er­läu­tert Wolf­gang Hess.

Moo­se trock­nen leicht aus. Hess er­klärt, dass sie zum Hal­ten nur über wur­zel­ar­ti­ge Struk­tu­ren ver­fü­gen. Die Ver­sor­gung mit Was­ser und Nähr­stof­fen kann aber über die Luft statt­fin­den. „Vie­le Moo­se wach­sen da­her im Schat­ten, wo die Luft­feuch­tig­keit na­tür­lich hoch ist“, er­klärt Alt­moos, der ei­nen 500 Qua­drat­me­ter gro­ßen Moos­gar­ten im Na­tur­schutz-Mu­se­um pflegt. Es gibt auch Ar­ten, die in der Son­ne wach­sen. Die­se eig­nen sich al­ler­dings nicht für den hei­mi­schen Gar­ten.

Vor­aus­set­zung für die An­la­ge ei­nes Moos­gar­tens ist ei­ne freie Flä­che oh­ne Kon­kur­renz­pflan­zen wie Un­kräu­ter. Um die­se zu ver­hin­dern, be­nutzt Hess ei­ne Auf­la­ge, de­ren Haupt­be­stand­tei­le Be­ton und Torf sind. Wäh­rend der Be­ton ab­dich­tet und die Mo­del­lie­rung hält, sorgt der Torf da­für, dass Was­ser ver­si­ckert und gleich­zei­tig ge­spei­chert wer­den kann. Dar­über wird noch­mals ei­ne fünf bis sie­ben Zen­ti­me­ter ho­he Torf­schicht aus­ge­brei­tet. Dar­auf kommt dann das Moos. Laut Hess wirkt die­ses Ver­fah­ren bes­ser als ei­ne Vlies­de­cke, die Un­kräu­ter ver­drän­gen soll.

Alt­moos hat hin­ge­gen die Er­fah­rung ge­macht, dass die Pflan­zen die meis­te Kon­kur­renz von al­lei­ne ver­drän­gen. So ver­zich­tet er auf die Be­ton­schicht. „Nur Sau­er­klee oder Far­ne, die stö­ren, müs­sen ab und

„Moos darf nicht oh­ne Er­laub­nis ei­nes Förs­ters im Wald ge­sam­melt wer­den.“

Wolf­gang Hess

Lei­ter des Zen-Klos­ters in Lie­benau

an mal ent­fernt wer­den.“Aus ge­stal­te­ri­schen Aspek­ten rät der Na­tur­schüt­zer trotz­dem da­zu, man­ches zier­li­che Farn ste­hen zu las­sen.

Moos als Kul­tur­pflan­ze gibt es nur in Spe­zi­al­be­trie­ben zu kau­fen. In vie­len Gär­ten gibt es aber Moos, das sich um­sie­deln lässt. „Braucht man grö­ße­re Men­gen, kann man beim Förs­ter um Er­laub­nis bit­ten, im Wald et­was zu ho­len“, er­läu­tert der Lei­ter des Zen-Klos­ters. Da Moo­se ge­schützt sind, dür­fen sie nicht ein­fach aus dem Wald ge­sam­melt wer­den. „Wenn man die Er­laub­nis hat, nimmt man von ver­schie­de­nen Stel­len ein we­nig weg und ach­tet da­bei dar­auf, dass im­mer et­was ste­hen bleibt“, er­klärt Hess. Alt­moos er­gänzt, dass die Pflan­zen ein­fach nur fest an den Un­ter­grund an­ge­drückt wer­den müs­sen. Das um­ge­sie­del­te Moos wird sich dann rasch durch Spo­ren aus­brei­ten.

In sei­nem The­men­gar­ten kul­ti­viert Ex­per­te Alt­moos 23 ver­schie­de­ne Ar­ten, in der di­rek­ten Um­ge­bung kom­men so­gar über 80 Va­ri­an­ten vor. „Die gän­gigs­ten Ar­ten sind Frau­en­haar­moos und Kat­ha­ri­nen­moos“, er­läu­tert Hess. Auch Zot­tel-, Farn- und Moor­moos emp­fiehlt er Hob­by­gärt­nern zum An­bau im ei­ge­nen Gar­ten. Es kommt bei­den Ex­per­ten aber nicht so sehr auf die Ar­ten in der Ver­wen­dung an. Viel wich­ti­ger fin­den sie den krea­ti­ven Um­gang mit den fla­chen, grü­nen Pflan­zen.

FO­TO: NA­HE DER NA­TUR-MU­SE­UM/DPA

Zu den gän­gigs­ten Moo­sar­ten für die Kul­tur im Gar­ten zählt Frau­en­haar­moos.

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