Gif­ti­ge Wort­wech­sel und Zoff in der Par­tei­füh­rung

Ei­ne Atta­cke von Os­kar La­fon­tai­ne auf die Lin­ken-Spit­ze sorgt für Streit. Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Mat­thi­as Höhn könn­te es das Amt kos­ten.

Saarbruecker Zeitung - - Themen Des Tages - VON STE­FAN VETTER Pro­duk­ti­on die­ser Sei­te: Gerrit Dauelsberg, Rob­by Lo­renz Ste­pha­nie Schwarz

Drei Wo­chen nach der Bun­des­tags­wahl ist die Link­s­par­tei tief zer­strit­ten. Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Mat­thi­as Höhn dürf­te des­halb sei­nen Pos­ten räu­men. Auch die Klau­sur­ta­gung der neu­en Bun­des­tags­frak­ti­on in der kom­men­den Wo­che birgt reich­lich Zünd­stoff für die künf­ti­ge Auf­stel­lung der Lin­ken.

Kat­ja Kip­ping tat so, als sei nichts ge­we­sen: „Ich möch­te wei­ter mit Mat­thi­as Höhn als BGF zu­sam­men­ar­bei­ten“, ver­brei­te­te die Lin­ken-Vor­sit­zen­de am Mitt­woch per Twit­ter. Die Re­ak­ti­on kam prompt: „Glaubst du ei­gent­lich sel­ber, was du schreibst? Kannst du noch in den Spie­gel schau­en?“, gif­te­te die nicht mehr im Bun­des­tag ver­tre­te­ne Lin­ken-Po­li­ti­ke­rin Ha­li­na Wa­wzy­ni­ak. „Leu­te los­wer­den ist doch ei­ne Dei­ner Stär­ken“, schob sie nach.

Der ver­ba­le Aus­bruch kenn­zeich­net den ak­tu­el­len Zu­stand der Par­tei: Al­te Feind­schaf­ten, die im Bun­des­tags­wahl­kampf mehr oder min­der müh­sam un­ter der De­cke ge­hal­ten wur­den, bre­chen wie­der neu auf. So konn­te Wa­wzy­ni­ak nie ver­win­den, dass sie in ei­nem vor drei Jah­ren auf­ge­tauch­ten Pa­pier aus Kip­pings Bü­ro als Teil ei­ner per­so­nal­po­li­ti­schen „Res­te-Ram­pe“ver­un­glimpft wur­de. Höhn wie­der­um gilt als en­ger Ver­trau­ter von Frak­ti­ons­chef Diet­mar Bartsch. Die Co-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Sah­ra Wa­genk­necht und Bartsch wa­ren die bei­den Spit­zen­kan­di­da­ten der Par­tei im Wahl­kampf. Auch Kip­ping hät­te ei­ne sol­che Rol­le gern ge­habt, konn­te sich aber nicht durch­set­zen.

Der ak­tu­el­le Zwist um Höhn hat­te sich an ei­ner Face­book-Bot­schaft von Ex-Par­tei­chef Os­kar La­fon­tai­ne ent­zün­det. Dar­in warf der Saar­län­der Kip­ping und de­ren Co-Chef Bernd Ri­ex­in­ger vor, kei­ne Zug­kraft zu ent­fal­ten. Zu­dem hät­ten sie sich nie mit den bei­den Spit­zen­kan­di­da­ten ab­fin­den wol­len. Wor­auf Kip­ping und Ri­ex­in­ger ih­rer­seits Höhn vor­war­fen, sie nicht ge­gen La­fon­tai­nes An­grif­fe ver­tei­digt zu ha­ben. Und dass Höhn die star­ke Aus­rich­tung auf das Spit­zen­duo im Wahl­kampf mit­ge­tra­gen ha­be. Sze­nen ei­ner po­li­ti­schen Zer­rüt­tung. Nach ei­nem Vor­stand­be­schluss vom De­zem­ber 2016 soll­te es al­ler­dings tat­säch­lich ein vier­köp­fi­ges Spit­zen­team auch un­ter Ein­schluss Kip­pings und Ri­ex­in­gers ge­ben. Dass dar­aus prak­tisch nichts wur­de, hat­ten die bei­den wäh­rend des Wahl­kampfs noch still­schwei­gend hin­ge­nom­men.

Dem Ver­neh­men nach wird Höhn auf kei­nen Fall er­neut für den Pos­ten des Bun­des­ge­schäfts­füh­rers kan­di­die­ren. Der nächs­te re­gu­lä­re Wahl­par­tei­tag der Lin­ken ist erst im Ju­ni 2018, und nach dem of­fe­nen Zer­würf­nis mit den Par­tei­spit­zen gilt es als schwer vor­stell­bar, dass Höhn bis da­hin noch im Amt bleibt. Ei­ne Ent­schei­dung dar­über könn­te vom Ver­lauf der Klau­sur­ta­gung der Links­frak­ti­on ab­hän­gen, die am kom­men­den Di­ens­tag in Pots­dam be­ginnt. Als Bun­des­tags-Neu­ling nimmt auch Höhn dar­an teil. Bei den Be­ra­tun­gen wer­den har­te Aus­ein­an­der­set­zun­gen über die in­ter­ne Macht­aus­rich­tung er­war­tet. Zwar ist die Wie­der­wahl von Wa­genk­necht und Bartsch als Frak­ti­ons­chefs ge­si­chert. Bei den neun Stell­ver­tre­ter­pos­ten und dem Amt des Par­la­men­ta­ri­schen Ge­schäfts­füh­rers sieht die Sa­che je­doch an­ders aus. Bis­lang wird die Frak­ti­on struk­tu­rell klar vom lin­ken Wa­genk­necht-Flü­gel und den Re­for­mern um Bartsch do­mi­niert. An­de­re Strö­mun­gen, dar­un­ter ei­ne eher re­form­ori­en­tier­te Grup­pe um Kip­ping se­hen sich da­bei zu kurz ge­kom­men. Über­dies ist rund ein Drit­tel der lin­ken Par­la­men­ta­ri­er neu und lässt sich zum Teil nur schwer den bei­den Haupt­strö­mun­gen zu­ord­nen.

Ein Spit­zen-Lin­ker ist sich dann auch si­cher: „Bei der Neu­wahl der Frak­ti­ons­füh­rung wird kaum ein St­ein auf dem an­de­ren blei­ben.“

FO­TO: HANSCH­KE/JUTRCZENKA/DPA

Ei­ne Face­book-Bot­schaft des Ex-Par­tei­chefs Os­kar La­fon­tai­ne ent­zün­de­te den Zwist um Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Mat­thi­as Höhn.

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