Meis­te­rin im Er­zäh­len düs­te­rer Zu­kunfts­sze­na­ri­en

Am Sonn­tag wird die ka­na­di­sche Au­to­rin Mar­ga­ret At­wood mit dem Frie­dens­preis des Deut­schen Buch­han­dels ge­ehrt.

Saarbruecker Zeitung - - Kultur -

die mensch­li­che Ge­sell­schaft oft in düs­te­ren Far­ben und gilt da­her als „Meis­te­rin der Dys­to­pie“. At­wood zei­ge po­li­ti­sches Ge­spür und ei­ne Hell­hö­rig­keit für ge­fähr­li­che un­ter­schwel­li­ge Ent­wick­lun­gen und Strö­mun­gen in der Ge­sell­schaft, heißt es in der Be­grün­dung der Ju­ry.

Ei­nes ih­rer be­kann­tes­ten Bü­cher ist der 1985 er­schie­ne Best­sel­ler „Der Re­port der Magd“(The Hand­maid‘s Ta­le), den sie 1984 in West­ber­lin ge­schrie­ben hat. Er spielt in der na­hen Zu­kunft, in der ei­ne to­ta­li­tä­re re­li­giö­se Män­ner-Grup­pie­rung die Macht in den USA über­nom­men hat. In dem Über­wa­chungs­staat wer­den Frau­en un­ter­drückt und als Ge­bär­ma­schi­nen be­nutzt. Kurz nach der Wahl Do­nald Trumps zum US-Prä­si­den­ten stieg der mehr als 30 Jah­re al­te Ro­man er­neut in die Best­sel­ler­lis­ten. Vie­le Ame­ri­ka­ner be­fürch­ten, dass in ei­nem ge­sell­schaft­li­chen Kli­ma, in dem Hass und Ex­tre­mis­mus an­stei­gen, Frei­heits­rech­te in Ge­fahr sind. „Ich hät­te nie ge­dacht, dass es ein­mal so schlimm kommt“, sagt die Au­to­rin. „Trump ist ei­ne Witz­fi­gur, die wir Li­be­ra­len viel zu lan­ge nicht ernst ge­nom­men ha­ben“, sagt At­wood, die auch in den so­zia­len Netz­wer­ken ak­tiv ist und auf Twit­ter mehr als 1,75 Mil­lio­nen Fol­lo­wer hat.

Das Buch wur­de vor kur­zem als In­ter­net-TV-Se­rie ver­filmt und ist seit April in den USA zu se­hen. Im Sep­tem­ber wur­de die Li­te­ra­tur­ver­fil­mung gleich mit fünf Em­mys, dem wich­tigs­ten Fern­seh­preis, aus­ge­zeich­net. Seit 4. Ok­to­ber ist die Se­rie auch in Deutsch­land auf En­ter­tain TV zu se­hen.

Auch Kli­ma­wan­del, die Ver­schmut­zung der Welt­mee­re, Bür­ger­krie­ge und die Flücht­lings­kri­sen be­rei­ten At­wood gro­ße Sor­gen. Ih­re Bü­cher be­zeich­net sie als „spe­ku­la­ti­ve Fik­ti­on“. „Ich schrei­be Bü­cher, weil ich den­ke, es könn­te so kom­men,“er­zählt die Au­to­rin, die auch als An­wär­te­rin für den Li­te­ra­tur­no­bel­preis galt. Sie wehrt sich ge­gen Kri­tik, ihr Buch „Re­port der Magd“sei an­ti-re­li­gi­ös. Sie wol­le le­dig­lich zei­gen, dass Re­li­gi­on auch miss­braucht wer­den kön­ne, be­tont At­wood im­mer wie­der, die sich als „strik­te Agnos­ti­ke­rin“be­zeich­net.

Auch ihr neu­es­ter Ro­man „Das Herz kommt zu­letzt“be­schäf­tigt sich mit post-de­mo­kra­ti­schen Struk­tu­ren und der mensch­li­chen Sehn­sucht nach ei­ner hei­len Welt. Trotz al­ler Welt­un­ter­gangs­sze­na­ri­en sei sie ei­ne Op­ti­mis­tin ge­blie­ben, sagt At­wood, die mit dem Schrift­stel­ler Gra­e­me Gib­son ver­hei­ra­tet ist und ei­ne Toch­ter hat.

Ein wei­te­res Werk da­ge­gen bleibt noch fast 100 Jah­re un­ter Ver­schluss: Das Ma­nu­skript ih­res Ro­mans „Scribb­ler Moon“, hat sie dem nor­we­gi­schen Fu­ture Li­bra­ry Pro­ject über­ge­ben. Es wird erst im Jahr 2114 ver­öf­fent­licht.

FO­TO: EPD

Mar­ga­ret At­wood

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