Til Schwei­ger soll vor Saar­brü­cker Ge­richt

Der Schau­spie­ler ver­öf­fent­lich­te die pri­va­te Nach­richt ei­ner Sulz­ba­che­rin auf Face­book. Nun wehrt sich die Frau da­ge­gen.

Saarbruecker Zeitung - - Erste seite - Pro­duk­ti­on die­ser Sei­te: Jo­han­nes Schleu­ning, No­ra Ernst Diet­mar Klos­ter­mann VON LI­SA KUTTERUF

„Sie woll­ten doch Deutsch­land ver­las­sen. War­um lö­sen Sie Ihr Ver­spre­chen nicht end­lich ein?“, hat ei­ne Sulz­ba­che­rin kurz nach der Bun­des­tags­wahl in ei­ner pri­va­ten Face­book-Nach­richt an Til Schwei­ger ge­schrie­ben. Hin­ter­grund: Vor der Wahl soll der deut­sche Schau­spie­ler und Re­gis­seur an­ge­kün­digt ha­ben, das Land zu ver­las­sen, falls die AfD in den Bun­des­tag ein­zieht. Schwei­ger ant­wor­te­te: „Hey Schnuf­fi…! Date!? Nur wir bei­de?!“und ver­öf­fent­lich­te den Nach­rich­ten­ver­lauf auf sei­nem Face­book-Pro­fil.

Dar­auf­hin stell­te die Frau ei­nen An­trag auf einst­wei­li­ge Ver­fü­gung am Land­ge­richt Saar­brü­cken: Sie will, dass Schwei­ger den Bei­trag löscht. Am kom­men­den Frei­tag, 17. No­vem­ber, um 12 Uhr ver­han­delt die 4. Zi­vil­kam­mer im Saal 218 des Land­ge­richts Saar­brü­cken über die An­ge­le­gen­heit. So­wohl Schwei­ger als auch die Sulz­ba­che­rin müs­sen zu dem Ter­min er­schei­nen.

Bei der Ver­hand­lung geht es aus­schließ­lich um die Ver­öf­fent­li­chung der Nach­richt und nicht um de­ren In­halt, wie Ge­richts­spre­cher Si­gurd Wern der Saar­brü­cker Zei­tung mit­teil­te. Das be­stä­tig­te auch der An­walt der Frau. Die An­trag­stel­le­rin se­he in der Ver­öf­fent­li­chung der pri­vat ver­sen­de­ten Nach­richt ihr Per­sön­lich­keits­recht ver­letzt, denn au­ßer der Nach­richt an sich ist auch der vol­le Na­me und das Face­book-Pro­fil­bild der Frau zu er­ken­nen.

Laut Wern ha­ben bis­her we­der Schwei­ger noch sei­ne An­wäl­te auf die An­ord­nung re­agiert. Soll­ten sie nicht zur Ver­hand­lung er­schei­nen, ent­schei­det das Ge­richt nach der Rechts­la­ge – oh­ne die Sicht des Schau­spie­lers an­ge­hört zu ha­ben. „Ge­ge­be­nen­falls droht dann ein Ord­nungs­geld für Schwei­ger“, sagt Wern. Til Schwei­ger war für ei­ne Stel­lung­nah­me ges­tern nicht zu er­rei­chen.

2729 Per­so­nen ge­fällt der Face­book-Ein­trag von Schwei­ger, 53 sind wü­tend dar­über (Stand 14. No­vem­ber). Ei­ni­ge Fans ver­ur­tei­len Schwei­gers Ak­ti­on. „Die Fil­me fin­de ich klas­se, kei­ne Fra­ge. Aber pri­va­te Nach­rich­ten öf­fent­lich dar­zu­stel­len geht gar nicht. Tut mir Leid“, kom­men­tier­te ei­ne Frau. An­de­re Kom­men­ta­to­ren finden Schwei­gers Vor­ge­hen gut: „Ge­hört viel öf­ter ge­macht“, schrieb ein an­de­rer Nut­zer.

Til Schwei­ger ist für sei­ne Sprü­che bei Face­book be­kannt. Häu­fig eckt er da­mit an und häu­fig schei­nen sei­ne Aus­sa­gen un­über­legt zu sein. Das gibt der Schau­spie­ler auch selbst zu. „Das Zi­tat, das ich ge­pos­tet ha­be, klingt schlüs­sig, aber wenn man wei­ter nach­denkt (nicht im­mer mei­ne Stär­ke), hakt es auch!“, schrieb er am 26. Sep­tem­ber über ei­nen sei­ner an­de­ren Bei­trä­ge.

Die Vor­lie­be für das Tei­len pri­va­ter Nach­rich­ten­ver­läu­fe scheint sich in den letz­ten Wo­chen so­gar ver­fes­tigt ha­ben. Nach der Nach­richt der Sulz­ba­che­rin mach­te er fünf wei­te­re Pri­vat­nach­rich­ten pu­blik – wie­der mit den Na­men und Pro­fil­bil­dern der Nach­rich­ten­schrei­ber. Dar­un­ter sind Nach­rich­ten von Fans, aber auch wü­ten­de Zei­len.

Es scheint, als sei das Ver­öf­fent­li­chen sol­cher Nach­rich­ten­ver­läu­fe Schwei­gers neue Stra­te­gie, den Nörg­lern und Hass­kom­men­ta­ren im Netz zu be­geg­nen. Dies legt un­ter an­de­rem ein Bei­trag über Ste­fa­nie Her­tel na­he, den Schwei­ger eben­falls auf sei­ner Sei­te ver­linkt hat: Da­rin gibt die Schla­ger­sän­ge­rin al­len, die nör­geln, ei­nen Denk­an­stoß: „Dis­ku­tie­ren ist ja im­mer gut, aber der ers­te Schritt zur Ve­rän­de­rung ist: Auf­hö­ren zu Jam­mern! Die ei­ge­ne Ein­stel­lung muss doch nicht der Maß­stab für an­de­re sein.“

QU­EL­LE: FACE­BOOK

Der Post, der Schwei­ger vors Land­ge­richt brin­gen soll.

FOTO: TO­BI­AS HA­SE/DPA

Til Schwei­ger

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.