Die Kon­junk­tur in Deutsch­land läuft wei­ter rund

Noch ist ein En­de der Boom­pha­se nicht ab­zu­se­hen. Man­che Ex­per­ten war­nen vor ei­ner Über­hit­zung, weil die Fer­ti­gung an ih­re Gren­zen stößt.

Saarbruecker Zeitung - - Wirtschaft - VON FRIE­DE­RI­KE MARX

Deut­sche Pro­duk­te sind

nach wie vor ge­fragt.

WIESBADEN (dpa) Die deut­sche Wirt­schaft läuft auf Hoch­tou­ren und glänzt mit ei­nem un­er­war­tet kräf­ti­gen Wachs­tum im drit­ten Quar­tal. Um 0,8 Pro­zent stieg das Brut­to­in­lands­pro­dukt ge­gen­über dem Vor­quar­tal. Zahl­rei­che Öko­no­men hat­ten zu­letzt ih­re Kon­junk­tur­pro­gno­sen für Eu­ro­pas größ­te Volks­wirt­schaft an­ge­ho­ben, man­che leg­ten nun noch ein­mal nach. Was spricht für ei­ne Fort­set­zung des Booms, was da­ge­gen? Zu­nächst die Chan­cen.

Kon­sum: Die La­ge auf dem Ar­beits­markt ist his­to­risch gut, Spa­ren wirft we­gen der Nied­rig­zin­sen im Eu­ro­raum kaum noch et­was ab. Das schiebt den Kon­sum an. Zu­letzt gab es al­ler­dings ei­nen klei­nen Knick. Im Zei­t­raum Ju­li bis Sep­tem­ber sta­gnier­ten Kon­sum­aus­ga­ben in et­wa auf dem Ni­veau des Vor­quar­tals. Die Stim­mung der Ver­brau­cher trüb­te sich nach Be­fra­gun­gen der Kon­sum­for­schung GfK vor al­lem we­gen der Preis­ent­wick­lung leicht ein. Ins­be­son­de­re Nah­rungs­mit­tel sind teu­rer ge­wor­den. Mit ei­nem Ein­bruch des pri­va­ten Kon­sums rech­nen Öko­no­men je­doch nicht. „Der star­ke Ar­beits­markt zu­sam­men mit ei­ner nied­ri­gen In­fla­ti­on und hö­he­ren Löh­nen sind wei­te­re Ga­ran­ten für künf­ti­ges Wachs­tum“, so ING-Di­ba-Chef­volks­wirt Cars­ten Br­ze­ski.

Er­ho­lung der Welt­wirt­schaft: Die ex­port­ori­en­tier­te deut­sche Wirt­schaft pro­fi­tiert von der Er­ho­lung der glo­ba­len Kon­junk­tur, die die Nach­fra­ge nach „Ma­de in Ger­ma­ny“an­kur­belt. In den ers­ten neun Mo­na­ten gin­gen Wa­ren im Wert von 954,7 Mil­li­ar­den Eu­ro ins Aus­land, das wa­ren 6,3 Pro­zent mehr als im Vor­jah­res­zeit­raum.

Sta­bi­li­sie­rung der Eu­ro­zo­ne: Der ge­mein­sa­me Wäh­rungs­raum hat nach Ein­schät­zung des IWF sei­ne Kri­se weit­ge­hend über­wun­den. Die Zu­stim­mung zur Wäh­rungs­uni­on sei in den Mit­glieds­län­dern auf Re­kord­ni­veau, sag­te IWF-Eu­ropa­di­rek­tor Poul Thom­sen jüngst. „Und das, ob­wohl noch vor we­ni­gen Jah­ren pu­re Exis­tenz­angst herrsch­te.“Eu­ro­pa ins­ge­samt wird nach Ein­schät­zung des IWF im­mer mehr zur Zug­ma­schi­ne der Welt­wirt­schaft. Lo­cke­re Geld­po­li­tik: Eu­ro­pas größ­te Volks­wirt­schaft pro­fi­tiert von der Null­zins­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB). Ver­brau­cher und Un­ter­neh­men kom­men bil­li­ger an Geld. Das stärkt die Be­reit­schaft, zu in­ves­tie­ren. Zwar ha­ben die Wäh­rungs­hü­ter den Ein­stieg aus dem Aus­stieg ih­rer mil­li­ar­den­schwe­ren An­lei­he­käu­fe ein­ge­lei­tet, die Zin­sen sol­len aber lan­ge noch über das En­de des Kauf­pro­gramms hin­aus nied­rig blei­ben, wie EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi im­mer wie­der be­tont. Und hier die Ri­si­ken.

Über­hit­zung: Die „Wirt­schafts­wei­sen“se­hen an­ge­sichts des un­ge­wöhn­lich lan­gen Auf­schwungs die Ge­fahr, dass die Kon­junk­tur heiß läuft. Die deut­sche Wirt­schaft be­fin­de sich in ei­ner Übe­r­aus­las­tung, warnt das Be­ra­ter­gre­mi­um der Bun­des­re­gie­rung. Fol­ge kön­nen Eng­päs­se bei der Pro­duk­ti­on sein, wenn Un­ter­neh­men bei wei­ter stei­gen­den Auf­trä­gen nicht schnell ge­nug mit den nö­ti­gen In­ves­ti­tio­nen nach­kom­men oder kei­ne Ar­beits­kräf­te mehr finden – zum Bei­spiel in der Bau­bran­che.

Eu­ro­stär­ke: In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten hat­te der Eu­ro an Stär­ke ge­won­nen. Wa­ren „Ma­de in Ger­ma­ny“wer­den da­durch au­ßer­halb des ge­mein­sa­men Wäh­rungs­rau­mes ten­den­zi­ell teu­rer, das kann die Nach­fra­ge dämp­fen.

Han­dels­bar­rie­ren: US-Prä­si­dent Do­nald Trump steht Frei­han­del kri­tisch ge­gen­über, zu­letzt ver­häng­ten die USA Straf­zöl­le ge­gen Flug­zeu­g­im­por­te des Nach­barn Ka­na­da. Zwi­schen der EU und den USA gibt es Streit um Stahl­im­por­te. Ein Dorn im Au­ge sind dem Re­pu­bli­ka­ner auch Deutsch­lands Über­schüs­se im Han­del mit den USA.

Im­mo­bi­li­en­bla­se: Güns­ti­ge Hy­po­the­ken­kre­di­te fa­chen die Im­mo­bi­li­en­nach­fra­ge an. Vom Bau­boom pro­fi­tiert die deut­sche Wirt­schaft ins­ge­samt, zu­gleich stei­gen al­ler­dings die Prei­se für Wohn­im­mo­bi­li­en zum Teil ex­trem. Das gilt vor al­lem für Berlin, Düs­sel­dorf, Frank­furt am Main, Ham­burg, Köln, München und Stuttgart. Die Ge­fahr ei­ner Im­mo­bi­li­en­bla­se sa­hen die amt­li­chen Gut­ach­ter­aus­schüs­se zu­letzt aber noch nicht.

FOTO: CHA­RI­SI­US/DPA

Wenn die Welt­wirt­schaft brummt, kann die deut­sche Wirt­schaft we­gen ih­rer Ex­port­stär­ke punk­ten. Dies stößt auch auf Kri­tik – un­ter an­de­rem in den USA. Un­ser Bild zeigt Con­tai­ner im Ham­bur­ger Ha­fen.

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