„Al­le se­hen, dass uns ir­gend­wann die Schei­ße um die Oh­ren fliegt“

„Mr. Dax“Dirk Mül­ler er­klärt, wie­so die Kri­se un­aus­weich­lich ist und wel­che Op­tio­nen sie bie­tet.

Sachwert Magazin - - Geldpolitik -

Wenn uns die Fi­nanz­kri­se 2007/2008 ei­nes ge­lehrt hat, dann das al­les mit al­lem zu­sam­men­hängt. Fällt ein Do­mi­no­stein, fal­len auch die an­de­ren. Und das es ex­tremst schwer ist, die­se Ket­ten­re­ak­ti­on zu stop­pen. Bis heu­te hat sich dar­an kaum et­was ge­än­dert. Seit dem Cha­os vor rund zehn Jah­ren steu­ern die Zen­tral­ban­ken die Wirt­schaft und un­se­re Ge­sell­schaft. Ma­ni­pu­lie­ren seit Jah­ren die Märk­te mit kos­ten­lo­sem Geld. Und sor­gen da­mit für Fehl­ent­wick­lun­gen und Bla­sen. Jetzt geht die Angst um, dass sich ei­ni­ge Trends um­keh­ren. Und da­mit die ge­fähr­li­che Ab­wärts­spi­ra­le wie­der in Gang ge­setzt wird. Bei­spiels­wei­se an den Ak­ti­en­märk­ten, wo die Kur­se seit Jah­ren von ei­nem Re­kord zum nächs­ten ja­gen. An­ge­feu­ert von Bil­lio­nen, die zu­sätz­lich in den Wirt­schafts­kreis ge­flos­sen sind. Und aus Man­gel an Al­ter­na­ti­ven im­mer wie­der in Ak­ti­en in­ves­tiert wur­den. Wir ha­ben mit dem Bör­sen­gu­ru und Buch­au­tor Dirk Mül­ler ge­spro­chen und ihn zur Si­tua­ti­on an den Märk­ten be­fragt. Da­bei her­aus­ge­kom­men ist, dass sich der­zeit ein ganz ge­fähr­li­cher Cock­tail zu­sam­men­braut, der je­der­zeit ei­nen Bör­sen­crash aus­lö­sen kann. Herr Mül­ler, ha­ben wir ei­ne Bör­sen­bla­se?

Ge­ra­de mit dem Be­griff „Bla­se“tue ich mich ein we­nig schwer. Ich se­he der­zeit ei­ne ex­trem ge­fähr­li­che Si­tua­ti­on. Wir in der letz­ten und fi­na­len fünf­ten Wel­le seit 2009, was die Kon­junk­tur und auch die Ak­ti­en­märk­te an­geht. Er­fah­rungs­ge­mäß sind die­se gro­ßen und letz­ten „Fün­ferWel­len“be­son­ders aus­la­dend und sie lau­fen auch ger­ne be­son­ders heiß. Von da­her kann es an den Ak­ti­en­märk­ten noch ein­mal deut­lich nach oben ge­hen. Beim DAX in Rich­tung 14.000 oder mög­li­cher­wei­se 15.000 Punk­ten. Aber die Märk­te

kön­nen auch je­der­zeit ein­bre­chen. Dar­auf muss man vor­be­rei­tet sein. Es kann je­den Mo­ment vor­bei sein und dann ganz hef­tig nach un­ten rau­schen. Wenn die­se letz­te Wel­le durch ist, be­kom­men wir ei­ne sehr star­ke und lang­jäh­ri­ge Ab­wärts­be­we­gung, die durch­aus ex­trem sein kann. Mo­men­tan se­hen wir die Warn­zei­chen auf ganz vie­len Ebe­nen. Bei­spiels­wei­se bei den ganz gro­ßen ame­ri­ka­ni­schen Ban­ken, die eben­falls In­di­ka­to­ren ha­ben, die dar­auf hin­deu­ten, dass wir uns in die­ser fi­na­len Be­we­gung be­fin­den und dem­nächst ei­ne mas­si­ve Kor­rek­tur be­vor­steht. Und da­bei re­den wir dann nicht von zehn oder fünf­zehn Pro­zent Kor­rek­tur­po­ten­zi­al, son­dern von ei­ner nach­hal­ti­gen Ab­wärts­be­we­gung. Au­ßer­dem ha­ben wir die Wirt­schafts­no­bel­preis­trä­ger, die vor der nächs­ten Fi­nanz­kri­se war­nen. Kurz­um, die Warn­zei­chen sind da. Im Mo­ment ha­ben wir noch ei­nen Auf­schwung und die Vo­la­ti­li­tät, al­so die Schwan­kungs­an­fäl­lig­keit ist sehr nied­rig und da­mit die Sorg­lo­sig­keit groß. Noch ist al­les im gelb­grü­nen Be­reich. Aber man muss je­der­zeit da­mit rech­nen, dass das Gan­ze ganz bru­tal und hef­tig in sich zu­sam­men­bricht.

Er­staun­lich ist für vie­le die Ver­fas­sung der ame­ri­ka­ni­schen Bör­sen. An­le­ger hat­te gro­ße Hoff­nung in Do­nald Trump und sei­ne Re­for­men und Kon­junk­tur­pro­gram­me ge­setzt. Bis­lang hat der Us-prä­si­dent aber we­nig Hand­fes­tes ge­lie­fert. War­um sind die Us-bör­sen in ei­ner der­art ro­bus­ten Ver­fas­sung? War­um hat es bis­lang über­haupt noch kei­nen Rück­set­zer ge­ge­ben?

Man muss beim ame­ri­ka­ni­schen Markt ganz stark dif­fe­ren­zie­ren. Die gro­ßen In­di­zes wie der Dow Jo­nes oder der S&P 500 sind noch sehr stark, aber in der ge­sam­ten Brei­te des Mark­tes se­hen wir das nicht. Das heißt, die In­di­zes wer­den von we­ni­gen star­ken Ak­ti­en hoch­ge­hal­ten, wäh­rend die Mas­se der Ti­tel schon deut­lich schlech­ter aus­sieht. Und ge­nau das be­zeich­nen wir Ex­per­ten als das „Hin­den­burg-omen“. Das ist ei­ne Markt­kon­stel­la­ti­on, die auf fal­len­de Kur­se am Ak­ti­en­markt hin­deu­tet. Der Na­me stammt von dem deut­schen Luft­schiff, des­sen Was­ser­stoff­fül­lung sich 1937 bei der Lan­dung in den USA ent­zün­de­te und ex­plo­dier­te.

Sie hat­ten die nied­ri­ge Vo­la­ti­li­tät und die Sorg­lo­sig­keit der An­le­ger an­ge­spro­chen. Blen­den An­le­ger die Ri­si­ken ganz ein­fach aus und han­deln ge­treu dem Mot­to: „Gier frisst Ge­hirn“?

Es ist der­zeit das blin­de Ver­trau­en in die No­ten­ban­ken, die es in den Köp­fen der An­le­ger schon rich­ten wer­den. Und es ist die Al­ter­na­tiv­lo­sig­keit zu den Ak­ti­en­märk­ten. Egal, mit wem ich spre­che, al­le se­hen der­zeit die Ri­si­ken und al­le sa­gen, uns fliegt die Schei­ße ir­gend­wann um die Oh­ren. Aber wir blei­ben trotz­dem da­bei. Und han­deln der­zeit an­ders, als sie es nor­ma­ler­wei­se tun wür­den.

Wel­che Rol­le spie­len denn die No­ten­ban­ken in der seit vie­len Jah­ren an­dau­ern­den Hausse? Die No­ten­ban­ken spie­len der­zeit die al­les ent­schei­den­de Rol­le. Sie sind die Ein­zi­gen, die den Markt be­stim­men. Die­ser Markt hängt von nichts ab, au­ßer von den Zen­tral­ban­ken. Und in dem Mo­ment, in dem die Zen­tral­ban­ken ih­ren Ein­fluss ver­lie­ren oder ih­ren Ein­fluss gar nicht mehr wahr­neh­men wol­len, fliegt uns der gan­ze La­den um die Oh­ren. Wie hat ein be­kann­ter chi­ne­si­scher Ana­lyst ge­sagt: Chi­na ist die größ­te Bla­se der Welt­wirt­schafts­ge­schich­te.

Wir re­den dann nicht von zehn oder fünf­zehn Pro­zent Kor­rek­tur­po­ten­zi­al, son­dern von ei­ner nach­hal­ti­gen Ab­wärts­be­we­gung

Und stei­gen­de Us-zin­sen wer­den sie zum Plat­zen brin­gen. Soll­ten al­so tat­säch­lich wei­te­re Zins­er­hö­hun­gen kom­men, könn­te das der Aus­lö­ser für ei­nen Crash sein.

Kön­nen die No­ten­ban­ken denn nicht ver­hin­dern, dass uns der gan­ze La­den um die Oh­ren fliegt? Oder an­ders aus­ge­drückt, sind sie nicht in der La­ge mit all ih­ren In­stru­men­ten ein „Sof­tLan­ding“her­bei­zu­füh­ren?

Ich glau­be, dass das gar nicht ge­wollt ist. Der über­ge­ord­ne­te Plan ist, so schnell wie mög­lich die Glo­ba­li­sie­rung auf ei­ne neue Ebe­ne zu set­zen. Qua­si die Glo­ba­li­sie­rung 2.0. Da­zu braucht man erst ein­mal ein ge­wis­ses Cha­os. Nicht un­be­dingt mi­li­tä­risch. Son­dern ei­ne gro­ße welt­wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung, die für gro­ße Tur­bu­len­zen sorgt. Und im Rah­men des­sen wer­den dann wie­der vie­le Din­ge zu­sam­men­ge­führt.

In we­ni­gen Ta­gen fin­det die Bun­des­tags­wahl statt. Kann das Er­geb­nis ir­gend­ei­nen grö­ße­ren Ein­fluss auf die Bör­se ha­ben oder ist es ein „NonE­vent“?

Das se­he ich als Non-event. Grö­ße­re Über­ra­schun­gen wird es wohl nicht ge­ben. Die Wahl ist mehr oder we­ni­ger ge­lau­fen. Egal in wel­cher Kon­stel­la­ti­on, es spielt ei­gent­lich kei­ne Rol­le. Die Po­li­tik von An­ge­la Mer­kel geht wei­ter und die Bür­ger müs­sen sich dar­auf ein­stel­len, dass nach der Wahl vie­le un­po­pu­lä­re Ent­schei­dun­gen zu­guns­ten ei­ner stär­ke­ren Glo­ba­li­sie­rung, zu­guns­ten Eu­ro­pas und zu­guns­ten ei­ner „Mehr-flücht­lin­ge“-the­ma­tik auf den Weg ge­bracht wer­den. Denn An­ge­la Mer­kel hat da­nach vier Jah­re Ru­he und ver­mut­lich kei­ne wei­te­re Wahl mehr vor der Brust. Und auch der fran­zö­si­sche

Prä­si­dent Ma­cron hat erst ein­mal kei­ne Wahl vor sich. Bei­de wer­den im Par­al­lelSchwung sehr vie­le Din­ge ver­ab­re­den, die die Bür­ger so über­haupt nicht wol­len. Da­zu wird die Ver­ge­mein­schaf­tung der Schul­den ge­hö­ren, so­wie ein Schul­den­er­lass für Grie­chen­land und neue Flücht­lings­wel­len.

Kann ei­ne schar­fe Kor­rek­tur an den Bör­sen oder ein Crash das ge­sam­te Welt­fi­nanz­sys­tem er­neut an den Rand des Ruins zu brin­gen? De­fi­ni­tiv ja. Und ich glau­be, dass der nächs­te Ein­bruch, den wir be­kom­men wer­den, nä­her an 1929 lie­gen wird, als an 2008. Hier braut sich wirk­lich al­les zu­sam­men, was man für ei­nen per­fek­ten Sturm braucht. Das geht von Ame­ri­ka, bis über den ge­sam­ten eu­ra­si­schen Kon­ti­nent. Die Che­mi­ka­li­en die der­zeit an­ge­rührt wer­den, und durch den Fun­ken „Bör­sen­ein­bruch“zur ei­ner Re­ak­ti­on mit­ein­an­der ge­bracht wer­den, wer­den Aus­ma­ße ha­ben, die wir der­zeit über­haupt noch nicht ein­schät­zen kön­nen.

Wie soll­te sich der Ak­ti­en­an­le­ger der­zeit ver­hal­ten?

Wir se­hen die gan­zen Ri­si­ken und Pro­ble­me, die es der­zeit gibt. Al­ler­dings kann die ak- tu­el­le Bör­sen­si­tua­ti­on noch län­ger an­dau­ern. Das heißt, du ver­kaufst jetzt al­les und stehst plötz­lich ganz nackt dar. Wäh­rend die Märk­te noch mun­ter wei­ter lau­fen. Im Mo­ment bleibt uns nichts an­de­res üb­rig, als die Märk­te emo­ti­ons­los zu ana­ly­sie­ren. Die Ri­si­ken zu be­wer­ten und zu sa­gen, brennt die Lun­te schon oder wer­den die Che­mi­ka­li­en wei­ter zu­sam­men­ge­tra­gen? Das heißt, der­zeit soll­te man in Ak­ti­en als Sach­wert erst ein­mal drin blei­ben, wenn man schon drin ist. Gro­ße Neu­in­ves­ti­tio­nen sind mo­men­tan schwie­rig. Ge­ne­rell soll­te man sich als An­le­ger im­mer an das Grund­prin­zip des In­ves­tie­rens hal­ten. Et­was zu kau­fen, weil es güns­tig und un­ter­be­wer­tet ist oder zu­min­dest die Er­trags­chan­cen so sind, dass ich dar­aus in der Zu­kunft ei­ne or­dent­li­che Ren­di­te er­wirt­schaf­ten kann. Wenn ich al­so ei­ne Si­tua­ti­on ha­be, wo et­was zu teu­er ist, dann lass ich es doch blei­ben. Und war­te so lan­ge, bis ich es wie­der güns­tig krie­ge. Las­sen sie uns in dem Zu­sam­men­hang über Gold und an­de­re Edel­me­tal­le spre­chen. Se­hen wir hier ge­ra­de ei­ne deut­li­che Un­ter­be­wer­tung? Grund­sätz­lich ge­hö­ren Edel­me­tal­le und dem­nach auch Gold in je­den Haus­halt und in je­des De­pot. Phy­sisch und da­mit re­al. Ich hal­te den ak­tu­el­len Gold­preis der­zeit für zu nied­rig. Wir wis­sen aber auch, dass die Edel­me­tall­prei­se zu den am stärks­ten ma­ni­pu­lier­ten der Welt ge­hö­ren. Des­halb ist es sehr schwer, ei­ne re­la­tiv ge­nau Pro­gno­se zur wei­te­ren Ent­wick­lung ab­zu­ge­ben. Den­noch hal­te ich Edel­me­tal­le für äu­ßerst in­ter­es­sant und kann sie nur je­dem emp­feh­len. Aber nicht um da­mit reich zu wer­den, son­dern um et­was zu ha­ben, was nie wert­los wird und im­mer ei­nen Wert be­hält. Was wie­der­um kaum ein an­de­res An­la­ge­pro­dukt von sich be­haup­ten kann. Gleich­zei­tig soll­te man als An­le­ger aber auch im­mer die Wech­sel­kur­se im Au­ge be­hal­ten. Denn was nützt es mir, wenn der Gold­preis steigt, und par­al­lel da­zu der Eu­ro steigt. Ge­ra­de in den letz­ten Mo­na­ten ha­ben wir das sehr schön er­le­ben dür­fen. In Eu­ro ge­rech­net ist der Gold­preis kaum ge­stie­gen, wäh­rend er in Dol­lar deut­lich zu­le­gen konn­te.

Wir ha­ben noch im­mer die rie­si­gen Pro­ble­me der eu­ro­päi­schen Ban­ken. In Ita­li­en, Grie­chen­land, Spa­ni­en. Die ste­hen schlim­mer da als wäh­rend der Fi­nanz­kri­se.

Sie hat­ten ge­sagt, dass die Edel­me­tall­prei­se ma­ni­pu­liert wer­den. Was mei­nen Sie da­mit ge­nau?

Da gibt es so vie­le Spe­ku­la­tio­nen und Mög­lich­kei­ten, was da im Gold­preis ge­ra­de pas­siert. Und ich ha­be zu dem The­ma un­zäh­li­ge Bü­cher ge­le­sen. Ich bin mitt­ler­wei­le fest da­von über­zeugt, dass beim Gold­preis sehr viel Ma­ni­pu­la­ti­on im Spiel ist. Aber wer da ge­ra­de sein Süpp­chen kocht, ist kaum zu er­grün­den.

War­um soll­te der Gold­preis nied­rig ge­hal­ten wer­den? Wer hat In­ter­es­se dar­an?

Da es gibt vie­le Grup­pen, die ein In­ter­es­se dar­an ha­ben. Oft­mals geht es um gro­ße Han­dels­po­si­tio­nen mit de­nen man sehr viel Geld ver­die­nen kann. Oder um kurz­fris­ti­ge Spe­ku­la­tio­nen. Ich se­he da auch nicht die ei­ne gro­ße Ver­schwö­rungs­theo­rie, son­dern viel­mehr ein sehr kom­ple­xes The­ma, bei dem es ver­schie­de­ne Grün­de gibt.

Spre­chen wir über den Eu­ro. Die eu­ro­päi­sche Ge­mein­schafts­wäh­rung ha­ben vie­le schon als tot be­zeich­net. Jetzt hat der Eu­ro plötz­lich auf­ge­wer­tet. Sind die Pro­ble­me Eu­ro­pas da­mit vom Tisch ge­wischt?

Nein. Die Pro­ble­me sind erst ein­mal auf die Sei­te ge­scho­ben. Eu­ro­pa steht nicht toll

da. Wir ha­ben im­mer noch die Pro­ble­me in Grie­chen­land und in Ir­land. Wo die „tol­len“Er­fol­ge beim Brut­to­in­lands­pro­dukt im We­sent­li­chen auf Bi­lanz­kos­me­tik be­ru­hen, al­so auf Ta­schen­spie­ler­tricks. Wir ha­ben noch im­mer die rie­si­gen Pro­ble­me der eu­ro­päi­schen Ban­ken. In Ita­li­en, Grie­chen­land, Spa­ni­en. Die ste­hen schlim­mer da als wäh­rend der Fi­nanz­kri­se. Und das in der ak­tu­el­len Auf­schwung­pha­se. Das muss man sich ein­mal vor Au­gen hal­ten und über­le­gen, was das für die nächs­te Kri­se be­deu­tet. Auf der an­de­ren Sei­te se­hen wir die Hoff­nung der An­le­ger, dass Frank­reichs Prä­si­dent Ma­cron, der von den Eli­ten in­stal­liert wur­de, Eu­ro­pa zu­sam­men­füh­ren wird. Egal, was es kos­tet. Und mit An­ge­la Mer­kel hat er den per­fek­ten Spie­ler an sei­ner Sei­te, der ins glei­che Horn stößt. Von da­her hof­fen vie­le, dass die bei­den nach der Bun­des­tags­wahl so rich­tig Gas ge­ben und die Kon­struk­ti­on Eu­ro­pas noch vie­le Jah­re in die Zu­kunft ret­ten.

Hat Eu­ro­pa dem­nach ei­ne Zu­kunft? Mei­ne Be­fürch­tung ist, dass wir ei­ne welt­wei­te ne­ga­ti­ve Ent­wick­lung be­kom­men, die man sich in der Brei­te und der Aus­wir­kung heu­te noch nicht vor­stel­len kann. Ich hat­te ja be­reits von ei­ner Welt­wirt­schafts­kri­se ge­spro­chen und ich bin der Mei­nung, das da et­was auf uns zu- kommt, das wir uns nur an­satz­wei­se vor­stel­len kön­nen. Da­bei spie­len dann auch Ein­zel­si­tua­tio­nen wie in Eu­ro­pa nur ei­ne klei­ne­re Rol­le. Für mich ist das al­les mit ei­nem schar­fen Ein­bruch in Chi­na ver­bun­den, mit gro­ßen Aus­schrei­tun­gen und Ent­wick­lun­gen in Ame­ri­ka. Ich glau­be, wir wer­den in den nächs­ten Jah­ren noch rich­tig „Spaß“ha­ben und in Eu­ro­pa ganz an­de­re The­men dis­ku­tie­ren.

Wie soll­te sich der An­le­ger der­zeit ver­hal­ten - wel­che Stra­te­gie ist sinn­voll? Ne­ben Gold und an­de­ren Edel­me­tal­len möch­te man mo­men­tan fast sa­gen, das Cash der­zeit nicht das Dümms­te ist. Vie­le As­set­klas­sen sind gut, aber ein­fach zu teu­er. Über Li­qui­di­tät zu ver­fü­gen ist sinn­voll, um dann zu­zu­schla­gen, wenn es nach un­ten geht. Und nicht um auf Wer­ten zu sit­zen, die dann im Preis ge­sun­ken sind und man so­mit to­tal un­fle­xi­bel ist. Wenn vie­les zu teu­er ist, muss ich nicht kau­fen, son­dern da­für sor­gen, dass ich li­qui­de bin, wenn an­de­re Wer­te ir­gend­wann wie­der im Preis fal­len und so­mit at­trak­ti­ver wer­den. Bei selbst ge­nutz­ten Im­mo­bi­li­en kann man zu­schla­gen, wenn ei­nem ein Schnäpp­chen vor die Na­se fliegt. Al­ler­dings soll­te man es nicht als Spe­ku­la­ti­ons- oder Ren­di­te­ob­jekt se­hen, son­dern viel­mehr als per­sön­li­che Le­bens­rau­mentschei­dung.

Die No­ten­ban­ken spie­len der­zeit die al­les ent­schei­den­de Rol­le.

Herr Mül­ler, ganz herz­li­chen Dank für das In­ter­view.

Dirk Mül­ler, in­ter­na­tio­nal auch als „Mis­ter DAX“be­kannt, ist Bör­sen­mak­ler, Fonds­ma­na­ger und Buch­au­tor. Be­son­ders sei­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen zum Wirt­schafts- und Wäh­rungs­sys­tem, in de­nen er kein Blatt vor den Mund nimmt, sor­gen im­mer wie­der für gro­ße Auf­merk­sam­keit.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.