Ste­hen die Roh­stoff­märk­te vor ei­ner ge­wal­ti­gen Ral­lye?

Wer­den es­ka­lie­ren­de po­li­ti­sche Kri­sen den Öl­preis und da­mit den ge­sam­ten Roh­stoff­markt be­flü­geln?

Sachwert Magazin - - Geldpolitik - Von Andre­as Kroll

Der Com­mo­di­ty Markt ist wohl zur­zeit ei­ner der un­ter­be­wer­tets­ten Märk­te über­haupt. Na­tür­lich gibt es ein­zel­ne po­si­ti­ve Aus­rei­ßer wie Zink, Co­balt oder Kup­fer. Auch Ma­gnet­me­tal­le wie Neo­dym und Dy­s­pro­si­um konn­ten sich dem all­ge­mei­nen Trend ent­zie­hen und um gut 50 % in die­sem Jahr per­for­men. Aber glo­bal, über al­le Com­mo­di­ties hin­weg be­trach­tet, ist die noch 2016 er­kenn­ba­re Trend­wen­de bis­her in 2017 ver­san­det. Gut ab­zu­le­sen am wich­ti­gen CRB In­dex (Chart oben). Wie de­so­lat es um den Roh­stoff­markt im All­ge­mei­nen steht oder auch wie un­ge­sund die der­zei­ti­ge Ak­ti­en­be­wer­tung ist, zeigt auch die un­ten­ste­hen­de Gra­fik, die den S&P500 ins Ver­hält­nis zu dem Gold­man Sachs Com­mo­di­ty In­dex setzt. Zu kei­ner Zeit wa­ren Ak­ti­en im Ver­hält­nis zu Roh­stof­fen so teu­er, an­ders ge­sagt, Roh­stof­fe so bil­lig.

Die schlech­te Ra­tio kann sich nun auf zwei Ar­ten auf­lö­sen: Die Ak­ti­en­kur­se bre­chen dra­ma­tisch ein oder die Roh­stoff­prei­se zie­hen auf brei­ter Front an. In der Tat wä­re wohl nie­mand wirk­lich über­rascht, wenn die Ak­ti­en sich in ei­nem Crash um et­wa 25 % ver­bil­li­gen wür­den. Die schon sehr lang lau­fen­de Hausse bei den Ak­ti­en, ins Ver­hält­nis zum welt­wei­ten rea­len Wirt­schafts­wachs­tum ge­setzt, wirkt schon sehr über­dehnt.

Ein Ein­bruch bei den Ak­ti­en ver­än­dert nun die oben ge­nann­te Ra­tio, aber be­deu­tet nicht gleich­zei­tig ein An­zie­hen der Roh­stoff­prei­se. Da­für wä­ren vor al­lem stei­gen­de Ener­gie­kos­ten nö­tig. Und bei den Ener­gie­kos­ten spielt der Öl­preis wie­der­um die ent­schei­den­de Rol­le. Die rei­ne fak­ten­ba­sier­te Be­trach­tung des Öl­mark­tes fällt al­ler­dings er­nüch­ternd aus: Das was die Opec-staa­ten an För­der­kür­zun­gen be­schlie­ßen um den Markt zu ver­knap­pen und da­mit Preis­er­hö­hun­gen durch­zu­set­zen wird da­durch kon­ter­ka­riert, dass Staa­ten wie die USA und Ni­ge­ria ein­fach mehr Öl för­dern. Es gibt der­zeit kei­nen Man­gel an Öl. Knapp­heit, der Schlüs­sel für Preis­stei­ge­run­gen, ist in den nächs­ten Mo­na­ten ein­fach nicht zu er­war­ten. Be­trach­ten wir den Öl­markt aber eher aus ei­ner po­li­ti­schen Per­spek­ti­ve und er­lau­ben uns ein we­nig zu spe­ku­lie­ren, zeich­net sich an­hand von zwei ex­em­pla­risch ge­wähl­ten Kri­sen­her­den ein ganz an­de­res Bild. Po­li­ti­sche Kri­se Nr. 1: Die Katarkri­se

Sau­di-ara­bi­en plant den größ­ten Bör­sen­gang al­ler Zei­ten. Sei­ne bis­her staat­li­che Öl­pro­duk­ti­ons­fir­ma Sau­di Aram­co soll teil­pri­va­ti­siert wer­den. Durch die Ve­r­äu­ße­rung von nur 5 % der Un­ter­neh­mens­an­tei­le er­hoff(t)en sich die Sau­dis ei­nen

Er­lös von et­wa 100 MRD Us-dol­lar für die Staats­kas­se. Um die­ses IPO so er­folg­reich wie mög­lich um­zu­set­zen, ist ein ho­her Öl­preis von ent­schei­den­der Be­deu­tung. Die Fra­ge, die sich nun stellt: Was ist Sau­di­Ara­bi­en be­reit zu ris­kie­ren um die­ses Ziel zu er­rei­chen? Im Ju­li kün­dig­ten sie an die ei­ge­ne Öl­pro­duk­ti­on noch ein­mal auf „nur“noch 6,6 Mio. Bar­rel täg­lich deut­lich zu re­du­zie­ren. Soll­ten die­se Ver­knap­pungs­maß­nah­men wei­ter­hin nicht den er­wünsch­ten Ef­fekt ha­ben, so könn­te die Katarkri­se durch­aus „be­feu­ert“wer­den. Erst am 05. Ju­ni die­sen Jah­res wur­de die­se Kri­se über­haupt in­iti­iert. Qua­si über Nacht und für vie­le sehr über­ra­schend, wur­de das öl- und gas­rei­che Ka­tar zum po­li­ti­schen Geg­ner au­ser­ko­ren. Da­zu wur­den For­de­run­gen an die­ses Land ge­stellt, wel­che die­ses un­mög­lich er­fül­len kann bzw. wird. Der­zeit schwelt der Kon­flikt, aber ei­ne zeit­lich be­grenz­te und ge­schick­te Es­ka­la­ti­on wür­de den Sau­dis viel­leicht den nö­ti­gen Vor­teil, ei­nen stark stei­gen­den Öl­preis, ver­schaf­fen kön­nen. Be­trach­tet man die enor­men Geld­be­trä­ge die auf dem Spiel ste­hen, schei­nen sol­che Spe­ku­la­tio­nen kei­nes­wegs zu ab­we­gig. Noch vor ei­nem Jahr schätz­ten die Sau­dis den Wert des Un­ter­neh­mens Aram­co auf et­wa 2 - 2,5 Bil­lio­nen Dol­lar. Bei dem ak­tu­el­len Öl­preis­ni­veau rei­nes Wunsch­den­ken. Rea­lis­ti­scher ist wohl der­zeit ein Wert von „nur“ei­ner Bil­li­on Us-dol­lar. Für ei­nen Staat, der im letz­ten Jahr ein Haus­halts­de­fi­zit von 100 Mrd.

Dol­lar ver­buch­te, ein nicht un­we­sent­li­cher Wert­ver­lust!

Po­li­ti­sche Kri­se Nr. 2: Bür­ger­krieg in Ve­ne­zue­la

Die La­ge in die­sem Land ist als mehr als dra­ma­tisch zu be­zeich­nen. Hy­per­in­fla­ti­on, blu­ti­ge Un­ru­hen und ein Macht­ha­ber, der sein Land in ei­ne Dik­ta­tur ver­wan­delt. Noch weiß Ma­du­ro sei­ne Ge­ne­rä­le hin­ter sich, doch de­ren Un­ter­stüt­zung kann er schnell ver­lie­ren, denn die USA dro­hen be­reits mit ei­nem mi­li­tä­ri­schen Ein­schrei­ten. In ei­nem ne­ga­ti­ven Sze­na­rio ver­wan­deln sich die Un­ru­hen zu ei­nem Bür­ger­krieg. Da­von dürf­te auch die Öl­pro­duk­ti­on be­trof­fen sein und teil­wei­se, wenn nicht so­gar kom­plett, aus­fal­len. Da­mit wür­den 2 Mio. Bar­rel Öl pro Tag dem Markt ent­zo­gen wer­den.

Der­lei Be­dro­hungs­sze­na­ri­en gibt es welt­weit vie­le: Der Nord­ko­rea-kon­flikt, ein Auf­kün­di­gen des Atom­ab­kom­mens mit dem Iran, ein dro­hen­der Han­dels­krieg zwi­schen den USA und Chi­na etc. Aber braucht es ei­ne es­ka­lie­ren­de Kri­se um mit Roh­stof­fen wie­der Ge­win­ne zu ma­chen? Nein, lang­fris­tig hilft ein Zy­klus, der wie ein Uhr­werk funk­tio­niert und al­le Roh­stof­fe er­fasst: Die In­ter­na­tio­na­le Ener­gie­agen­tur IEA in Pa­ris hat in ih­rer Bi­lanz zu neu­en Erd­öl­fel­dern Alarm ge­schla­gen. „Die glo­ba­len Öl­fun­de sind 2016 auf ein Re­kord­tief ge­fal­len“, heißt es in dem Re­port. Das Vo­lu­men der Neu­fun­de ist laut IEA auf 2,4 Mil­li­ar­den Bar­rel ab­ge­sackt, ei­ne Men­ge, die bei der­zei­ti­ger Nach­fra­ge in 25 Ta­gen auf­ge­braucht wä­re. Als Ur­sa­che des his­to­ri­schen Tiefs wird stets der In­ves­ti­ti­ons­rück­gang we­gen un­at­trak­tiv nied­ri­ger Öl­prei­se ge­nannt. Die Aus­ga­ben für Su­che und Ex­plo­ra­ti­on neu­er Öl­fel­der ver­zeich­nen star­ke Ein­brü­che.

Zu kei­ner Zeit wa­ren Ak­ti­en im Ver­hält­nis zu Roh­stof­fen so teu­er, an­ders ge­sagt, Roh­stof­fe so bil­lig.

Die zu­künf­ti­ge Knapp­heit wird heu­te ge­macht!

Auch die In­ves­ti­tio­nen in Mi­nen und Re­cy­cling­an­la­gen für Me­tal­le sind stark ge­fal­len. Aber wie auch der welt­wei­te Öl­be­darf steigt auch der Be­darf an an­de­ren Roh­stof­fen wei­ter. Roh­stoff­in­ves­to­ren, die auch kurz­fris­tig er­folg­reich in die­sem Markt agie­ren wol­len, soll­ten wei­ter­hin auf ein­zel­ne Me­tal­le set­zen, bei de­nen un­ab­hän­gig von der Welt­kon­junk­tur An­ge­bots­eng­päs­se zu er­war­ten sind - und da­von gibt es ei­ni­ge!

Die Chan­cen die­ses Mark­tes sieht auch der rus­si­sche Mil­li­ar­där Wla­di­mir Io­risch. Mit sei­ner In­vest­ment­fir­ma grün­de­te er im Au­gust ei­nen Roh­stoff­fonds, der vor al­lem auf Me­tal­le für Elek­tro­au­tos setzt. Ne­ben der phy­si­schen Ein­la­ge­rung von Me­tal­len wie Ko­balt, Va­na­di­um, Ni­ckel und den Sel­te­nen Er­den, will der 150 Mil­lio­nen Dol­lar schwe­re Fonds auch in An­lei­hen und Be­tei­li­gun­gen an Berg­bau­pro­jek­ten in­ves­tie­ren. Das Smart Ca­pi­tal drängt jetzt in den klei­nen Markt der High Tech Me­tal­le vor. Die­se kann je­der sel­ber aus­wäh­len und bei di­ver­sen An­bie­tern di­rekt phy­sisch er­wer­ben. Gro­ßes Po­ten­ti­al bie­ten ne­ben Neo­dy­m­oxid, auch Me­tal­le wie Ger­ma­ni­um und Rhe­ni­um.

Andre­as Kroll ist Fi­nanz­ana­lyst und Ge­schäfts­füh­rer der No­b­le Ele­ments Gm­bh.

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