DAX und Dow Jo­nes: Kurs­ziel 50.000 Punk­te!

Bör­sen-gu­ru Hei­ko Thie­me spricht im In­ter­view mit Chef­re­dak­teur Tho­mas Schwar­zer über die der­zei­ti­ge Ent­wick­lung und gibt ei­nen Aus­blick auf 2018

Sachwert Magazin - - Geldpolitik -

Ak­ti­en zäh­len ne­ben Edel­me­tal­len und Im­mo­bi­li­en zu den be­lieb­tes­ten Sach­wer­ten. Wer sein Geld in den ver­gan­ge­nen Jah­ren am Ak­ti­en­markt in­ves­tiert hat, konn­te ei­ne ho­he Ren­di­te ein­fah­ren. Be­feu­ert von der Geld­po­li­tik der No­ten­ban­ken ging es an den Welt­bör­se steil nach oben. Nach der jah­re­lan­gen Hausse fra­gen sich vie­le An­le­ger mitt­ler­wei­le ob der Boom auch in 2018 an­hält.

Wir ha­ben uns des­halb mit dem Fonds­ma­na­ger und Bör­sen-gu­ru Hei­ko Thie­me un­ter­hal­ten.

Herr Thie­me, Deutsch­land hat gro­ße po­li­ti­sche Pro­ble­me. Die Re­gie­rungs­bil­dung und die Son­die­rungs­ge­sprä­che sind im No­vem­ber ge­platzt. Wie be­ur­tei­len Sie das Po­lit­cha­os in Ber­lin?

Wenn Neu­wah­len kom­men, dann frü­hes­tens im Früh­jahr. Bis da­hin ha­ben wir ei­ne Lim­bo-si­tua­ti­on. Al­so ei­nen Schwe­be­zu­stand und ei­ne sta­gnie­ren­de po­li­ti­sche Ent­wick­lung. Si­cher­lich ist das nicht un­be­dingt po­si­tiv. Den­noch sagt uns die Bör­se, dass uns das vor­erst nicht stö­ren soll­te. Denn das wirt­schaft­li­che Um­feld ist wei­ter­hin sehr gut. Und da­mit hat die Bör­se na­tür­lich recht. Wir ha­ben in Deutsch­land ein Wachs­tum mit ei­ner Zwei vor dem Kom­ma. Und sind von der Drei gar nicht so weit ent­fernt. Das ist ein Wachs­tum, wel­ches wir seit Jah­ren nicht mehr ge­se­hen ha­ben. Auch die rest­li­chen Eu-län­der, mit we­ni­gen Aus­nah­men, sind ei­gent­lich mit ei­nem gu­ten Wachs­tum un­ter­wegs. Da­zu kommt, dass die In­fla­ti­on rund um den Glo­bus der­zeit kein Fak­tor ist. Et­was, was wir in den letz­ten Jahr­zehn­ten ganz sel­ten hat­ten. Und die rest­li­che Welt wächst eben­falls. Mit Ame­ri­ka als größ­te Na­ti­on mit ei­ner Wachs­tums­ra­te von drei Pro­zent. Chi­na hat wei­ter­hin ein Wachs­tum von sechs bis sie­ben Pro­zent. Ähn­li­che Zah­len se­hen wir auch in In­di­en und In­do­ne­si­en. Auch Afri­ka steht be­acht­lich dar. Ein Pro­blem bleibt aber na­tür­lich die Geo­po­li­tik und der Fa­na­tis­mus.

Kann das po­li­ti­sche Va­ku­um die deut­sche Wirt­schaft be­las­ten oder zu ei­ner Wachs­tums­ver­lang­sa­mung füh­ren?

Ab­so­lut. Ich se­he das al­les auch kri­tisch und mit vie­len Fra­ge­zei­chen. Den­noch bin ich sehr über­rascht, wie die Bör­se re­agiert hat. Ich hat­te ei­gent­lich mit grö­ße­ren Kurs­ver­lus­ten ge­rech­net, die aber über­haupt nicht ein­ge­tre­ten sind. Nichts­des­to­trotz kann das po­li­ti­sche Va­ku­um sich frü­her oder spä­ter be­las­tend für die deut­sche Wirt­schaft aus­wir­ken. Ich rech­ne al­ler­dings nicht mit ei­ner deut­li­chen und grö­ße­ren Be­las­tung. Denn die nach­hal­tigs­ten Ein­wir­kun­gen auf die Wirt­schaft ha­ben noch im­mer die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne und nicht die po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen.

2017 war ein span­nen­des Jahr und 2018 wird mit Si­cher­heit genau­so span­nend. Wie lau­tet Ihr Fa­zit für das ab­ge­lau­fe­ne Jahr?

2017 war ein au­ßer­ge­wöhn­lich gu­tes Jahr an den Ka­pi­tal­märk­ten und an den Bör­sen. Mit Zu­wachs­ra­ten die vie­le über­rascht ha­ben. Mei­ne Pro­gno­se für 2017 ging da­von aus, dass wir 13.500 Punk­te beim DAX se­hen kön­nen, und das Ni­veau ha­ben wir im No­vem­ber er­reicht. Das ist durch­aus wie­der­hol­bar, wenn nicht die po­li­ti­schen Fra­ge­zei­chen im Raum ste­hen wür­den. Den­noch se­he ich mich in mei­nen Vor­her­sa­gen be­stä­tigt. Auch in den USA ha­ben die Bör­sen ei­ne er­staun­li­che Ent­wick­lung hin­ge­legt. Dort hat es seit mehr als ei­nem Jahr kei­ne nen­nens­wer­te Kon­so­li­die­rung oder ei­ne Atem­pau­se ge­ge­ben. Das ist ein­ma­lig in der Ge­schich­te.

In 2017 gab es nach lan­ger Zeit auch mal wie­der ei­nen klei­nen Rich­tungs­wech­sel bei den No­ten­ban­ken. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank hat mit dem Ein­stieg in den Aus­stieg be­gon­nen, so könn­te man es ganz sa­lopp for­mu­lie­ren. Wel­che Stra­te­gie wer­den die gro­ßen No­ten­ban­ken in 2018 fah­ren?

Die No­ten­ban­ken wer­den ih­ren Trend fort­set­zen. Das heißt, in den USA ha­ben wir mit der ers­ten Zins­er­hö­hung En­de 2015 be­gon­nen. Und seit­dem hat es zu­sätz­li­che An­he­bun­gen ge­ge­ben. Ezb-prä­si­dent Ma­rio Draghi macht für ge­wöhn­lich das, was er sagt. Auch wenn die Me­di­en im­mer wie­der hin­ter­fra­gen, was er von sich gibt. Er spricht für mich im­mer Kl­ar­text, genau­so wie es Frau Yel­len tut, die Che­fin der ame­ri­ka­ni­schen No­ten­bank Fed. Ma­rio Draghi möch­te in der Eu­ro­zo­ne ei­ne Erholung se­hen die Sub­stanz hat und von Dau­er ist. Des­we­gen wird Herr Draghi sein An­lei­hen­kauf­pro­gramm zwar zu­rück­fah­ren, aber nicht kom­plett. Ob wir im vier­ten Quar­tal 2018 in Eu­ro­pa ei­ne erste Zins­er­hö­hung se­hen wer­den, dar­auf möch­te ich mich nicht fest­le­gen. Aber wir kön­nen da­von aus­ge­hen, dass wir in 2019 dann zwei Zins­er­hö­hun­gen se­hen wer­den. Mög­li­cher­wei­se so­gar drei. Das ist aber ab­hän­gig von der In­fla­ti­on. Denn der al­lei­ni­ge Auf­trag der EZB ist es, die In­fla­ti­on un­ter Kon­trol­le zu hal­ten. An­ders als in den USA. Dort hat die Fed au­ßer­dem die Auf­ga­be, die Kon­junk­tur an­zu­kur­beln.

Be­steht denn nicht die Ge­fahr ei­ner Über­hit­zung ein­zel­ner Volks­wirt­schaf­ten, da die Kon­junk­tur­pro­gno­sen fast re­gel­mä­ßig nach oben kor­ri­giert wer­den? Was wie­der­um die

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