Preis­wer­ter Chi­ne­se: Air­di­gi­tal Zgem­ma H9S über­zeugt

Die Mar­ke Zgem­ma kann in den ver­gan­gen Jah­ren im­mer wie­der das In­ter­es­se der Li­nux-an­hän­ger we­cken, neue in­no­va­ti­ve Bo­xen sind der Grund da­für. Mit dem H9S 4K-uhd-re­cei­ver will man er­neut die eu­ro­päi­schen Nut­zer auf sich auf­merk­sam ma­chen. Wir ha­ben die B

Satellit Empfang + Technik - - Inhalt - MI­KE BAUERFEIND/RI­CAR­DO PET­ZOLD

Für un­ter 100 Eu­ro ist die 4K-box – wenn auch ak­tu­ell lei­der noch nicht in Deutsch­land – in Eu­ro­pa er­hält­lich. Na­tür­lich er­war­ten auch wir für die­sen Preis kein Spit­zen­mo­dell mit Top-aus­stat­tung. Den­noch kann der Klei­ne 4K-re­cei­ver mit vie­len Ge­rä­ten im Markt spe­zi­ell bei den rück­wär­ti­gen An­schlüs­sen mit­hal­ten. Die Be­dien­ele­men­te in Form ei­nes Netz­schal­ters so­wie ei­ner Re­set-tas­te be­fin­den sich auf der Rück­sei­te. Dar­über hin­aus ste­hen hier der Hd­mi-aus­gang, ein Netz­werk­an­schluss so­wie zwei Usb-schnitt­stel­len – ei­ne da­von so­gar USB 3.0 – be­reit. Zu­dem trumpft der H9S mit ei­nem ana­lo­gen Aus­gang in Form ei­ner 3,5-Zoll-klin­ken­buch­se auf. Die wohl gra­vie­rends­te und si­cher für man­chen auch schmerz­lichs­te Ein­schrän­kung: Es gibt erst­mals bei ei­nem Re­cei­ver mit Enig­ma 2 an Bord we­der ei­nen Kar­ten­schacht noch ei­nen Ci-ein­schub. Ge­nau ge­nom­men muss man den Zgem­ma H9S al­so als rei­nen Fta-re­cei­ver klas­si­fi­zie­ren. Erst in we­ni­gen Wo­chen soll sein gro­ßer Bru­der auf den Markt kom­men, der dann zu­min­dest wie­der ei­ne CA und Ci-schnitt­stel­le be­sit­zen soll. Aus­ge­stat­tet ist das Ge­rät mit ei­nem Sing­le-tu­ner für Sa­tel­li­ten­emp­fang oder beim Mo­dell H9T mit ei­nem DVB-T2-TU­NER. Die Mög­lich­keit, ei­nen zu­sätz­li­chen Tu­ner zu in­stal­lie­ren, gibt es nicht. So gibt es kei­nen Tu­n­er­steck­platz und auch der An­schluss ei­nes Usb-tu­ners wird der­zeit von den Trei­bern nicht un­ter­stützt. Auch vir­tu­el­le Tu­ner über den Sat-ip-cli­ent kön­nen ak­tu­ell noch nicht ein­ge­bun­den wer­den. Ur­sa­che ist der neue Hi­si­li­con-pro­zes­sor. Der Zgem­ma ist näm­lich als ers­te En ig­ma2-box auf dem Markt mit ei­nem Pro­zes­sor von Hi­si­li­con aus­ge­stat­tet. Pro­zes­so­ren die­ser Hard­ware­schmie­de fan­den in der Ver­gan­gen­heit vor al­lem bei Smart­pho­nes ihr Ein­satz­ge­biet, bei­spiels­wei­se bei Ge­rä­ten von Hua­wei. Im H9S kommt der Chip­satz hi3798mv2 zum Ein­satz. Die­ser be­sitzt vier Pro­zes­sor­ker­ne, wel­che mit je­weils 1,6 GHZ ge­tak­tet sind. Un­ter­stützt wird der Pro­zes­sor von 1 GB DDR-3-RAM und ei­nem et­was schmal aus­ge­fal­le­nen Flash-spei­cher für Firm­ware und Plug­ins mit 256 MB. Wer mehr will kann al­ler­dings ei­ne Mi­cro-sd-kar­te in den da­für vor­ge­se­hen Schacht auf der Rück­sei­te ein­ste­cken und so­mit dem Flash-spei­cher deut­lich aus­bau­en. Die Gr­und­aus­stat­tung reicht al­ler­dings in der Pra­xis auch für Images mit vie­len Er­wei­te­run­gen aus.

Mehr­wert

Schnell zeigt sich was in der klei­nen Box mit Hi­si­li­con-pro­zes­sor und Si­li­con 2166D-tu­ner al­les steckt. Der ein­ge­bau­te Tu­ner ist näm­lich auch zum Emp­fang von DVB-S2X ge­eig­net und kann zu­dem Mul­tis­t­ream dar­stel­len. Zu­künf­tig soll auch der Blind­scan lau­fen, bei un­se­ren Tests war er al­ler­dings nur ru­di­men­tär im­ple­men­tiert und die Aus­beu­te noch nicht spruch­reif. Hier müs­sen die Ent­wick­ler un­be­dingt noch ein­mal ran um aus der güns­ti­gen Box ei­nen voll­wer­ti­gen Dx-re­cei­ver zu ma­chen. Dar­über hin­aus kann das Ge­rät mit wei­te­ren Al­lein­stel­lungs­merk­ma­len punk­ten. Da­zu ge­hört erst­mals Tr­ans­co­ding auch in H.265 so­wie ei­ne UHDBild-in-bild-funk­ti­on. Ge­nü­gend in­ter­es­san­te Funk­tio­nen, um den Zgem­ma H9S ei­ner ge­naue­ren Prü­fung

zu un­ter­zie­hen. Aus­ge­lie­fert wird das Ge­rät mit ei­nem Image von OPENATV. Aber auch an­de­re Images ste­hen schon be­reit. Un­ser Test be­ruht auf dem ak­tu­ells­ten Image von OPENATV 6.2 zum Test­zeit­punkt Mit­te Ju­ni. Im All­tags­be­trieb fällt uns zu­erst die Fern­be­die­nung et­was ne­ga­tiv auf. Zwar liegt die­se gut in der Hand, die Be­die­nung er­for­dert al­ler­dings et­was Ein­ge­wöh­nung. Der Druck­punkt der Tas­ten ist nicht wirk­lich op­ti­mal, man ver­nimmt beim Drü­cken auch ein deut­li­ches Kla­cken. Hin­zu kommt ei­ne sehr un­glück­lich ge­wähl­te Plat­zie­rung der Farb­tas­ten. Die­se lie­gen näm­lich nicht di­rekt am Steuer­kreuz, son­dern über den zwei Rei­hen Me­dien­tas­ten über dem Steuer­kreuz und ver­lan­gen stets ei­ne Um­po­si­tio­nie­rung der Fin­ger, wenn zu­vor das Steuer­kreuz ge­nutzt wur­de. Bes­ser wä­re ei­ne An­ord­nung di­rekt über oder un­ter dem Steuer­kreuz. Na­tür­lich kann man sich dar­an ge­wöh­nen oder auch auf ei­ne an­de­re viel­leicht noch vor­han­de­ne Fern­be­die­nung um­stei­gen. Die In­stal­la­ti­on des Zgem­ma un­ter­schei­det sich er­war­tungs­ge­mäß nicht von der bei an­de­ren Li­nux-re­cei­vern. Po­si­tiv fällt uns so­fort die Schnel­lig­keit des Ge­rä­tes aus. Ins­be­son­de­re die Um­schalt­zei­ten sind be­ein­dru­ckend.

Mul­ti­me­dia

Im Image sel­ber ist die Funk­ti­on noch nicht ak­tiv. Zum Glück kann sie aber auf Knopf­druck nach­in­stal­liert wer­den. Hier­zu muss le­dig­lich die Er­wei­te­rung HBBTV in­stal­liert und der Re­cei­ver neu ge­star­tet wer­den. An- schlie­ßend steht die Red-but­ton-funk­ti­on zur Ver­fü­gung. Der Zu­griff auf die hy­bri­den Di­ens­te klapp­te im Test dann ein­wand­frei und recht flüs­sig. Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit zur Nut­zung di­ver­ser Me­dia­the­ken ist das be­lieb­te Plu­gin Me­dia­por­tal. Auch hier kann auf al­le Me­dia­the­ken der Sen­der zu­ge­grif­fen wer­den. Im Test ar­bei­tet die Box mit der ak­tu­el­len Me­dia­por­tal-ver­si­on sehr gut zu­sam­men. Eben­falls zur Ver­fü­gung ste­hen Plug­ins für die Me­di­en­diens­te Stal­ker und Ko­di. Ex­per­ten wis­sen was hier­über mitt­ler­wei­le al­les mög­lich ist und die Un­ter­stüt­zung die­ser Plug­ins un­ter­mau­ert ein­mal mehr, dass der H9S kei­nes­falls nur ein Re­cei­ver son­dern ein Uhd-re­cei­ver mit ei­ner Men­ge Mul­ti­me­dia­un­ter­stüt­zung ist.

Tu­ner

Wirk­lich Be­geis­te­rung kommt auf, wenn man sich die Leis­tungs­fä­hig­keit des Tu­ners an­schaut. Selbst­ver­ständ­lich funk­tio­nie­ren wie ge­habt al­le Diseqc-pro­to­kol­le für Mul­ti­feed und Dre­h­an­la­gen so­wie USALS und JESS. Zu­dem wird Mul­tis­t­ream und so­gar DVB-S2X un­ter­stützt. Das ha­ben wir na­tür­lich gleich in der Pra­xis ge­tes­tet. Zu­erst ha­ben wir uns DVB-S2X an­ge­schaut. Ein Bou­quet aus der Schweiz auf 33 Grad Ost sen­det in die­sem neu­en Stan­dard. Ein Such­lauf auf 12597 V klapp­te auf An­hieb und die drei Ka­nä­le wur­den ein­ge­le­sen. Auch die an­schlie­ßen­de Wie­der­ga­be funk­tio­nier­te ein­wand­frei. Un­se­re nächs­te Test­po­si­ti­on war 5 Grad West. Dort sind

zahl­rei­che ita­lie­ni­sche Ka­nä­le im Mul­tis­t­ream un­ver­schlüs­selt auf­ge­schal­tet. Die Trans­pon­der die­nen ei­gent­lich der Zu­füh­rung für das ter­res­tri­sche Di­gi­tal­fern­se­hen in Ita­li­en. Bis­her gab es nur we­ni­ge und zum Teil auch recht teu­re Re­cei­ver, die mit die­sem Sys­tem zu­recht­kom­men. Doch auch die­se Hür­de leis­tet un­ser 100-Eu­ro-re­cei­ver mit Bra­vur. Al­le Mul­tis­t­ream-bou­quets auf die­ser Po­si­ti­on wur­den ein­ge­le­sen und pro­blem­los wie­der­ge­ge­ben. Tat­säch­lich ent­puppt sich der Re­cei­ver al­so als sehr gu­te Wahl für Dxer. Im Be­trieb Von Haus aus ver­fügt der Re­cei­ver auch über ei­ne Auf­nah­me­funk­ti­on. Ein Ein­bau ei­ner Fest­plat­te ist al­ler­dings nicht mög­lich, die­se muss viel­mehr ex­tern an­ge­schlos­sen wer­den. Hier­zu steht auf der Rück­sei­te ein An­schluss nach dem Stan­dard USB 3.0 zur Ver­fü­gung. Al­ter­na­tiv kann auch ei­ne Mi­cro-sd-kar­te auf der Rück­sei­te ein­ge­scho­ben und dann als Spei­cher­me­di­um ge­nutzt wer­den.

Tr­ans­co­ding

Ei­ne Stär­ke des Ge­rä­tes ist zwei­fels­frei das Tr­ans­co­ding in H.265. Da­mit las­sen sich Streams auch in die­sem ef­fek­ti­ven Codec res­sour­cen­scho­nend in das Netz schi­cken. Wir ha­ben die Funk­ti­on mit dem Dream­play­er auf ei­nem An­dro­id-smart­pho­ne er­folg­reich aus­pro­biert. Selbst­ver­ständ­lich lohnt sich Tr­ans­co­ding vor al­lem, wenn über das In­ter­net ge­streamt wer­den soll. Der HEVC-CODEC er­laubt in Ver­bin­dung mit dem Hard­ware­co­ding der H9S auch das Strea­men von Hd-sen­dern über Dsl-an­schlüs­se mit ge­rin­ge­rer Band­brei­te. Er­folg­reich tes­ten konn­ten wir das an ei­nem Dsl-an­schluss mit ei­nem Upload von 1 Mbit/s. Trotz des be­grenz­tem Uploads war das Strea­m­ing mit Tr­ans­co­ding pro­blem­los auch mit Hd-sen­dern bei noch aus­rei­chend gu­ter Qua­li­tät auf dem Smart­pho­ne mög­lich.

Bild-in-bild

Tech­nisch mög­lich ist auch die Pic­tu­re-in-pic­tu­re-darstel­lung mit dem Zgem­ma. Na­tür­lich macht das bei ei­nem Sing­le-tu­ner nur be­grenzt Sinn. Denn da­durch ist man stets auf ei­nen Trans­pon­der be­schränkt. Das be­trifft vor al­lem die Mög­lich­keit, auch Uhd-sen­der als PIP dar­zu­stel­len, es funk­tio­niert zwar, macht aber wie ge­sagt we­nig Sinn. Si­cher­lich wird es aber ir­gend­wann auch Ge­rä­te mir Mehr­fach­tu­nern auf Ba­sis die­ses in­ter­es­san­ten Chip­sat­zes ge­ben.

Fa­zit

Zgem­ma zeigt mit dem H9S ein­drucks­voll, was auch mit preis­wer­ter Hard­ware mög­lich ist. Für Dxer be­son­ders in­ter­es­sant ist zwei­fel­los der Tu­ner mit DVB-S2X- und die Mul­tis­t­ream-fä­hig­keit. Aber auch an an­de­rer Stel­le setzt der Zgem­ma neue Stan­dards, wie dem UHD-PIP und dem Tr­ans­co­ding in H.265. Bleibt zu hof­fen, dass die Ent­wick­ler dran blei­ben und auch den Blind­scan so­wie die vir­tu­el­le Tu­ner­un­ter­stüt­zung noch zum Lau­fen be­kom­men.

Ei­ne Be­son­der­heit des Ge­rä­tes ist si­cher­lich die Re­set-tas­te auf der Rück­sei­te. Da­ne­ben be­fin­det sich der Ein­schub für Mi­cro-sd-kar­ten, die für Auf­nah­men oder als Er­wei­te­rung des Flash-spei­chers ge­nutzt wer­den kön­nen

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