Was taugt die Mi­ni-flach­an­ten­ne aus Chi­na?

Auf ei­ner asia­ti­schen Ein­kaufs­platt­form ha­ben wir ei­ne klei­ne Ku-band-flach­an­ten­ne mit nur 25 cm Durch­mes­ser ge­fun­den. Sie wur­de von meh­re­ren Händ­lern zwi­schen rund 40 bis 80 Eu­ro in­klu­si­ve Ver­sand nach Eu­ro­pa an­ge­bo­ten.

Satellit Empfang + Technik - - Inhalt - THO­MAS RIEGLER

Das idea­le Teil für ver­steck­ten und un­auf­fäl­li­gen Sa­tel­li­ten­emp­fang? Wir ha­ben ei­ne sol­che An­ten­ne ge­or­dert und sie ei­nem gründ­li­chen Test un­ter­zo­gen.

Das An­ge­bot

Zu­ge­ge­ben, die Chi­ne­sen ha­ben zur Flach­an­ten­ne, die auf den Na­men BWEI BSS-180P, oder auch an­de­ren Ty­pen­be­zeich­nun­gen hört, kei­ne De­tails ver­schwie­gen. So ist et­wa nach­zu­le­sen, dass sie für den Emp­fangs­be­reich von 11,7 bis 12,2 GHZ aus­ge­legt ist und der LNB ei­ne Zf von 10,75 GHZ be­sitzt. Als Durch­mes­ser wer­den je nach Ver­käu­fer 25 bis 30 cm an­ge­ge­ben. Wei­ter wer­den ei­ne ma­xi­ma­le Lnb-rausch­zahl von 0,9 db und ein An­ten­nen­ge­winn von 31 db an­ge­ge­ben. Zu­dem wird die Flach­an­ten­ne als ge­eig­net für HD und den eu­ro­päi­schen Markt an­ge­prie­sen. In an­de­ren In­se­ra­ten wur­de hin­ge­gen als Ein­satz­ge­biet aus­schließ­lich Ame­ri­ka ge­nannt. An­hand der be­reits be­kann­ten Tech­ni­schen Da­ten ist of­fen­sicht­lich, dass die­se asia­ti­sche Mi­ni­an­ten­ne nur be­dingt für den eu­ro­päi­schen Sa­tel­li­ten­emp­fang ge­eig­net sein kann. Schließ­lich er­streckt sich das Ku-band bei uns über den Be­reich von 10,7 bis 12,75 GHZ. Wo­bei die meis­ten deut­schen Hd-ka­nä­le im un­te­ren Ku-band an­ge­sie­delt sind. Im Be­reich zwi­schen 11,7 und 12,2 GHZ fin­den wir auf As­tra im­mer­hin ei­nen Groß­teil der deut­schen Öf­fent­lich-recht­li­chen und Pri­vat­sen­der in SD. Al­so bes­ser als nichts und so­mit ei­nen Ver­such wert.

Die An­ten­ne

Die Flach­an­ten­ne er­reicht uns in ei­ner be­mit­lei­dens­wer­ten Ori­gi­nal­ver­pa­ckung. Sie hat den Charme von Ge­braucht­wa­re und lässt ver­mu­ten, dass der Vor­be­sit­zer nicht son­der­lich dar­auf Acht ge­ge­ben hat. Auch im In­ne­ren er­war­tet uns al­les an­de­re als ei­ne pro­fes­sio­nel­le Ver­pa­ckung. Wie sich her­aus­stellt, ist die An­ten­ne aber den­noch neu. Was nichts dar­an än­dert, dass sie nicht ge­ra­de ei­nen wer­ti­gen Ein­druck hin­ter­lässt. Ih­re bei­den Ge­häu­se-halb­scha­len las­sen uns ver­mu­ten, dass da eher leicht Was­ser ins In­ne­re der An­ten­ne ein­drin­gen kann. Zum Lie­fer­um­fang ge­hö­ren auch zwei zier­li­che Bü­gel in der Grö­ße von et­wa 4 cm. Sie sind die rück­wär­ti­ge An­ten­nen­hal­te­rung, über die auch die Azi­mut- und Ele­va­ti­ons­ein­stel­lung er­folgt. Zum Lie­fer­um­fang ge­hört auch ein

rund 15 cm ho­her Stand­fuß mit ei­nem Qu­er­schnitt von 2 bis 4 cm. Er ist am Bo­den fest­zu­schrau­ben und die Flach­an­ten­ne an sei­ner Spit­ze zu mon­tie­ren. Lei­der hat man bei sei­ner Pro­duk­ti­on auf min­des­tens zwei Schweiß­punk­te ver­ges­sen, wo­mit dem Teil jeg­li­che Sta­bi­li­tät fehlt. Mit An­ten­ne fe­dert es hin und her und wird sich sehr bald bis zur Un­brauch­bar­keit ver­bie­gen.

An­ten­ne im De­tail

Im In­ne­ren der bei­den Kunst­stoff-halb­scha­len der BWEI BSS-180P kommt ei­ne run­de Blech­schei­be mit ei­nem Durch­mes­ser von 25 cm zum Vor­schein. Auf ihr sind in sechs Krei­sen ins­ge­samt 126 zu Krei­sen mit rund 8 mm Durch­mes­ser ge­bo­ge­ne Draht­stü­cke an­ge­ord­net. Sie ste­cken in äu­ßerst po­rö­sen Kunst­stoff­hül­sen, in de­nen sie nur teil­wei­se ge­gen Her­aus­fal­len fi­xiert sind. Bei un­se­rer An­ten­ne sind nur 125 Mi­ni­an­ten­n­chen mon­tiert. Das 126. ist frei im In­ne­ren her­um­ge­flo­gen. Sei­ne Hül­se war ver­stopft, wes­halb wir es ent­fernt ha­ben. Un­ter der Blech­schei­be ist ei­ne 7 mm di­cke Blech­scha­le an­ge­schraubt, an de­ren hin­te­ren En­de ein Fl­ansch-lnb oh­ne Be­schrif­tung be­fes­tigt ist. Im In­ne­ren der Scha­le ist wi­der Er­war­ten nichts zu se­hen. Ab­ge­se­hen von den hin­te­ren En­den der 125 Mi­ni­an­ten­nen, Län­ge der Stif­te rund 2 bis 3 mm, ist nur das An­ten­nen­stück des LNBS in der Mit­te der Scha­le zu er­ken­nen. Auch sein Me­tall­stift steckt in ei­ner po­rö­sen Kunst­stoff­hül­le.

Auf Emp­fang

Da wir da­von aus­ge­gan­gen wa­ren, dass die BSS-180P bes­ten­falls sehr schwa­che Si­gna­le emp­fan­gen wird, ha­ben wir uns ein­mal mehr für ei­nen Pc-re­cei­ver und der Ana­ly­se­soft­ware EBS Pro ent­schie­den. Sie zeigt uns in der Spek­trums­an­zei­ge so­fort, ob ir­gend­wo Si­gna­le zu emp­fan­gen sind. Wo­bei sich auch für ei­nen Log zu schwa­che Si­gna­le er­ken­nen las­sen. Laut den auf der Ver­pa­ckung auf­ge­druck­ten Tech­ni­schen Da­ten, sol­len die vom LNB emp­fan­ge­nen 11,7 bis 12,2 GHZ in den Zf-be­reich von 950 bis 1 450 MHZ um­ge­setzt wer­den. Zu­nächst gilt es, mit der auf­ge­bau­ten Mi­ni­an­ten­ne über­haupt ein­mal ein Si­gnal zu lo­ka­li­sie­ren. Hier soll­te uns ei­gent­lich der gro­ße Öff­nungs­win­kel klei­ner Schüs­seln zu Hil­fe kom­men. Und tat­säch­lich! Es dau­ert auch nicht be­son­ders lan­ge, bis wir ers­te, sehr klei­ne Hö­cker, im Spek­trum aus­ma­chen konn­ten. Al­ler­dings nicht in dem Be­reich, in dem wir sie er­war­tet hät­ten, son­dern weit au­ßer­halb. Näm­lich et­wa zwi­schen 12,5 und 12,75 GHZ. Was bei den bei uns üb­li­chen LNBS ei­nem Zf-be­reich von 1 750 bis 2 000 MHZ ent­spre­chen wür­de. Ver­mut­lich ar­bei­tet der Fl­ansch-lnb an der Rück­sei­te der Flach­an­ten­ne nach dem­sel­ben Prin­zip wie C-BAND-LNBS. Bei ih­nen wird die höchs­te emp­fan­ge­ne Fre­quenz auf die tiefs­te Zf-fre­quenz um­ge­legt und um­ge­kehrt. Was zur Fol­ge hät­te, dass un­se­re Test­soft­ware ein spie­gel­ver­kehr­tes Spek­trum mit fal­schen Fre­quen­zen an­zeigt. Nach­dem wir uns zu­nächst das Spek­trum der ho­ri­zon­ta­len Ebe­ne an­ge­se­hen hat­ten, woll­ten wir auch wis­sen, was wir auf der ver­ti­ka­len Ebe­ne ein­fan­gen. Zu un­se­rer Über­ra­schung deck­ten sich die Spek­trums­kur­ven für bei­de Ebe­nen aufs Haar. Was nur be­deu­ten konn­te, dass die Chi­ne­sen­an­ten­ne nur auf ei­ner Ebe­ne emp­fängt! Auf wel­cher, das wis­sen wir nicht. Mit Fein­ein­stel­lung der An­ten­ne schaf­fen wir es, zu­min­dest auf ei­nem ein­zi­gen Trans­pon­der ei­ne Si­gnal­stär­ke mes­sen zu kön­nen. Selbst nach op­ti­ma­lem aus­rich­ten, was üb­ri­gens schwie­ri­ger als er­war­tet war, schaff­ten wir nicht mehr als 0,9 db über Grund­rau­schen. Viel zu we­nig, um den Trans­pon­der zu log­gen und fern­se­hen zu kön­nen. Aber auch viel zu we­nig, um den emp­fan­ge­nen Sa­tel­li­ten und die Emp­fangs­ebe­ne zu lo­ka­li­sie­ren. Im­mer­hin schaff­ten wir es, auch noch ei­ne zwei­te Sa­tel­li­ten­po­si­ti­on zu er­ken­nen.

An der Rück­sei­te be­fin­det sich der Lnb-an­schluss. Die ver­bau­te Emp­fangs­ein­heit ist für den Fre­quenz­be­reich von 11,7 bis 12,2 GHZ aus­ge­legt Im In­ne­ren der An­ten­ne fin­det sich ei­ne Blech­schei­be, auf der 126 klei­ne An­ten­nen­ele­men­te in sechs Krei­sen mit Mi­ni­an­ten­nen mon­tiert sind

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