An­ge­neh­mes Grund­brum­men

Tür­band­spe­zia­list Ba­sys wächst seit ei­ni­gen Jah­ren und baut der­zeit ei­ne neue Pro­duk­ti­ons­hal­le

schloss+beschlagmarkt - - Industrie -

cfk.- Rund um Ha­bichts­berg und Bä­ren­kopf, ganz im Nord­os­ten Nord­rhein-West­fa­lens, liegt die Ge­mein­de Kal­le­tal. Hier im Drei­eck zwi­schen Lem­go, Her­ford und Ha­meln fin­det sich auch das Un­ter­neh­men Bar­tels Sys­tem­be­schlä­ge, kurz Ba­sys, das die Brü­der Al­bert (51) und Jür­gen (46) Bar­tels ge­mein­sam in zwei­ter Ge­ne­ra­ti­on füh­ren. Ge­grün­det wur­de es 1995, als Het­tich sich von sei­ner aus­ge­la­ger­ten Bau­be­schlag­li­nie trenn­te.

Der Va­ter der Brü­der, Al­bert Bar­tels se­ni­or, war da­mals Ge­schäfts­füh­rer der ONI Me­tall­wa­ren, wie der Bau­be­schlag­be­reich bei Het­tich fir­miert war. „Das war ein Exot, denn Het­tich kon­zen­trier­te sich auf Mö­bel“, er­in­nert sich Al­bert Bar­tels ju­ni­or. Und so kam es, dass Va­ter und Sohn am 2. No­vem­ber 1995 ONI Me­tall­wa­ren kauf­ten und zu Ba­sys - Bar­tels Sys­tem­be­schlä­ge um­fir­mier­ten. Kurz nach der Jahr­tau­send­wen­de trat auch Jür­gen Bar­tels in das Un­ter­neh­men ein. „1995 war ich noch im Stu­di­um, an­schlie­ßend ha­be ich für ei­ne Un­ter­neh­mens­be­ra­tung ge­ar­bei­tet und mich da­mit auch selbst­stän­dig ge­macht“, skiz­ziert Jür­gen Bar­tels die da­ma­li­ge Zeit, in der er reich­lich in­ter­na­tio­na­le Er­fah­rung sam­mel­te und auch sei­ne Fremd­spra­chen­kennt­nis­se ver­tief­te. Als er dann bei Ba­sys ein­stieg, über­nahm er schritt­wei­se die Auf­ga­ben sei­nes Va­ters. Der gro­ße Vor­teil bei der Über­nah­me war, dass es be­reits ei­nen Be­stand an Kun­den gab, ein Ma­schi­nen­park und kom­pe­ten­te Mit­ar­bei­ter vor­han­den wa­ren und so­gar ein klei­ner Be­reich „sicht­ba­rer Be­schlä­ge“, wie es Al­bert Bar­tels nennt, für Het­tich re­gel­mä­ßig zu pro­du­zie­ren war. Doch „wir hat­ten von vorn­her­ein die Idee, al­les rund um den Tür­be­schlag sys­te­ma­tisch zu be­trei­ben“, lie­fert er nicht nur den Plan, den sein Va­ter und er für das Un­ter­neh­men hat­ten, son­dern auch ei­ne Er­läu­te­rung für den Un­ter­neh­mens­na­men. Wie der Sys­tem­ge­dan­ke bei Ba­sys zu ver­ste­hen ist, schil­dert Al­bert am Bei­spiel der Schließ­ble­che aus der „Sta­bi­lo“-Fa­mi­lie. „Die Sys­te­ma­tik hier be­deu­tet, dass die Schließ­ble­che hoch­gra­dig kom­pa­ti­bel sind. Es gibt ei­nen Fräs­typ, den­noch sind sämt­li­che Funk­tio­nen mög­lich. Da­durch wer­den auch an­de­re Tei­le re­du­ziert, zum Bei­spiel die Hal­te­ble­che. So­mit sind nur noch klei­ne Vor­rä­te nö­tig, was ein Vor­teil für den Kun­den ist.“Zu­dem er­mög­li­che die­ser Sys­tem­ge­dan­ke ei­ne ho­he Au­to­ma­ti­sier­bar­keit, „sprich der Ver­ar­bei­ter oder Kun­de kann un­se­re Tei­le in sei­ner Zar­gen­stra­ße au­to­ma­tisch ein­bau­en.“So­mit spie­len Stück­zah­len für Kun­den­auf- trä­ge kaum ei­ne Rol­le, „wir fer­ti­gen von der Stück­zahl eins bis zu ei­ner Mil­li­on, und bei­des kos­ten­güns­tig“, sagt Al­bert Bar­tels. Wo­bei er be­tont, dass „kos­ten­güns­tig“nicht die obers­te Prä­mis­se sei, „die lau­tet die Kun­den­wün­sche zu be­frie­di­gen.“Grund für die güns­ti­ge Fer­ti­gung auch klei­ner Stück­zah­len ist die Aus­stat­tung an Ma­schi­nen. „Wir kön­nen in der Fer­ti­gungs­tech­nik mit un­ter­schied­li­chen Tech­no­lo­gi­en glei­che Tei­le und Ma­te­ria­li­en be­ar­bei­ten und die glei­chen Er­geb­nis­se er­zie­len. Das gilt für al­le Pro­duk­te“, be­tont Al­bert Bar­tels. Ein Bei­spiel sind die Spe­zi­al­schrau­ben, die Bar­tels Sys­tem­be­schlä­ge zu ei­nem gro­ßen Teil selbst her­stellt. Be­nö­tigt wer­den Schrau­ben­köp­fe mit ei­ner ge­wis­sen Grö­ße, aber im Ver­hält­nis da­zu recht kur­ze Schraub­ge­win­de. „Ent­we­der or­dert man bei Her­stel­lern in Mil­lio­nen­stück­zah­len oder es wird zu teu­er“, schil­dert Al­bert Bar­tels das Di­lem­ma. Wenn nur ei­ne klei­ne Stück­zahl be­nö­tigt wird, wer­den die Schrau­ben schnell mit ei­nem Dreh­be­ar­bei­tungs­zen­trum pro­du­ziert, ist die be­nö­tig­te Char­ge grö­ßer, wird die klas­si­sche Schrau­ben­pro­duk­ti­ons­ma­schi­ne an­ge­wor­fen. „Man muss sich ei­nen gu­ten Na­men hart er­ar­bei­ten, auch wenn es um Kleinst­kun­den­wün­sche geht.“Auch über In­no­va­tio­nen kann man sich die­sen schaf­fen. 2001 stell­te das Un­ter­neh­men als ers­ter deut­scher Her­stel­ler zur BAU ein ver­deckt lie­gen­des und drei­di­men­sio­nal jus­tier­ba­res Band vor. Seit­dem wur­den auf der BAU re­gel­mä­ßig In­no­va­tio­nen der Band- und Schließ­blechSchmie­de prä­sen­tiert. In die­sem Jahr wur­de so­gar ein Mit­glied der Pro­dukt­fa­mi­lie „Pi­vo­ta DX“– längst ein Kom­plett­pro­gramm ver­deckt lie­gen­der, drei­di­men­sio­nal jus­tier­ba­rer Bän­der für stumpf ein­schla­gen­de Tü­ren, mit ei­nem In­no­va­ti­ons­preis aus­ge­zeich­net ( sie­he schloss+be­schlag­markt 2/17). Zu­dem fei­er­te das für den Schwer­last­be­reich ent­wi­ckel­te Band „Pi­vo­ta DXS 180 3-D Steel“Pre­mie­re. Das sind Baustei­ne da­für, dass Ba­sys sich über ei­nen or­dent­li­chen Kun­den­zu­spruch freu­en darf. „Ein über zwölf­pro­zen­ti­ges Um­satz­wachs­tum“, das Jür­gen Bar­tels für 2016 an­gibt, ist da­für ein In­diz. Das zwei­te steht der­zeit als Stahl­ge­rip­pe auf dem Ge­län­de des Un­ter­neh­mens, das Ge­rüst der neu­en Hal­le 4, die im Som­mer fer­tig­ge­stellt sein soll. Im Jahr 2011 hat­ten die Bar­tels-Brü­der be­reits Hal­le 3 neu ge­baut und das Un­ter­neh­men er­wei­tert. „Die soll­te uns et­was Luft ver­schaf­fen“, er­in­nert sich Jür­gen Bar­tels. Doch heu­te gilt er­neut: „Wir plat­zen aus al­len Näh­ten.“In der neu­en Hal­le wird die Au­to­ma­ten­stan­ze­rei ih­ren Platz fin­den. Doch ist das der letz­te An­bau, den Ba­sys vor­neh­men kann. Aus Brand­schutz­grün­den muss ab dann ei­ne Un­ter­neh­mens­er­wei­te­rung in Form ei­nes neu­en, ei­gen­stän­di­gen Ge­bäu­des er­fol­gen, „Platz und Ge­län­de da­für sind vor­han­den“, sagt Al­bert Bar­tels. Da­von, dass es der­zeit in den Hal­len sehr eng ist, kann man sich beim Rund­gang durch die Pro­duk­ti­on über­zeu­gen. Da wird of­fen­sicht­lich, dass auch heu­te im­mer noch reich­lich Hand­ar­beit nö­tig ist, um qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Be­schlä­ge zu fer­ti­gen – al­ler Au­to­ma­ti­sie­rung zum Trotz. Das gilt ins­be­son­de­re für die Qua­li­täts­si­che­rungs­maß­nah­men, wo Mit­ar­bei­ter in re­gel­mä­ßi­gen Stich­pro­ben che­cken, ob die Ma­schi­nen auch den Vor­ga­ben ge­mäß Pro­duk­te aus­wer­fen. Aber auch beim Schlei­fen und Po­lie­ren wird bei so man-

AL­BERT BAR­TELS „ Man muss sich ei­nen gu­ten Na­men hart er­ar­bei­ten, auch wenn es um Kleinst­kun­den­wün­sche geht.“

JÜR­GEN BAR­TELS „ Man kann mit Son­der­wün­schen kom­men, die noch so be­kloppt sind, hier wird je­der ernst ge­nom­men.“

chem Pro­dukt von Hand die fi­na­le Fein­ar­beit vor­ge­nom­men. Zum Start 1995 hat­te man knapp 60 Mit­ar­bei­ter, heu­te sind es 90, da­zu im­mer wie­der ei­ni­ge Zeit­ar­bei­ter, die sich um die Pro­duk­ti­on der Tür­be­schlä­ge küm­mern. „Wir ar­bei­ten im ZweiSchicht-Be­trieb, manch­mal auch sams­tags“, berichtet Al­bert Bar­tels. Ein Grund ne­ben dem wach­sen­den Um­satz ist auch der ho­he Fak­tor an Ei­gen­leis­tung, der in den Pro­duk­ten steckt. Selbst ein Teil der Be­fes­ti­gungs­schrau­ben wird hier in Kal­le­tal pro­du­ziert. Zu­dem gibt es ei­ne ei­ge­ne Nass- und Tro­cken­la­ckie­rung, le­dig­lich die Gal­va­nik wird au­ßer Haus er­le­digt. „Da geht es haupt­säch­lich ums Ver­zin­ken oder im sicht­ba­ren Be­reich ums Ver­ni­ckeln“, er­läu­tert Al­bert Bar­tels, und er­gänzt: „Man­ches müss­te man nicht un­be­dingt raus­ge­ben, aber wir sind ein Qua­li­täts­her­stel­ler und stel­len an uns sel­ber ent­spre­chen­de An­sprü­che.“Das ho­no­riert wohl auch der Markt, denn die Tü­ren- und Zar­gen­her­stel­ler, die Bän­der aus Kal­le­tal be­zie­hen, ge­hö­ren auch zu den qua­li­täts­be­wuss­ten An­bie­tern. Von Schörghu­ber über Her­holz, Hil­zin­ger, Graut­hoff und Hu­ga, Pi­e­no, To­pic bis KTM und Neu­form nut­zen nam­haf­te Her­stel­ler Ba­sys Bän­der. „Die­se Um­sät­ze sor­gen für ein an­ge­neh­mes Grund­brum­men“, ver­rät Jür­gen Bar­tels au­gen­zwin­kernd. Den Um­satz­an­teil, den Ba­sys im deut­schen Markt er­zielt, be­zif­fert Jür­gen Bar­tels mit 70 Pro­zent. Gut ver­tre­ten sieht er das Un­ter­neh- men zu­dem in Ös­ter­reich und der Schweiz, Ita­li­en, En­g­land, Po­len und Tsche­chi­en. Auch über den oft kol­por­tier­ten Ein­bruch im rus­si­schen Markt klagt man bei Ba­sys nicht. Ja­pan, Sin­ga­pur, Hon­gKong, Aus­tra­li­en und die USA sind wei­te­re Re­gio­nen, in de­nen Ba­sys über ei­nen fes­ten Kun­den­stamm ver­fügt und re­gel­mä­ßig Ab­sät­ze ge­ne­riert. Pro­du­ziert wird aber al­les in Kal­le­tal. Ge­treu dem Mot­to „an­de­re Län­der, an­de­re Bän­der“, wie Jür­gen Bar­tels sagt, sind die An­sprü­che sehr un­ter­schied­lich. Mit Ob­jekt­bän­dern, die im öst­li­chen Mit­teleu- ro­pa ein in­ter­es­san­tes The­ma sind, kön­ne man in Frank­reich oder Skan­di­na­vi­en nie­man­den be­geis­tern, „die be­vor­zu­gen die ver­deckt lie­gen­den Bän­der.“Eu­ro­pa ha­be zwar die CE-Norm, doch al­le Na­tio­nen hät­ten ei­ge­ne Bau­ord­nun­gen. Der we­sent­li­che Un­ter­schied sei die Be­wer­tung des Brand­schut­zes, der in Deutsch­land im­mer ei­nen wich­ti­gen Fak­tor dar­stel­le, in man­chen Län­dern aber eher ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le spie­le. Ähn­li­ches gel­te für das Ener­gie­spa­ren. In­so­fern se­hen sich die Brü­der be­stä­tigt, das Un­ter­neh­men schon „sehr sys­te­ma­tisch auf op­ti­ma­le Fer­ti­gungs­tech­nik aus­ge­rich­tet zu ha­ben.“Auch an neu­en Ab­satz­märk­ten ist man in Kal­le­tal in- ter­es­siert, al­ler­dings nicht um je­den Preis. Der chi­ne­si­sche sei zwar grund­sätz­lich in­ter­es­sant, „aber ent­spricht nicht un­se­rer Men­ta­li­tät“, wie die Brü­der uni­so­no sa­gen. „Wir schie­len mehr nach Nord­ame­ri­ka, wol­len uns da brei­ter auf­stel­len, zu­mal wir auch im Pro­zess der UL-Zer­ti­fi­zie­rung ste­hen.“Die ame­ri­ka­ni­sche Nor­mung ist auch im Mitt­le­ren Os­ten re­le­vant. Be­reits mehr­fach war Ba­sys als Au­stel­ler auf der Big5 in Du­bai, der größ­ten Bau­mes­se die­ser Re­gi­on. „Wir ha­ben da schon ganz gut Fuß ge­fasst“, ha­ben sich laut Jür­gen Bar­tels die Auf­trit­te schon ge­lohnt. Ne­ben neu­en Märk­ten, die Ba­sys sich er­obert hat, ba­siert das Wachs­tum auch auf dem der ei­ge­nen Kun­den. „Das Markt­um­feld ist güns­tig“, sagt Jür­gen Bar­tels, „wenn die wach­sen, wach­sen wir au­to­ma­tisch mit.“Um Mit­ar­bei­ter muss sich das Un­ter­neh­men auch nicht sor­gen: „Wenn wir ei­ne Aus­bil­dungs­stel­le aus­schrei­ben, ha­ben wir da über 20 Be­wer­ber.“Auch bie­tet der Tür­be­schlag­s­pe­zia­list die Mög­lich­keit des dua­len Stu­di­ums an. Ba­sys zählt zu den größ­ten Ar­beit­ge­bern in Kal­le­tal und die Men­schen dort sei­en eher schon von ei­ner bo­den­stän­di­gen Men­ta­li­tät ge­prägt, wie es Jür­gen Bar­tels aus­drückt. Zu­dem konn­ten zu­letzt al­le Azu­bis im An­schluss an die Aus­bil­dung über­nom­men wer­den. Drei Mit­ar­bei­ter sind in der Pro­dukt­ent­wick­lung be­schäf­tigt. Die set­zen dann Kun­den­wün­sche und ei­ge­ne Wei­ter­ent­wick­lun­gen um. „Man kann mit Son­der­wün­schen kom­men, die noch so be­kloppt sind“, zi­tiert Jür­gen Bar­tels ei­nen Kun­den, „hier wird je­der ernst ge­nom­men.“

Al­bert Bar­tels zeigt ein Mo­dell, an dem er­sicht­lich ist, wie ein ein­zel­nes Werk­zeug ein Schließ­blech in vier Schrit­ten er­stellt.

Die­se Ma­schi­ne kann so­wohl Frä­sen als auch mit La­ser das Me­tall zu­recht schnei­den – in ei­nem Ar­beits­gang, oh­ne dass die Me­tall­plat­ten neu ein­ge­spannt wer­den müs­sen.

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