Die Hül­le als Haut

Neu­er Ver­band Ge­bäu­de­hül­le er­klär­te sei­ne Zie­le

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sb.– Der Bun­des­ver­band en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Ge­bäu­de­hül­le hat im Rah­men der BAU sei­ne Aus­rich­tung und Ar­beits­schwer­punk­te vor­ge­stellt. Die In­ter­es­sen­ge­mein­schaft aus Un­ter­neh­men und Ver­bän­den for­dert un­ter an­de­rem die Schaf­fung ei­nes Ener­gie­mi­nis­te­ri­ums. Au­ßer­dem will sie da­für sor­gen, dass die Sa­nie­rungs­quo­te an­steigt.

Der Ver­gleich ist na­he­lie­gend: So wie un­se­re Haut uns vor Wär­me­ver­lust und zahl­rei­chen wei­te­ren äu­ße­ren Ein­flüs­sen schützt, schützt die Ge­bäu­de­hül­le ein Haus und sei­ne Be­woh­ner ge­gen Wind und Wet­ter, sorgt al­so im bes­ten Fal­le für Be­hag­lich­keit und Wohl­be­fin­den. „Die Ge­bäu­de­hül­le über­nimmt ähn­li­che Funk- tio­nen wie die Haut als Or­gan“, sag­te al­so auch Micha­el Wört

ler von Is­over in sei­nem Amt als Vor­stands­vor­sit­zen­der des im ver­gan­ge­nen Jahr ge­grün­de­ten Bun­des­ver­ban­des en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Ge­bäu­de­hül­le (BuVEG), der im Rah­men der BAU in Mün­chen sei­ne Aus­rich­tung und Ar­beits­schwer­punk­te vor­stell­te. Ne­ben Wört­ler hat­ten Ver­bands­ge­schäfts­füh­rer Jan Pe­ter Hin

richs so­wie Tho­mas Lau­rit­zen von Schü­co und Dr. Se­bas­ti­an

Dres­se von Ve­lux als Ver­tre­ter von Mit­glieds­un­ter­neh­men auf dem Po­di­um Platz ge­nom­men. Der Ver­band, der sei­nen Sitz an der Ber­li­ner Fried­rich­stra­ße hat, will sich als „Stim­me für die Hül­le als Gan­ze“po­si­tio­nie­ren und da­mit An­sprech­part­ner sein für die Po­li­tik, Me­di­en und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen. „Ei­ne sol­che Stim­me für die Ge­bäu­de-

hül­le hat zu lan­ge ge­fehlt“, sag­te Wört­ler. „Auch des­halb hat die Hül­le heu­te we­der in der po­li­ti­schen noch in der ge­sell­schaft­li­chen De­bat­te die Be­deu­tung, die ihr ei­gent­lich zu­steht. Wir sind an­ge­tre­ten, das zu än­dern!“Wich­ti­ges Ziel ist es – auch wenn die Ver­ant­wort­li­chen es nicht in die­ser Deut­lich­keit for­mu­lier­ten – , ein Ge­gen­ge­wicht zur star­ken deut­schen Hei­zungs­lob­by auf­zu­bau­en.

Steu­er­ge­schen­ke ge­for­dert

Der Ver­band wol­le die Ener­gie­wen­de mit­ge­stal­ten, „da­mit die Kos­ten da­für nicht aus dem Ru­der lau­fen“, sag­te Wört­ler. Um ef­fi­zi­en­te­re Ge­bäu­de und bes­se­re Le­bens­räu­me zu ge­stal­ten, hat der Ver­band po­li­ti­sche Po­si­tio­nen for­mu­liert. Er for­dert bei­spiels­wei­se die Schaf­fung ei­nes Ener­gie­mi­nis­te­ri­ums, weil „heu­te die Kom­pe­ten­zen für ef­fi­zi­en­te Ener­gie­nut­zung und nach­hal­ti­ge Ener­gie­ver­sor­gung auf min­des­tens sie­ben Mi­nis­te­ri­en und die Län­der ver­teilt sind“. Wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen wür­den des­halb ver­zö­gert oder fie­len gar nicht. In­ner­halb ei­nes Ener­gie­mi­nis­te­ri­ums könn­ten Kom­pe­ten­zen ge­bün­delt wer­den, die po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung wä­re „kla­rer de­fi­niert“. Ein wei­te­res zen­tra­les An­lie­gen der In­ter­es­sen­ge­mein­schaft ist die Stei­ge­rung der Sa­nie­rungs­quo­te auf min­des­tens zwei Pro­zent pro Jahr. Das größ­te Ein­spar­po­ten­zi­al im Ge­bäu­de­be­reich lie­ge in der Sa­nie­rung be­ste­hen­der Ge­bäu­de. Die För­de­rung von Ener­gie­ef­fi­zi­enz­maß­nah­men im Ge­bäu­de­sek­tor sei je­doch „nach wie vor ein Fli­cken­tep­pich“. Um die Quo­te zu er­hö­hen, for­dert der Ver­band, Sa­nie­rungs­maß­nah­men auch steu­er­lich zu för­dern. Be­ste­hen­de För­der­maß­nah­men soll­ten zu­sam­men­ge­legt und ver­ein­facht wer­den. Auf kom­mu­na­ler Ebe­ne soll­ten mit Kli­ma­schutz­plä­nen An­rei­ze für „ei­ne plan­vol­le­re Sa­nie­rungs­po­li­tik“ge­schaf­fen wer­den.

Ko­ope­ra­ti­on mit Hand­werk

Wei­te­re For­de­run­gen be­zie­hen sich auf die Si­che­rung der Al­ters­vor­sor­ge durch wert­hal­ti­ge (al­so en­er­gie­ef­fi­zi­en­te) Im­mo­bi­li­en und die Schaf­fung ho­her Ge­bäu­de­Stan­dards durch bes­ser auf­ein­an­der ab­ge­stimm­te Kom­po­nen­ten der Ge­bäu­de­hül­le. Zu­dem gel­te es, ge­mein­sam mit den Hand­werks­kam­mern die Aus­bil­dung ein­zel­ner Ge­wer­ke stär­ker mit­ein­an­der ver­knüp­fen. „Wir be­trach­ten die Ge­bäu­de­hül­le als Ge­s­amt- sys­tem. Un­ser Ziel ist es des­halb, die Ver­zah­nung der ein­zel­nen Kom­po­nen­ten zu ver­bes­sern und da­durch die Qua­li­tät der Aus­füh­rung zu stei­gern“, heißt es da­zu. Um sei­ne For­de­run­gen durch­set­zen zu kön­nen, sieht sich der Ver­band ak­tu­ell „gut auf­ge­stellt“, sag­te Wört­ler. Der Na­me, Bun­des­ver­band en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Ge­bäu­de­hül­le, klin­ge noch „et­was sper­rig“, er den­ke aber, „dass das nicht lan­ge so bleibt“. Zu den Grün­dungs­mit­glie­dern BASF, Fach­ver­band Mi­ne­ral­wolle­indus­trie, In­dus­trie­ver­band Hart­schaum, Is­over, Kn­auf In­su­la­ti­on, Rock­wool und Ur­sa sind zwi­schen­zeit­lich die Un­ter­neh­men Schü­co, Sto und Ve­lux so­wie der In­dus­trie­ver­band Po­ly­ure­thanHart­schaum ge­sto­ßen. Mit wei­te­ren Fir­men und Ver­bän­den sei man in Ge­sprä­chen. Ge­schäfts­füh­rer Hin­richs kün­dig­te an, dass der Ver­band zu­künf­tig re­gel­mä­ßig Bran­chen­zah­len zum Kom­plex Ge­bäu­de­hül­le ver­öf­fent­li­chen wer­de. Man wol­le neue und in­no­va­ti­ve Ide­en ent­wi­ckeln, wie Wohn-, Ar­beits­und Le­bens­räu­me in Deutsch­land ge­stal­tet wer­den kön­nen. Dar­über hin­aus sol­len Ver­an­stal­tun­gen or­ga­ni­siert und als­bald ein wis­sen­schaft­li­cher Bei­rat ge­grün­det wer­den.

FO­TO: RE­DAK­TI­ON/KOSI

Die Ge­bäu­de­hül­le funk­tio­niert wie die Haut ei­nes Men­schen.

FO­TO: BUVEG

Pres­se­kon­fe­renz auf der BAU in Mün­chen (v. l.): Jan Pe­ter Hin­richs , Micha­el Wört­ler, Dr. Se­bas­ti­an Dres­se und Tho­mas Lau­rit­zen spra­chen über die Am­bi­tio­nen des neu­en Ver­ban­des.

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