Was Um­fra­gen (nicht) sa­gen

Schwabmuenchner Allgemeine - - Erste Seite - VON MICHA­EL STIF­TER msti@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Fan­gen wir mit ei­ner klei­nen Um­fra­ge an: Glau­ben Sie an Um­fra­gen? Ha­ben Sie auch das Ge­fühl, dass die Kanz­le­rin die Uni­on mit ih­rer Po­li­tik der of­fe­nen Gren­zen im­mer noch tie­fer ins Um­fra­ge­tief stürzt? Und dass die AfD mit ih­rer An­ti-Will­kom­mens­kul­tur so po­pu­lär ist wie nie? Dann wer­fen wir doch mal ei­nen Blick zu­rück.

Ju­ni 2014: Die Flücht­lings­kri­se ist al­len­falls ei­ne va­ge Vor­ah­nung, weit weg am Ho­ri­zont. Die Deut­schen ha­ben Wich­ti­ge­res zu tun, schließ­lich läuft ge­ra­de die Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft. An­ge­la Mer­kel ju­belt auf der Tri­bü­ne und er­scheint in ih­rer Al­ter­na­tiv­lo­sig­keit un­an­tast­bar. Und die AfD? Die ar­bei­tet sich noch am Eu­ro ab statt an Asyl­be­wer­bern. Wie fie­len wohl da­mals die Um­fra­ge­wer­te aus? Die durch­aus über­ra­schen­de Ant­wort: Na­he­zu ex­akt so wie heu­te. Vor ein­ein­halb Jah­ren kam die Uni­on zum Bei­spiel bei For­sa auf 39 Pro­zent, die AfD er­reich­te da­mals 8 Pro­zent.

Nun kann man sich na­tür­lich über den Sinn oder Un­sinn der Um­fra­ge­ri­tis strei­ten. Fakt ist: Mei­nungs­for­schung ge­hört zum po­li­ti­schen Ge­schäft. Sie ist ein gu­ter Grad­mes­ser. Mehr aber auch nicht. Wer sei­nen Standpunkt in ers­ter Li­nie von Zu­stim­mungs­wer­ten ab­hän­gig macht, wird schnell zum po­li­ti­schen Wa­ckel­pud­ding – und könn­te am Wahl­tag ei­ne Über­ra­schung er­le­ben.

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